Der Stadtpfarrer bei KN

Impuls von Stefan Buß: Brauchen wir den Wettersegen noch?

Ich bin Stadtpfarrer Stefan Buß aus Fulda - Foto: Hendrik Urbin/KN


Mittwoch, 19.08.2026
von STEFAN BUß

FULDA / MKK - Brauchen wir heute überhaupt noch einen Wettersegen?

Wir können das Wetter vorhersagen, Satelliten beobachten und Niederschlagsmengen berechnen. Aber eines können wir bis heute nicht: Regen machen. Gerade in diesen Wochen erleben wir, wie kostbar Wasser ist. Die Böden sind trocken, Bäche führen wenig Wasser, die Wälder leiden. Landwirte schauen sorgenvoll zum Himmel.

Der Wettersegen ist deshalb kein überholtes Gebet. Vielleicht brauchen wir ihn heute mehr denn je. Aber wir dürfen ihn nicht missverstehen. Wir bitten Gott nicht darum, unser Wunsch-Wetter zu liefern. Wir bitten ihn um das, was wir nicht in der Hand haben: um Regen zur rechten Zeit, um Schutz vor Unwettern und um das notwendige Wasser für Mensch, Tier und Natur. Und zugleich erinnert uns der Wettersegen an unsere eigene Verantwortung.

Im Buch Genesis heißt es: Gott setzte den Menschen in den Garten, „damit er ihn bearbeite und hüte.“

Bearbeiten – ja. Nutzen – ja. Aber vor allem: hüten. Die Erde ist nicht unser Eigentum. Sie ist Gottes Schöpfung, die uns anvertraut ist. Darum gehören Beten und Handeln zusammen. Wenn wir um Regen bitten, dürfen wir uns fragen: Gehen wir selbst sorgsam mit Wasser um? Wenn wir um eine gute Ernte bitten: Achten wir den Boden? Wenn wir um die Bewahrung der Schöpfung bitten: Sind wir bereit, selbst Verantwortung zu übernehmen?

Der Wettersegen soll deshalb nicht nur das Wetter verändern. Er soll auch uns verändern. Er soll uns dankbar machen für jeden Tropfen Wasser, für die Fruchtbarkeit der Erde und für das Wunder des Lebens. Wir können vieles berechnen und vieles beeinflussen. Aber wir bleiben Menschen, die vom Leben beschenkt werden.

Vielleicht ist das die eigentliche Bedeutung des Wettersegens: Wir bitten Gott um seinen Segen – und übernehmen zugleich unseren Auftrag, seine Schöpfung zu bewahren.

Gott, der allmächtige Vater, segne euch und schenke euch gedeihliches Wetter; er halte Trockenheit, Blitz, Hagel und jedes Unheil von euch fern. Er segne die Felder, die Gärten und den Wald und schenke euch die Früchte der Erde. Er begleite eure Arbeit, damit ihr in Dankbarkeit und Freude gebraucht, was durch die Kräfte der Natur und die Mühe des Menschen gewachsen ist. Das gewähre uns der dreieinige Gott: + der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

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