Heftige Klatsche für Offenbach: In dieser Kategorie ist man Deutschlands Schlusslicht
Samstag, 18.04.2026
von Redaktion Kinzig News
OFFENBACH - Offenbach ist im neuen Kaufkraft-Ranking des Instituts der deutschen Wirtschaft bundesweit auf dem letzten Platz gelandet. Das preisbereinigte Pro-Kopf-Einkommen liegt laut der Auswertung bei 21.430 Euro. Ausschlaggebend sind vergleichsweise geringe Einkommen bei gleichzeitig hohen Lebenshaltungskosten.
Die neue IW-Studie vergleicht die Kaufkraft in 400 Kreisen und kreisfreien Städten. Dabei wird nicht nur das Einkommen betrachtet, sondern auch, wie stark regionale Preise für Wohnen, Konsumgüter und Dienstleistungen die tatsächliche Kaufkraft schmälern.
Wie der IW-Auswertung zu entnehmen ist, rutscht Offenbach genau durch diese Bereinigung ans Ende des Rankings. Während Heilbronn mit 39.424 Euro vorn liegt, bleibt Offenbach nach Abzug der regionalen Preisunterschiede bei 21.430 Euro und damit auf Rang 400.
Niedrige Einkommen treffen auf hohe Kosten
Nach Darstellung des IW schneiden viele Großstädte schlechter ab, weil hohe Wohnkosten die nominell oft besseren Einkommen auffressen. Bei Offenbach kommt erschwerend hinzu, dass das Einkommensniveau ohnehin vergleichsweise niedrig ist.
Op-online nennt dafür mehrere Gründe, die in der Stadt seit Jahren eine Rolle spielen: einen hohen Anteil an Geringverdienern, prekäre Beschäftigung, eine im Umlandvergleich höhere Arbeitslosigkeit sowie die Funktion Offenbachs als Ankunftsstadt für viele Zuwanderer, die häufig zunächst mit niedrigen Einkommen starten.
Tafelchefin beschreibt den Alltag vieler Menschen
Besonders greifbar wird das Ergebnis durch die Schilderungen aus der Stadt selbst. Die Offenbacher Tafelchefin Christine Sparr sagte laut op-online: „Was hier mittlerweile abgeht, ist widernatürlich.“ Viele Menschen hätten wegen hoher Mieten und stark gestiegener Preise jeden Tag zu kämpfen.
Auch bei Senioren werde die Lage immer schwieriger. Sparr berichtet von älteren Menschen, die sich kleinere Wohnungen eigentlich wünschen würden, aber in ihren bisherigen Wohnungen bleiben müssten, weil selbst Einzimmerwohnungen inzwischen ähnlich teuer oder teurer seien. Sie formuliert es drastisch: „Diese Fälle zeigen, wie kaputt der Mietmarkt in Offenbach mittlerweile ist.“
Stadt verweist auf Bildung, Arbeit und Wohnungsbau
Aus dem Offenbacher Rathaus kommt wenig Überraschung, aber eine klare politische Einordnung. Kämmerer Martin Wilhelm sagte laut dem Bericht, die schwache Platzierung sei nicht neu und ein weiteres Zeichen dafür, dass Offenbach weiterhin eine Stadt mit Aufholbedarf sei. Hinter solchen Zahlen stünden konkrete Lebensrealitäten.
Oberbürgermeister Felix Schwenke sieht vor allem beim Wohnungsbau und bei besser bezahlten Arbeitsplätzen die entscheidenden Hebel. Sein zentrales Argument: Wer eine bezahlbare Wohnung finde und einen anständigeren Lohn bekomme, habe am Ende auch mehr Geld zum Leben übrig.
Studie zeigt mehr als nur ein Zahlenproblem
Für Offenbach ist der letzte Platz deshalb mehr als eine statistische Randnotiz. Die Auswertung macht sichtbar, dass selbst in einer dynamischen Stadt mit Unternehmensgründungen wirtschaftliches Potenzial nicht automatisch bei den privaten Haushalten ankommt. Op-online verweist in diesem Zusammenhang auch auf die Auszeichnung Offenbachs als „mutigste Gründerstadt Deutschlands“ im Jahr 2025.
Der Befund bleibt dennoch eindeutig: Wer in Offenbach lebt, hat nach der neuen IW-Berechnung im Schnitt weniger finanziellen Spielraum als in jeder anderen untersuchten Stadt oder jedem anderen Landkreis in Deutschland. (red)