Impuls von Stefan Buß: Christus ist auferstanden – und nun geht er zum Vater. Das Fest Christi Himmelfahrt
Mittwoch, 13.05.2026
von STEFAN BUß
FULDA / MKK - Das Fest Christi Himmelfahrt. Viele Menschen verbinden mit diesem Tag vor allem einen freien Donnerstag, Ausflüge, Familienzeit oder Traditionen. Doch das eigentliche Geheimnis dieses Festes ist weit größer: Heute feiern wir nicht, dass Jesus „weggeht“, sondern dass er vollendet wird. Wir feiern nicht einen Abschied, sondern eine neue Nähe.
Denn die Himmelfahrt Jesu bedeutet nicht, dass Christus sich von der Welt entfernt. Der Himmel ist kein Ort irgendwo über den Wolken. Der Himmel ist dort, wo Gott ist. Und wenn Jesus in den Himmel aufgenommen wird, dann heißt das: Ein Mensch – mit Leib und Seele, mit Wunden und Geschichte – hat für immer Platz bei Gott.
Das ist eine ungeheure Hoffnung für uns. Denn Jesus nimmt nicht nur sich selbst mit zum Vater. Er nimmt unsere Menschlichkeit mit. Alles, was unser Leben ausmacht – Freude und Schmerz, Mühe und Liebe, Fragen und Sehnsucht – ist in Gott hineingenommen.
Darum ist Christi Himmelfahrt kein fernes Dogma, sondern eine Botschaft für unseren Alltag.
Wenn wir uns klein fühlen, sagt dieses Fest: Der Mensch ist groß in Gottes Augen. Wenn wir an Grenzen stoßen, sagt dieses Fest: Unser Ziel liegt nicht im Vergänglichen. Wenn wir Abschiede erleben, sagt dieses Fest: Kein Weg endet im Nichts. Wenn wir an der Welt verzweifeln, sagt dieses Fest: Christus herrscht – nicht Gewalt, nicht Angst, nicht Tod.
Doch bevor Jesus zum Vater geht, gibt er seinen Jüngern einen Auftrag: „Ihr werdet meine Zeugen sein.“
Das heißt: Wer an den erhöhten Christus glaubt, darf nicht nur nach oben schauen. Er muss auf die Erde schauen – zu den Menschen, die Trost brauchen, Gerechtigkeit suchen, Liebe vermissen, Hoffnung verloren haben.
Christi Himmelfahrt hebt unseren Blick – aber sie nimmt uns nicht aus der Verantwortung. Im Gegenteil: Weil Christus beim Vater ist, sind wir seine Hände in dieser Welt. Wir sind seine Stimme, wenn wir Wahrheit sprechen. Seine Nähe, wenn wir jemanden nicht allein lassen. Sein Licht, wenn wir Hoffnung weitergeben.
Vielleicht standen die Jünger damals noch lange da und schauten zum Himmel. Doch die Engel sagten ihnen sinngemäß: Bleibt nicht stehen. Geht euren Weg. Er wird wiederkommen – aber bis dahin lebt aus seinem Geist.
Auch wir stehen manchmal da und warten: auf bessere Zeiten, auf Lösungen, auf Veränderungen, auf ein Zeichen Gottes.
Christi Himmelfahrt ruft uns heute zu: Wartet nicht nur – geht. Klagt nicht nur – handelt. Fürchtet euch nicht – vertraut. Schaut nicht nur zum Himmel – bringt den Himmel zu den Menschen.
Denn Christus ist nicht verschwunden. Er ist uns vorausgegangen. Er ist erhöht – und gerade darum uns nah.
So feiern wir voller Freude: Der Herr ist im Himmel. Und darum ist unsere Hoffnung auf Erden lebendig.