REGION

800 Millionen Passagiere: RMV stellt neuen Fahrgast-Rekord auf und steht damit vor Problemen

Bis 2023 soll auf 212 Züge aufgestockt werden. - Foto: RMV/Jana Kay

Mittwoch, 22.01.2020
von LENA EBERHARDT

Zum 25-jährigen Jubiläum hat der Rhein-Main-Verkehrsbund (RMV) gleich zwei Gründe um zu feiern: Denn im vergangenen Jahr nutzen so vielen Menschen Bus und Bahn wie noch nie zuvor. Nach den ersten Schätzungen des RMV beförderte der Verkehrsbund rund 805 Millionen Fahrgäste. Insgesamt 17 Millionen mehr als noch 2017. Wie der RMV-Geschäftsführer Knut Ringat angibt, könnte der endgültige Wert noch weit höher liegen.

Bereits 2025 könnte es so weit sein, die Eine-Milliarde-Fahrgäste-Grenze zu knacken. Spätestens im Jahr 2030 rechne man damit, sagte Ringat. Diese Entwicklung bringt jedoch auch Herausforderungen mit und stellt das Unternehmen vor neue und altbekannte Probleme. Denn auch schon heute ist das Schienennetz zeitweise überlastet, die Infrastruktur marode, es mangelt an Personal und die Züge sind unpünktlich. 

Wie die hessenschau berichtet, strebt der RMV seit Jahren eine Pünktlichkeitsquote von 96 Prozent an und verfehlt das Ziel immer wieder. 2019 hielten ganze 92 Prozent der Züge ihren Fahrplan ein, ebenso wie 2017 und 2018. Vor allem externe Störungen seien für die Verspätungen verantwortlich, wie Polizei- und Notarzteinsätze sowie Personen im Gleis. Diese sorgten für 40 Prozent aller Störungen. Auch die angestiegene Fahrgastzahl wirke sich negativ aus: Bahnen müssten länger halten als eingeplant, da mehr Passagiere ein- und aussteigen.

Für mehr Pünktlichkeit will der RMV und die Bahn weitere Züge anschaffen. Bis 2023 soll auf insgesamt 212 Züge aufgestockt werden. Zudem werden weiter auf Einstiegslotsen und schnellere Ein- und Ausfahrtsgeschwindigkeiten gesetzt.


Foto: RMV/Chris Christes

Auch der Personalmangel stelle den RMV vor große Probleme: vereinzelnd müssen immer wider Verbindungen gestrichen werden, da Lokführer erkranken und kein Ersatz gefunden wird. Laut RMV, könnte sich das Problem in den nächsten Jahren verschärfen: Jeder dritte Lokführer ist zwischen 55 und 65 Jahre als. Obwohl der Verkehrsbund 2019 so viele Fahrer eingestellt hat wie noch nie zuvor, sei der Wettbewerb um diese Fachkräfte besonders groß.

Ob Oberleitung- oder Signalstörung, Probleme bei der Weichen oder am Stellwerk, beinahe jeden Tag führen solche Schwierigkeiten zu Ausfällen und Verspätungen im öffentlichen Nahverkehr. In Zukunft will der RMV zusammen mit der Bahn auf mehr Prävention setzen. So sollen Signale rechtzeitig ausgetauscht und das Schienennetz nach und nach digitalisiert werden. 

Foto: RMV/Jan Haas

Nicht nur belastet, sondern teilweise überlastet, sei das Netz auch schon heute, so Ringat. Erst nach dem Infrastrukturausbau wird es große Entlastungen geben. In Deutschland werde jedoch laut RMV-Geschäftsführer zu wenig investiert: 2018 sei nur 77 Euro pro Bürger in die Schieneninfrastruktur geflossen. In der Schweiz waren es 365 Euro. 

Für Hessen seien bereits Ausbaupläne vorhanden. Erst wenn diese umgesetzt werden, können die erwarteten Fahrgastzahlen bewältigt werden, so der RMV. Bis 2030 sollen laut Verkehrsbund rund 200 Kilometer mehr Gleise zur Verfügung stehen und stillgelegte Strecken wie die Aartalbahn reaktiviert werden. +++


Foto: Bombardier