Historische Knochen in Nidderau sorgen für Begeisterung: Warum jedoch auch Frust aufkommt
Samstag, 04.07.2026
von Redaktion Kinzig News
NIDDERAU - In Nidderau-Heldenbergen sind Archäologen auf sieben rund 2500 Jahre alte Gräber aus der Keltenzeit gestoßen. Die Funde wurden bei Vorarbeiten für ein neues Gewerbegebiet entdeckt.
Auffälligkeiten im Boden hatten die Fachleute auf die Fundstelle aufmerksam gemacht. Nun hoffen die Archäologen auf ungewöhnlich genaue Erkenntnisse über das Leben der Menschen, die damals im heutigen Main-Kinzig-Kreis lebten.
Grab eines mutmaßlichen Kriegers entdeckt
Besonders auffällig ist das Grab eines mutmaßlichen Kriegers. Der Verstorbene wurde nach Angaben der Archäologen mit Schwert und Speer bestattet.
Neben den Waffen wurden auch ein Gefäß und Schmuck gefunden. Die Knochen sind nach rund zweieinhalb Jahrtausenden außergewöhnlich gut erhalten. Das könnte die späteren Laboruntersuchungen besonders aussagekräftig machen.
Hinweise auf Alltag und Lebensbedingungen
Die eigentliche Forschungsarbeit beginnt erst jetzt. Knochen, Grabbeigaben und Erdproben werden bei der Landesarchäologie in Wiesbaden untersucht.
Die Fachleute wollen unter anderem herausfinden, wie alt die Verstorbenen wurden, ob sie krank waren, ob sie schwere körperliche Arbeit leisten mussten und wie gut ihre Ernährung war. Auch Hinweise auf Familienverhältnisse könnten sich aus den Untersuchungen ergeben.
Keine Fürstengräber, aber wohlhabende Menschen
Bei den Gräbern handelt es sich nicht um Fürstengräber wie am nahe gelegenen Glauberg. Dennoch deuten die Beigaben darauf hin, dass die Verstorbenen nicht zur ärmsten Bevölkerung gehörten.
Waffen, Tongefäße und Schmuck sprechen nach Einschätzung der Archäologen eher für Menschen aus der damaligen Mittel- oder Oberschicht. Der bekannte Keltenfürst vom Glauberg wurde nur rund 20 Kilometer entfernt entdeckt.
Schmuck war ursprünglich bronzefarben
Zu den Funden gehört auch grün schimmernder Hals- und Armschmuck eines vermutlich weiblichen Leichnams. Die heutige Farbe täuscht jedoch.
Das Grün entstand durch Oxidation über die Jahrhunderte. Ursprünglich dürfte der Schmuck bronzefarben geglänzt haben.
Bergung ist Millimeterarbeit
Die Freilegung der Gräber ist aufwendig. Die Archäologen arbeiten mit kleinen Werkzeugen und legen Knochen und Beigaben Stück für Stück frei.
Anschließend werden die Funde nicht einfach einzeln herausgenommen. Stattdessen werden sie mitsamt der umgebenden Erde als Block geborgen. Der schwerste dieser Blöcke wog rund 180 Kilogramm und musste von mehreren Personen gehoben werden.
Gewerbegebiet verzögert sich durch Grabungen
Die Ausgrabungen verzögern den Bau des geplanten Gewerbegebiets in Heldenbergen. Die Untersuchungen sind jedoch gesetzlich vorgeschrieben.
Nach Angaben von Nidderaus Bürgermeister Andreas Bär belaufen sich die Kosten derzeit auf rund 500.000 Euro. Zunächst trägt die Stadt die Kosten. Später sollen sie über den Quadratmeterpreis auf die Grundstücke des rund zwei Hektar großen Gewerbegebiets umgelegt werden.
Nidderau als archäologischer Hotspot
Für die Archäologen ist jeder weitere Tag auf der Fläche wertvoll. Die Fundstelle könnte zusätzliche Hinweise darauf liefern, wie Menschen in Hessen vor 2.500 Jahren lebten, arbeiteten und bestattet wurden.
Nidderau gilt ohnehin als besonders fundreiche Stadt im Main-Kinzig-Kreis. Inzwischen sind dort rund 500 archäologische Fundstellen bekannt. (red)