Schwere Vorwürfe gegen HNO-Arzt aus Rhein-Main: Gingen Patienten bei ihm durch die Hölle?
Samstag, 23.05.2026
von Redaktion Kinzig News
FRANKFURT AM MAIN - Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt gegen einen HNO-Arzt aus dem Rhein-Main-Gebiet. Im Raum stehen schwere Vorwürfe: sexuelle Übergriffe mit Gewalt, sexuelle Nötigung, sexueller Missbrauch unter Ausnutzung eines Behandlungsverhältnisses und gefährliche Körperverletzung.
Nach Recherchen des Hessischen Rundfunks soll der Mediziner über Jahre hinweg mindestens neun junge Männer im Rahmen ärztlicher Behandlungen missbraucht und gequält haben. Die Praxis des Arztes wurde Anfang Mai durchsucht. Der von der Staatsanwaltschaft genannte Tatzeitraum reicht von 2009 bis 2025.
Betroffene schildern schmerzhafte Behandlungen
Mehrere mutmaßlich Betroffene berichten, sie hätten den Arzt wegen chronischer Beschwerden der Neben- oder Kieferhöhlen oder wegen Allergien aufgesucht. Der Mediziner habe ihnen vermittelt, ihre Beschwerden seien schwerwiegend und müssten dringend behandelt werden.
Nach Angaben der Männer folgten extrem schmerzhafte Behandlungen. Der Arzt soll dabei mit einem spatelähnlichen Gerät durch die Nase in den Kiefer- oder Nebenhöhlenbereich eingedrungen sein. Einige Betroffene beschreiben, er habe dort „gekratzt“.
Vorwürfe stehen im Zusammenhang mit Arztterminen
Die Staatsanwaltschaft bestätigt laut hr, dass alle Taten, die dem Arzt zur Last gelegt werden, im Zusammenhang mit ärztlichen Behandlungen stehen. Keines der mutmaßlichen Opfer sei minderjährig gewesen.
Mehrere Männer berichten, der Arzt habe sich während der schmerzhaften Behandlung über sie gebeugt, sich teilweise auf sie gelegt und sexuelle Bewegungen gemacht. Andere schildern, er habe ihren Kopf, ihr Gesicht oder ihre Beine gestreichelt. Wegen der Schmerzen hätten sie sich nicht wehren können.
Ermittler prüfen mehrere Fälle
Bislang sind nach Angaben der Staatsanwaltschaft neun mutmaßlich Betroffene bekannt. Bei einigen soll es zu mehreren Vorfällen gekommen sein. Die genaue Zahl werde derzeit noch ermittelt.
Unklar ist, ob es weitere Betroffene gibt. In Online-Bewertungen zur Praxis sollen sich laut hr ähnliche Schilderungen finden. Einige Männer gaben außerdem an, die Landesärztekammer eingeschaltet zu haben. Diese wollte sich mit Verweis auf den Datenschutz nicht äußern.
Beschuldigter äußert sich nicht
Der beschuldigte Arzt selbst reagierte nach Angaben des hr nicht auf Anfragen. Sein Anwalt teilte mit, er habe seinem Mandanten empfohlen, sich im aktuellen Verfahrensstadium nicht zu dem Ermittlungsverfahren zu äußern.
Für den Mediziner gilt die Unschuldsvermutung. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Frankfurt dauern an. (red)