Warum Seligenstadt massiv gegen dieses Insekt vorgehen muss
Samstag, 25.07.2026
von Redaktion Kinzig News
SELIGENSTADT - Sie ist nur wenige Millimeter groß, kann in Massen jedoch erhebliche Schäden verursachen: Die Große Drüsenameise breitet sich auch in Seligenstadt aus. Ein Vorkommen der ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammenden Art ist unter anderem in Froschhausen bekannt.
Die Stadt will die weitere Ausbreitung möglichst eindämmen und setzt dabei auf ein koordiniertes Vorgehen. Entscheidend sei die Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Fachbetrieben und betroffenen Grundstückseigentümern.
Ameisen bilden riesige Superkolonien
Die Große Drüsenameise trägt den wissenschaftlichen Namen Tapinoma magnum. Anders als viele heimische Arten kann sie Kolonien mit zahlreichen Königinnen bilden.
Mehrere miteinander verbundene Nester können sich zu sogenannten Superkolonien entwickeln. In diesen leben Hunderttausende oder sogar Millionen Tiere, die große Flächen besiedeln können.
Schäden an Gehwegen und technischen Anlagen möglich
Besonders wohl fühlen sich die Ameisen an warmen, sonnigen und trockenen Stellen. Bevorzugt besiedeln sie sandige Böden unter Pflastersteinen, Terrassen, Wegen und Mauern.
Durch ihre weitläufigen Gänge können sie Untergründe aushöhlen und Sand aus Pflasterfugen tragen. Dadurch besteht die Gefahr, dass Gehwege absacken oder Mauern und andere befestigte Flächen beschädigt werden. Die Tiere können zudem in Stromkästen und technische Anlagen eindringen.
Stadt setzt auf Behandlung mit heißem Wasser
Bei der Bekämpfung soll in Seligenstadt unter anderem heißes Wasser beziehungsweise Heißwasserdampf zum Einsatz kommen. Dabei wird starke Hitze möglichst gezielt in die betroffenen Nester geleitet.
Diese Methode kommt ohne klassische Insektizide aus. Je nach Lage und Ausmaß des Befalls können nach Angaben der Stadt außerdem Kieselgur oder geeignete Fraßköder verwendet werden.
Bekämpfung endet nicht an der Grundstücksgrenze
Ein Problem ist die enorme Ausdehnung der Kolonien. Die unterirdischen Nester können sowohl öffentliche Flächen als auch benachbarte Privatgrundstücke umfassen.
Maßnahmen der Stadt auf Gehwegen und Grünflächen reichen deshalb nicht aus, wenn die Tiere auf angrenzenden Grundstücken ungehindert weiterleben. Betroffene Eigentümer sind daher aufgefordert, sich ebenfalls an der Eindämmung zu beteiligen.
Oliver Steidl fordert gemeinsames Vorgehen
Der Erste Stadtrat Oliver Steidl betont, dass Stadt und Anlieger gleichermaßen betroffen seien. Eine erfolgreiche Bekämpfung könne nur gelingen, wenn Verwaltung, Fachleute und Bürgerschaft dauerhaft zusammenarbeiteten.
Die Stadt kümmere sich um einen möglichst schnellen Eingriff auf öffentlichen Flächen. Auf privaten Grundstücken liege verantwortungsvolles Handeln dagegen bei den jeweiligen Eigentümern.
So lässt sich die Große Drüsenameise erkennen
Die Tiere sind schwarz und meist etwa zwei bis vier Millimeter lang. Auffällig ist, dass die Arbeiterinnen innerhalb einer Kolonie unterschiedlich groß sein können.
Während heimische Wegameisen häufig auf einer schmalen Spur unterwegs sind, bewegen sich Große Drüsenameisen oft auf breiten und stark frequentierten „Ameisen-Autobahnen“. Auch kleine Sandhaufen an Pflasterfugen können auf ihre Nester hinweisen.
Chemischer Geruch als weiteres Merkmal
Ein weiteres Erkennungsmerkmal ist der Geruch. Werden die Tiere bedroht oder zerdrückt, sondern sie ein auffällig riechendes Sekret ab.
Die Stadt Seligenstadt beschreibt den Geruch als ranzig-butterartig oder acetonähnlich. Eine sichere Bestimmung sollte dennoch möglichst durch Fachleute erfolgen, da zahlreiche heimische Ameisenarten ähnlich aussehen können.
Befall möglichst früh melden
Verdächtige Vorkommen sollten dokumentiert und der Stadt gemeldet werden. Hilfreich sind Fotos der Tiere, der Ameisenstraßen und möglicher Sandaufwürfe an den Nesteingängen.
Je früher ein Befall erkannt und abgestimmt bekämpft wird, desto größer sind die Aussichten, die weitere Ausbreitung zumindest einzudämmen. Informationen zur Erkennung und zu geeigneten Maßnahmen stellt die Stadt Seligenstadt auf ihrer Internetseite bereit.
Heimische Ameisen nicht pauschal bekämpfen
Nicht jedes größere Ameisenvorkommen gehört automatisch zur invasiven Art. Heimische Ameisen erfüllen wichtige Funktionen im Ökosystem und sollten nicht vorsorglich mit Gift oder heißem Wasser bekämpft werden.
Vor größeren Maßnahmen sollte daher möglichst geklärt werden, ob es sich tatsächlich um Tapinoma magnum handelt. Erst dann können Stadt, Grundstückseigentümer und Fachbetriebe die Bekämpfung gezielt aufeinander abstimmen. (red)