Tierische Sensation im Anflug?

Sind diese putzigen Zeitgenossen in Gießen wieder auf dem Vormarsch?

Fischotter in Gießen auf dem Vormarsch? (Symbolfoto) - Foto: Pixabay/hellinger14


Sonntag, 26.07.2026
von Redaktion Kinzig News

GIEßEN - Eine Wildkamera-Aufnahme und mehrere verdächtige Kotfunde könnten eine kleine tierische Sensation belegen: Der Fischotter ist möglicherweise nach rund 80 Jahren in das Gießener Stadtgebiet zurückgekehrt.

Noch ist der Nachweis allerdings nicht vollständig abgesichert. Eine genetische Untersuchung soll nun zeigen, ob die gefundenen Spuren tatsächlich von einem Fischotter stammen und möglicherweise sogar Rückschlüsse auf das betreffende Tier erlauben.

Wildkamera nimmt Tier bei Linden auf

Ein entscheidender Hinweis stammt von einer Wildkamera, die unter einer Brücke am Lückenbach bei Linden installiert war. Auf einer nächtlichen Aufnahme ist dort ein Tier zu erkennen, bei dem es sich um einen Fischotter handeln soll.

Auch im Gießener Stadtgebiet und in Pohlheim wurde sogenannter Otterkot gefunden. Fachleute sprechen dabei von „Losung“. Diese wird von den scheuen Tieren häufig an auffälligen Stellen hinterlassen und zur Markierung ihres Reviers genutzt.

Seit rund 80 Jahren aus Gießen verschwunden

Sollten sich die Hinweise bestätigen, wäre dies aus Sicht der Naturschützer ein bedeutender Fund. Im Gießener Stadtgebiet war der Fischotter seit mehr als acht Jahrzehnten nicht mehr nachgewiesen worden.

Die Art galt seit der Mitte des vergangenen Jahrhunderts in ganz Hessen als ausgestorben. Verantwortlich dafür waren insbesondere die intensive Bejagung, die Zerstörung geeigneter Lebensräume und der Ausbau von Flüssen und Bächen.

Fischotter kehrt langsam nach Hessen zurück

Inzwischen breitet sich der streng geschützte Wassermarder wieder langsam in Hessen aus. Im Landkreis Gießen waren bereits zuvor Nachweise an der Horloff bei Hungen und an der Lumda bei Staufenberg gelungen.

Die jüngsten Spuren reichen nun deutlich näher an das Gießener Stadtgebiet heran. Für Naturschützer ist das ein Hinweis darauf, dass die Gewässer der Region wieder als Lebensraum und Wanderkorridor dienen können.

DNA-Untersuchung soll Klarheit bringen

Ob tatsächlich derselbe Fischotter die Spuren an den verschiedenen Orten hinterlassen hat, ist bislang nicht bekannt. Die gesammelten Kotproben sollen deshalb genetisch untersucht werden.

Eine solche Analyse kann nicht nur die Tierart zweifelsfrei bestätigen. Unter günstigen Umständen lässt sich auch feststellen, ob die Funde von einem oder mehreren Individuen stammen.

Durchreisender Gast oder dauerhafter Bewohner?

Fischotter legen auf der Suche nach Nahrung und geeigneten Revieren große Entfernungen entlang von Flüssen und Bächen zurück. Ein einzelner Nachweis bedeutet daher noch nicht zwangsläufig, dass das Tier dauerhaft in Gießen lebt.

Erst regelmäßige Funde über einen längeren Zeitraum könnten belegen, dass sich im Stadtgebiet wieder ein festes Vorkommen entwickelt.

Selbst Fachleute sehen die Tiere nur selten

Fischotter leben äußerst zurückgezogen und sind überwiegend in der Dämmerung und nachts aktiv. Selbst erfahrene Fachleute bekommen die Tiere deshalb nur sehr selten direkt zu Gesicht.

Für die Erfassung sind Wildkameras, Trittsiegel und Kotfunde besonders wichtig. Die Losung lässt sich unter anderem an enthaltenen Fischschuppen, kleinen Knochen und ihrem markanten Geruch erkennen.

Rückkehr wäre gutes Zeichen für die Gewässer

Die mögliche Rückkehr gilt auch als positives Signal für den Zustand der regionalen Flüsse und Bäche. Fischotter benötigen naturnahe Gewässer, ausreichend Nahrung, geschützte Uferbereiche und miteinander verbundene Lebensräume.

Der aktuelle Fund könnte deshalb zeigen, dass sich die Bedingungen rund um Gießen zumindest in einigen Bereichen verbessert haben.

Auch Biber wieder im Stadtgebiet

Die Entwicklung fügt sich in weitere erfreuliche Beobachtungen ein. Seit 2025 leben auch wieder Biber im Gießener Stadtgebiet.

Nun hoffen die Naturschützer, dass der Fischotter nicht nur auf der Durchreise war, sondern langfristig ebenfalls wieder in der Region heimisch wird. Gewissheit sollen zunächst die Ergebnisse der DNA-Untersuchung bringen. (red)

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