Warum dieser Baum zum gewaltigen Problem für Mensch und Natur werden könnte
Samstag, 25.04.2026
von Redaktion Kinzig News
DARMSTADT - Der Götterbaum ist in Darmstadt längst kein seltener Anblick mehr. Nach Angaben der Stadt wächst die ursprünglich in Asien beheimatete Art im gesamten Stadtgebiet, besonders schnell in den ersten Jahren und auch an Stellen, die leicht übersehen werden, etwa in Ritzen und Fugen. Sie gilt als robust gegenüber Luftverschmutzung, Verletzungen und veränderten klimatischen Bedingungen.
Genau das macht die Pflanze aus Sicht der Stadt zum Problem. Der Götterbaum breitet sich stark aus, verdrängt heimische Arten und kann sich durch Wurzelausläufer weiter vermehren. Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie führt den Götterbaum als invasive Art im Management und warnt vor Dominanzbeständen, veränderten Vegetationsstrukturen und Konkurrenz für gefährdete Arten.
Stadt setzt auf frühes Eingreifen
Die wichtigste Botschaft aus Darmstadt lautet deshalb: Junge Götterbäume sollen möglichst früh entfernt werden. Nach Angaben der Stadt werden wilde Jungpflanzen auf öffentlichen Grünflächen seit 2019 konsequent beseitigt. Gleichzeitig setzt die Kommune ausdrücklich darauf, dass auch Eigentümer auf privaten Flächen mitziehen.
Denn aus Sicht der Stadt reicht ein Vorgehen auf öffentlichen Flächen allein nicht aus. Gerade auf Baustellen, Gewerbeflächen und in Privatgärten brauche es Unterstützung, damit sich die Art nicht weiter in sensible Außenbereiche wie Streuobstwiesen ausbreitet.
Alte Bäume bleiben teils stehen
Ganz so einfach ist der Umgang mit dem Götterbaum allerdings nicht. Die Stadt macht deutlich, dass ältere Exemplare nicht pauschal gefällt werden sollen. In Parks und an innerstädtischen Straßen bleiben Bestandsbäume teils bewusst erhalten, weil sie nach Einschätzung der Stadt auch positive Wirkungen für das Stadtklima haben.
Für Eigentümer heißt das: Es geht vor allem um aufkommenden Jungwuchs und neue Ausbreitung. Bei älteren Bäumen ist abzuwägen, ob eine Entfernung überhaupt sinnvoll ist. Zudem fallen Bäume ab einem Stammumfang von 60 Zentimetern unter die Darmstädter Baumschutzsatzung; für ihre Entfernung ist eine Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde nötig.
Was Bürger beachten sollen
Die Stadt rät dazu, Sprosse und Jungbäume möglichst bei feuchtem Boden vollständig samt Wurzeln zu entfernen. Ein bloßes Abschneiden sei keine Lösung, weil es den Neuaustrieb sogar fördern könne. Auch nach einer Entfernung seien regelmäßige Kontrollen nötig, da selbst kleine Wurzelreste wieder austreiben können.
Hinzu kommt ein praktisches Entsorgungsproblem: Samen und Pflanzenteile dürfen nicht einfach in die Biotonne oder auf den Kompost, weil sie keimfähig bleiben. Die Stadt empfiehlt für geeignete Teile den Restmüll, für größere Mengen den Kontakt mit dem Entsorgungsbetrieb.
Auch gesundheitlich nicht ganz harmlos
Neben den ökologischen Folgen gibt es auch gesundheitliche Aspekte. Nach Angaben von Stadt und HLNUG können Pflanzensaft, Rinde und Blätter Hautreizungen auslösen, außerdem werden Pollenallergien als mögliches Problem genannt. Deshalb rät die Stadt bei Arbeiten am Götterbaum zu Handschuhen und schützender Kleidung.
Für Darmstadt ist das Thema damit mehr als nur eine botanische Randnotiz. Die Stadt will verhindern, dass sich die Art von innerstädtischen Standorten weiter in naturschutzfachlich empfindliche Räume ausbreitet. Der Hebel dafür liegt vor allem im frühen Erkennen und Entfernen neuer Pflanzen. (red)