Gefährlicher Appetit: Woran ein junger Storch um ein Haar gestorben wäre
Samstag, 11.07.2026
von Redaktion Kinzig News
ELZ - Ein junger Storch wäre beinahe an einem ungewöhnlichen Fremdkörper in seinem Magen gestorben. In einer Tierarztpraxis kam schließlich ein riesiges Knäuel aus Gummibändern und Silikonteilen zum Vorschein.
Biga Kruse, Gründerin der Wildtierauffangstation Klingelbacher Mühle, zeigte sich angesichts des Fundes fassungslos. Einen derartigen Fall habe sie nach eigenen Angaben noch nie gesehen.
Jungstorch war geschwächt und humpelte
Der junge Storch war am vergangenen Freitag gemeinsam mit einem zweiten Tier in eine Tierarztpraxis in Elz gebracht worden. Er humpelte und wirkte deutlich geschwächt.
Der zweite Storch hatte eine Verletzung am Flügel erlitten. Zunächst schien deshalb vor allem dieser Fall besonders ernst zu sein. Bei der Untersuchung des ersten Vogels zeigte sich jedoch schnell, dass auch dort akute Lebensgefahr bestand.
Magen fühlte sich „wie ein riesiges Ei“ an
Die Tierärzte stellten bei dem geschwächten Jungstorch einen ungewöhnlich großen und steinharten Magen fest.
Nach Angaben von Kruse habe sich dieser wie ein riesiges Ei angefühlt. Das Tier bekam daraufhin Schmerzmittel und zunächst nur leichte Nahrung.
Riesiges Knäuel kommt zum Vorschein
Die Hoffnung war, dass der Storch dadurch etwas hochwürgen würde. Genau das geschah schließlich.
Zum Vorschein kam ein großer Haufen aus Gummibändern sowie zwei längliche Silikonteile, wie sie beispielsweise bei Fensterdichtungen verwendet werden.
Ohne Hilfe wäre der Storch verhungert
Nach Einschätzung von Kruse hätte der Jungstorch ohne medizinische Hilfe kaum eine Überlebenschance gehabt.
Durch die Fremdkörper im Magen hätte er Nahrung offenbar nicht mehr normal aufnehmen und verarbeiten können. Der Vogel wäre demnach letztlich verhungert.
Zustand des Vogels verbessert sich
Inzwischen gibt es erste positive Signale. Der Bauch des Jungstorchs ist deutlich abgeschwollen und wieder weich.
Selbstständig fressen kann das Tier derzeit noch nicht. Zwangsgefütterte Nahrung kann es aber offenbar verarbeiten.
Weiterhin nicht außer Gefahr
Völlig über den Berg ist der Storch noch nicht. Unklar ist weiterhin, ob sich noch weitere Gummiteile im Körper befinden und ob diese auf natürlichem Weg ausgeschieden werden können.
Nach bisherigen Beobachtungen scheint jedoch zumindest kein Verschluss des Verdauungstrakts vorzuliegen. Die Entwicklung gibt damit Anlass zur Hoffnung.
So können Gummibänder auf Felder gelangen
Kruse erklärt auch, wie solche Fremdkörper überhaupt in die Natur geraten können. Nicht verkauftes Gemüse, das mit Gummibändern gebündelt ist, werde teilweise in Kompostieranlagen gebracht.
Während das Gemüse verrottet, bleiben die Gummibänder erhalten. Gelangt dieser Kompost später auf Felder oder in Gärten, können Tiere die Fremdkörper mit Nahrung verwechseln und verschlucken.
Müll wird für Wildtiere zur tödlichen Gefahr
Der Fall zeigt, wie gefährlich selbst kleine, scheinbar harmlose Kunststoff- und Gummiteile für Wildtiere werden können.
Für den jungen Storch kam die Hilfe offenbar gerade noch rechtzeitig. Nun bleibt zu hoffen, dass er sich vollständig erholt und keine weiteren Fremdkörper in seinem Verdauungstrakt zurückbleiben. (red)