Impuls von Stefan Buß: 100 Jahre Heiligtum und Verehrung des Hl. Bonifatius in Dokkum
Samstag, 30.05.2026
von STEFAN BUß
FULDA / MKK - Die Stadt Dokkum ist seit Jahrhunderten untrennbar mit dem Namen des heiligen Bonifatius verbunden. Hier erlitt der angelsächsische Missionar am 5. Juni 754 zusammen mit seinen Gefährten den Märtyrertod. Seitdem entwickelte sich Dokkum zu einem bedeutenden Erinnerungs- und Wallfahrtsort.
Besonders die letzten hundert Jahre markieren eine Phase intensiver Erneuerung der Verehrung Bonifatius’, der Pflege seines Heiligtums und der internationalen Pilgerbewegung. In diesem Jahr feiern wir mit und in unserer Partnerstadt dieses Jubiläum.
Die Bonifatiuswallfahrt vor 100 Jahren ging auf den Karmelitenpater Titus Brandsma, der 2022 heiliggesprochen wurde, zurück. Er war Mitglied der 1925 gegründeten Bruderschaft der Heiligen Bonifatius und Gefährten, die Dokkum zu einem nationalen Wallfahrtsort machen wollte. 1926 fand die erste nationale Bonifatiuswallfahrt der Neuzeit statt.
Bereits im Mittelalter entstand an der vermuteten Stelle seines Todes ein Pilgerzentrum mit Quelle und Gedenkstätte. Die dortige Quelle galt als heilkräftig, was den Zustrom von Pilgern förderte. Bis zur Reformation blieb Dokkum ein bedeutender Wallfahrtsort. Danach kam die öffentliche Verehrung weitgehend zum Erliegen.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erwachte das Interesse an Bonifatius neu. Im Jahr 1925 wurde die St.-Bonifatius-Stiftung gegründet, mit dem Ziel, Dokkum wieder als Pilgerort zu etablieren. Bereits ein Jahr später fand eine erste nationale Wallfahrt statt.
Ein sichtbares Zeichen dieser Bewegung war der Bau der
Bonifatiuskapelle im Jahr 1934. Die Kapelle wurde als halboffene Anlage
mit amphitheaterartiger Gestaltung errichtet. Sie bot Platz für große
Gottesdienste unter freiem Himmel und verband Architektur mit
liturgischer Funktion. Vor der Kapelle liegt weiterhin die
Bonifatiusquelle, die bis heute Teil der Wallfahrtstradition ist.
In
den vergangenen hundert Jahren wurde Dokkum zu einem festen Ziel
katholischer Pilgergruppen aus den Niederlanden, Deutschland und anderen
Ländern.
Die Verehrung Bonifatius’ in Dokkum besitzt dabei mehrere Dimensionen:
- Die Märtyrerverehrung: Bonifatius gilt als Zeuge des Glaubens.
- Die Europäische Verbundenheit: Als Engländer, Missionar in Deutschland und Märtyrer in Friesland verbindet er mehrere Länder Europas.
- Eine Ökumenische Bedeutung: Heute wird Bonifatius nicht nur katholisch, sondern auch historisch und kulturell gewürdigt.
Hundert Jahre nach der organisierten Wiederbelebung des Heiligtums ist Dokkum weiterhin ein lebendiger Wallfahrtsort. Die Bonifatiuskapelle, die Quelle, der Kreuzwegpark und die jährlichen Gedenkfeiern halten die Erinnerung wach. In einer zunehmend säkularen Gesellschaft steht Bonifatius dort als Symbol für Glaubensmut, kulturelle Begegnung und geistliche Beständigkeit.
Morgen wird hier der große Wallfahrtsgottesdienst stattfinden. Unser Bischof Dr. Michael Gerber und auch ich selber werden mitfeiern. Der Stadtpfarrchor St. Simplicius wird den Gottesdienst musikalisch mitgestalten. Auch eine große Abordnung unserer Messdiener wird dabei sein und am Jugendprogramm der Diözese Leuwarden- Groningen teilnehmen.


