Vorsicht ist geboten

Polizei klärt auf: Warum KI für Euch zur digitalen Bedrohung werden kann

Polizei warnt vor Betrug mit KI. (Symbolfoto) - Foto: Archiv KN


Samstag, 18.07.2026
von Redaktion Kinzig News

MAINZ - Täuschend echte Anrufe von vermeintlichen Angehörigen, manipulierte Videos bekannter Persönlichkeiten oder professionell formulierte Phishing-Nachrichten: Künstliche Intelligenz macht bekannte Betrugsmaschen immer glaubwürdiger.

Das Landeskriminalamt und die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz warnen deshalb vor einer wachsenden Zahl KI-gestützter Betrugsversuche. Ziel der Täter ist es meist, an Geld, Passwörter, Zugangsdaten oder andere sensible Informationen zu gelangen.

Stimmen lassen sich mit kurzen Aufnahmen imitieren

Für eine täuschend echte Stimmkopie benötigen Kriminelle teilweise nur wenige Sekunden Audiomaterial. Solche Aufnahmen können etwa aus Videos, Sprachnachrichten oder öffentlich zugänglichen Beiträgen in sozialen Netzwerken stammen.

Anschließend kann eine künstlich erzeugte Stimme am Telefon behaupten, ein Familienmitglied befinde sich in einer Notlage. Die Angerufenen sollen dann häufig sofort Geld überweisen oder persönliche Daten preisgeben.

Deepfake-Videos werben für angeblich sichere Geldanlagen

Auch Bilder und Videos lassen sich mithilfe Künstlicher Intelligenz manipulieren. Betrüger können bekannten Personen Aussagen in den Mund legen, die diese tatsächlich nie gemacht haben.

Solche Deepfake-Videos werden unter anderem genutzt, um vermeintlich sichere Geldanlagen, Kryptowährungen oder andere Finanzprodukte zu bewerben. Die Bekanntheit der gezeigten Person soll Vertrauen schaffen und Betroffene zu einer schnellen Investition bewegen.

Manipulierte Nacktbilder als Mittel zur Erpressung

Eine weitere Masche richtet sich insbesondere gegen junge Menschen. Täter erstellen oder verändern intime Aufnahmen und drohen damit, diese an Freunde, Familie oder über soziale Netzwerke zu verbreiten.

Teilweise werden die Bilder vollständig mithilfe von KI erzeugt. Die Täter fordern anschließend Geld oder weitere intime Aufnahmen. Betroffene sollten nicht zahlen und sich möglichst schnell an eine Vertrauensperson und die Polizei wenden.

Falsche Profile auf Datingplattformen

Künstliche Intelligenz erleichtert es Kriminellen auch, glaubwürdig wirkende falsche Identitäten zu erstellen. Dazu gehören realistisch wirkende Profilbilder, lange Nachrichten und passende persönliche Geschichten.

Über Wochen oder Monate bauen die Täter eine emotionale Beziehung auf. Später bitten sie unter wechselnden Vorwänden um Geld – etwa wegen einer angeblichen Krankheit, einer Reise oder eines finanziellen Notfalls.

Bei verdächtigen Anrufen Ruhe bewahren

LKA und Verbraucherzentrale raten dazu, sich niemals unter Druck setzen zu lassen. Auch eine vertraut klingende Stimme ist inzwischen kein sicherer Beweis dafür, dass tatsächlich ein Angehöriger anruft.

Bei Zweifeln sollte das Gespräch beendet werden. Anschließend ist es sinnvoll, die betreffende Person über eine bereits bekannte Telefonnummer selbst zurückzurufen.

Familienkennwort kann vor Betrug schützen

Familien können für Notfälle ein persönliches Kennwort vereinbaren. Dieses sollte nicht über soziale Netzwerke, öffentlich zugängliche Messenger-Gruppen oder gemeinsam mit anderen persönlichen Informationen verbreitet werden.

Kann ein angeblicher Angehöriger das Kennwort nicht nennen, ist besondere Vorsicht geboten. Dennoch sollte die Situation zusätzlich über einen unabhängigen Kontaktweg überprüft werden.

Kein Geld ohne unabhängige Kontrolle überweisen

Geld sollte erst überwiesen werden, wenn die Angaben zweifelsfrei überprüft wurden. Das gilt besonders dann, wenn eine sofortige Zahlung verlangt oder zur Geheimhaltung aufgefordert wird.

Seriöse Banken, Behörden und Polizeidienststellen verlangen am Telefon weder Passwörter noch vollständige Zugangsdaten oder die Herausgabe von Bargeld und Wertgegenständen.

Persönliche Inhalte sparsam veröffentlichen

Fotos, Videos und Sprachaufnahmen in sozialen Netzwerken können von Betrügern als Ausgangsmaterial verwendet werden. Deshalb empfiehlt es sich, persönliche Inhalte nur eingeschränkt öffentlich zugänglich zu machen.

Auch Angaben zu Familienmitgliedern, Wohnort, Urlauben oder beruflichen Abläufen können Tätern helfen, glaubwürdige Geschichten zu konstruieren.

Verdächtige Nachrichten genau prüfen

Phishing-Nachrichten wirken durch KI zunehmend fehlerfrei und persönlich. Rechtschreibfehler sind deshalb kein zuverlässiges Erkennungsmerkmal mehr.

Misstrauisch machen sollten vor allem unerwartete Zahlungsaufforderungen, ungewöhnliche Absenderadressen, verkürzte Fristen, verdächtige Links und Aufforderungen zur Eingabe von Passwörtern.

Polizei testet KI zur Erkennung von Fälschungen

Die Polizei arbeitet auch selbst mit Künstlicher Intelligenz. Erprobt wird unter anderem ein sogenannter Deepfake Detector, der bei der Analyse und Identifizierung künstlich erzeugter oder manipulierter Bildinhalte helfen soll.

Die Technik soll die digitalen Ermittlungsfähigkeiten verbessern. Eine hundertprozentig sichere automatische Erkennung von KI-Inhalten ist allerdings nicht in jedem Fall möglich.

Verdachtsfälle bei der Polizei anzeigen

Wer bereits Geld überwiesen oder Zugangsdaten weitergegeben hat, sollte umgehend seine Bank beziehungsweise den betroffenen Anbieter kontaktieren. Passwörter sollten sofort geändert und Konten möglichst gesperrt werden.

Betrugsversuche und vollendete Straftaten können bei der Polizei angezeigt werden. Nachrichten, Telefonnummern, Kontodaten, Screenshots und Gesprächsverläufe sollten dabei als mögliche Beweismittel gesichert werden. (red)

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