Tragische Ursache: Warum es den Steinböcken im Frankfurter Zoo jetzt an den Kragen geht
Samstag, 18.07.2026
von Redaktion Kinzig News
FRANKFURT AM MAIN - Der Frankfurter Zoo hat seine gesamte Gruppe Westkaukasischer Steinböcke einschläfern lassen. Alle 16 Tiere, die auch als Ture bezeichnet werden, waren mit dem Paratuberkulose-Erreger infiziert.
Der, die auch als Ture bezeichnet Zoo sprach von einer „ebenso bitteren wie alternativlosen Entscheidung“. Die Krankheit ist nicht behandelbar und hätte für die betroffenen Tiere langfristig erhebliches Leiden bedeutet.
Krankheit führt zu chronischer Darmentzündung
Bei dem Erreger handelt es sich um ein Bakterium, das eng mit dem Tuberkulose-Erreger verwandt ist. Es verursacht eine chronische Darmentzündung.
Erkrankte Tiere können unter anhaltendem Durchfall leiden, stark abmagern und schließlich sterben. Eine wirksame Schutzimpfung oder Behandlung gibt es nach Angaben des Zoos nicht.
Weitere Tiere im Zoo könnten gefährdet sein
Mit der Entscheidung sollte nicht nur den erkrankten Steinböcken weiteres Leiden erspart werden. Der Zoo will außerdem verhindern, dass sich das Bakterium auf andere Wiederkäuer überträgt.
Gefährdet sein könnten unter anderem Rinder, Giraffen, Antilopen und Gazellen. Im Frankfurter Zoo betrifft das auch stark bedrohte Arten wie Addax-Antilopen, Mhorrgazellen und Okapis.
Infektion bei Routineuntersuchung entdeckt
Festgestellt wurde der Erreger bei einer routinemäßigen Untersuchung. Wie die Bakterien in den Zoo gelangten, ist bislang nicht bekannt.
Tiere, die zwischen Zoos ausgetauscht werden, werden normalerweise untersucht und zunächst in Quarantäne gehalten. Infektionen mit Mykobakterien sind laut Zoo allerdings außergewöhnlich schwer nachzuweisen.
Anlage ist mit Bakterien kontaminiert
Auch nach dem Tod der Tiere bleibt der Erreger ein Problem. Die bisherige Steinbockanlage gilt als kontaminiert und muss nun umfassend hygienisch saniert werden.
Erst wenn das Bakterium dort nicht mehr nachgewiesen werden kann, soll die Anlage wieder genutzt werden. Auf absehbare Zeit werden dort jedoch keine Wiederkäuer gehalten.
Haltung der Tiere sollte eigentlich fortgesetzt werden
Dass der Zoo die Haltung der Westkaukasischen Steinböcke beendet, war ursprünglich nicht vorgesehen. Nach Abschluss der Sanierung könnten deshalb zunächst Tiere einer anderen Art in die Anlage einziehen.
Die 16 eingeschläferten Ture wurden an Labore übergeben. Dort sollen weitere Untersuchungen vorgenommen werden.
Westkaukasische Steinböcke gelten als bedroht
Westkaukasische Steinböcke stammen aus einem kleinen Gebiet im westlichen Kaukasus. Die geschickten Kletterer leben dort vor allem in felsigen Gebirgsregionen.
Die Bestände in der Wildnis sind stark zurückgegangen. Umso schwerer wiegt der Verlust der gesamten Frankfurter Gruppe – auch für die Mitarbeitenden des Zoos, denen die Entscheidung nach eigenenAngaben nicht leichtfiel. (red)