Die Deutsche Bahn im großen Check: Ist Zugfahren in Deutschland wirklich so schlimm?
Samstag, 27.06.2026
von Redaktion Kinzig News
DEUTSCHLAND - Der ADAC hat die Deutsche Bahn in einem Qualitätscheck unter die Lupe genommen. Testerinnen und Tester fuhren dafür Anfang des Jahres zwei Wochen lang mit dem ICE durch Deutschland.
Geprüft wurden 118 geplante Verbindungen – darunter Langstrecken wie Hamburg–München sowie kürzere Teilstrecken wie Nürnberg–Augsburg. Das Ergebnis fällt gemischt aus: Beim Komfort schneidet die Bahn besser ab als vielfach erwartet, bei Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit bleibt der Befund schwach.
14 Fahrten fanden gar nicht statt
Von den 118 geplanten ICE-Fahrten fanden nach Angaben des ADAC nur 104 tatsächlich statt. Von diesen 104 Verbindungen waren 43 pünktlich.
Das entspricht einer Pünktlichkeitsquote von 41 Prozent. Dabei berücksichtigt die Bahn Verspätungen bis sechs Minuten noch als pünktlich. Auch Anschlüsse wurden im Test häufig verpasst: Nur in 44 Prozent der Fälle klappte der Umstieg wie geplant.
Baustellen, Signalstörungen und Personalmangel
Die Gründe für Ausfälle und Verspätungen lagen laut ADAC häufig im Verantwortungsbereich der Bahn. Genannt werden unter anderem Signalstörungen, Baustellen und Personalmangel.
Seltener waren äußere Umstände wie heftige Schneefälle oder ein Notarzteinsatz die Ursache.
App informiert nicht immer zuverlässig
Kritik übt der ADAC auch am Informationsservice. Der DB Navigator informierte zwar in vielen Fällen frühzeitig über Änderungen im Fahrplan, war aber nicht immer verlässlich.
Nur bei zwei Dritteln der Stichprobe stimmte die App-Information mit der tatsächlichen Abfahrt überein. In 30 Prozent der Fälle fuhr der Zug im Schnitt 25 Minuten später ab, als noch eine Stunde vorher in der App angegeben.
ICE fährt teils früher als angekündigt
Besonders ärgerlich aus Sicht des ADAC: In vier Prozent der Fälle fuhr der ICE sogar früher ab als in der App angezeigt.
Wer eine angezeigte Verspätung für einen Kaffee, einen Toilettengang oder eine kurze Pause nutzte, konnte dadurch den Zug verpassen.
Gute Noten für Sauberkeit und Komfort
Deutlich besser fällt das Urteil beim Reisekomfort aus. Die getesteten Züge waren nach ADAC-Angaben in 95 Prozent der Fälle sauber.
Klimaanlage und Heizung funktionierten, WLAN war zu den Messzeiten störungsfrei und fast immer vorhanden. Auch das Bordbistro hatte fast immer geöffnet, ebenso die Toiletten.
ADAC sieht Sofortprogramm positiv
Der ADAC wertet diese Ergebnisse als Hinweis darauf, dass das Sofortprogramm der Bahn Wirkung zeigt. Die Deutsche Bahn hatte Anfang des Jahres ein Programm im Umfang von 20 Millionen Euro gestartet, um unter anderem Komfort und Kommunikation zu verbessern.
Zumindest im Testzeitraum machten sich Verbesserungen in diesen Bereichen bemerkbar. An der grundsätzlichen Kritik an Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit ändert das jedoch wenig.
Was Reisende beachten sollten
Der ADAC empfiehlt Bahnreisenden weiterhin, den DB Navigator zu nutzen. Eine bessere Alternative gebe es derzeit nicht. Gleichzeitig sollten Reisende die App-Informationen immer mit Anzeigen am Bahnsteig und Durchsagen abgleichen.
Gerade bei Umstiegen sei ein ausreichender Zeitpuffer sinnvoll. Außerdem rät der ADAC davon ab, den letzten Zug des Tages zu nehmen, weil bei einem Ausfall oft keine Alternativen mehr bleiben.
Entschädigungen funktionieren zuverlässig
Bei Verspätungen und Zugausfällen stehen Reisenden Entschädigungen zu. Positiv bewertet der ADAC, dass Rückerstattungen im Test zuverlässig funktionierten.
Besonders bequem sei die Abwicklung über das persönliche Kundenkonto in der Navigator-App.
Forderung nach mehr Transparenz
Der ADAC fordert von der Deutschen Bahn mehr Transparenz bei der Pünktlichkeitsstatistik. Diese sollte aus Sicht des Clubs auch Zugausfälle, vorzeitig beendete Fahrten und alle Verspätungen ab der ersten Minute erfassen.
Außerdem sollten Sitzplatzreservierungen bei Zugausfällen oder geänderten Verbindungen automatisch auf alternative Verbindungen übertragen werden. Wo das nicht möglich ist, sollten die Zugbindung aufgehoben oder Fahrgäste angemessen entschädigt werden. (red)