Würzburg: Bei Hitze im Auto gelassen - setzte Vater das Leben seines Babys aufs Spiel?
Mittwoch, 15.04.2026
von Redaktion Kinzig News
WÜRZBURG - Vor dem Amtsgericht Würzburg beginnt am Mittwoch der Prozess gegen einen Vater, der sein fünf Monate altes Baby im Juli 2024 bei sommerlichen Temperaturen in einem verschlossenen Auto zurückgelassen haben soll. Dem Mann wird Aussetzung vorgeworfen.
Nach den bisherigen Angaben soll der damals 40-Jährige sein Kind im Würzburger Stadtgebiet in einem geparkten Wagen zurückgelassen haben, während er sich in einem Möbelgeschäft aufhielt. Das Baby wurde demnach von einer Frau entdeckt. Polizisten befreiten das schreiende und verschwitzte Mädchen aus dem Auto.
Wie mehrere Medien berichten, soll das Kind mehr als 30 Minuten allein gelassen worden sein. Laut Staatsanwaltschaft lag die Außentemperatur bei 27 Grad, der Wagen stand in der prallen Sonne, das Beifahrerfenster war nur einen Spalt geöffnet.
Anklage sieht beginnende Hitzeerschöpfung
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft erlitt das Baby in dem stark aufgeheizten Fahrzeug eine beginnende Hitzeerschöpfung. Wäre es nicht rechtzeitig entdeckt worden, hätte sich daraus auch ein Hitzschlag mit tödlichen Folgen entwickeln können.
Verhandelt wird deshalb nicht bloß über eine Ordnungswidrigkeit oder ein minderschweres Delikt. Die Anklage lautet auf Aussetzung, also auf einen Vorwurf mit erheblichem strafrechtlichem Gewicht.
Mindeststrafe liegt bei einem Jahr
Die Staatsanwaltschaft hat den Fall zum Schöffengericht gebracht. Der Grund: Bei einer Tat zum Nachteil des eigenen Kindes handelt es sich hier nach den vorliegenden Angaben um ein Verbrechen, für das eine Mindeststrafe von einem Jahr vorgesehen ist.
Ganz neu ist der Fall für die Justiz allerdings nicht. Bereits im Mai 2025 hatte es einen ersten Prozessauftakt gegeben. Das Verfahren wurde damals jedoch wegen fehlender Zeugen und Terminproblemen ausgesetzt.
Fall zeigt erneut die Gefahr aufgeheizter Autos
Der Würzburger Fall rückt erneut ein bekanntes Risiko in den Fokus: Schon bei vergleichsweise moderaten Außentemperaturen können parkende Autos binnen kurzer Zeit zur lebensgefährlichen Falle werden. Genau davor warnen Polizei und Rettungskräfte seit Jahren immer wieder.
Im Gerichtssaal wird nun zu klären sein, wie genau sich der Vorfall abgespielt hat, wie lange das Baby tatsächlich im Wagen blieb und welche Verantwortung dem Vater strafrechtlich zugerechnet werden kann. (red)