Einblick in die Schicksale Suchtkranker

"Zwischen Rausch und Realität": Ausstellung bewegt hunderte Besucher

Am Eröffnungsabend war das Neustädter Rathaus sehr gut besucht. - Fotos: Diakonisches Werk Hanau-Main-Kinzig


Montag, 17.08.2026
von Redaktion Kinzig News

HANAU - Nach drei intensiven und bewegenden Wochen ist die Ausstellung „Zwischen Rausch und Realität“ im Rahmen des Suchtjahres 2026 erfolgreich zu Ende gegangen. Mehr als 800 Besucherinnen und Besucher haben die Ausstellung besucht und sich mit den Lebenswelten suchtkranker Menschen, gesellschaftlichen Vorurteilen und den vielfältigen Wegen der Hilfe auseinandergesetzt.

Die Ausstellung des Diakonischen Werks Hanau-Main-Kinzig traf auf große Resonanz. Besonders die persönlichen Begegnungen und Gespräche mit Besucherinnen und Besuchern machten deutlich, wie groß das Interesse an einem offenen und ehrlichen Austausch über das Thema Sucht ist.

„Die Ausstellung hat gezeigt, wie wichtig es ist, Menschen hinter den Suchterkrankungen sichtbar zu machen“, bilanziert Samuel Mergenthal, stellvertretender Geschäftsführer des Diakonischen Werks Hanau-Main-Kinzig. „Besonders die vielen persönlichen Gespräche waren unglaublich wertvoll. Wir haben erlebt, wie Vorurteile hinterfragt wurden, Verständnis entstanden ist und Menschen auch ganz persönliche Erfahrungen geteilt haben.“

Auch die Einträge im Gästebuch spiegeln die Wirkung der Ausstellung wider. So schrieb eine Besucherin: „Schlimm und erdrückend. Mögen sie einen Weg herausfinden und Hilfe finden, wenn man sie sucht.“ Eine andere Person schrieb schlicht: „Eine sehr tolle Ausstellung“

Von Poetry Slam bis Podiumsdiskussion 

Den Auftakt der Ausstellung bildete ein eindrucksvoller Poetry Slam, der viele Gäste emotional berührte und den Ton für die folgenden Wochen setzte. Ergänzt wurde die Ausstellung durch Vorträge von Mitarbeitenden des Diakonischen Werks Hanau-Main-Kinzig, die fachliche Einblicke in die Suchthilfe, Prävention und Beratung gaben. Auch der Aktionstag mit zahlreichen Kooperationspartnern am 8. August stieß auf großes Interesse und bot Gelegenheit zum Austausch mit Fachkräften und Betroffenen.

Nach der Podiumsdiskussion gut gelaunt und zufrieden v.l.n.r. Samuel Mergenthal, Pascal Reddig, Yasmin Hilsberg, Silke Hofmann-Bär, Ute Engel, Thorsten Günther, Jan Gärtner und Yvonne Backhaus-Arnold

Nach der Podiumsdiskussion gut gelaunt und zufrieden v.l.n.r. Samuel Mergenthal, Pascal Reddig, Yasmin Hilsberg, Silke Hofmann-Bär, Ute Engel, Thorsten Günther, Jan Gärtner und Yvonne Backhaus-Arnold

Den krönenden Abschluss bildete die Podiumsdiskussion „Unsere Doppelmoral“, moderiert von Yvonne Backhaus-Arnold vom Hanauer Anzeiger. Gemeinsam diskutierten Pascal Reddig, Bundestagsabgeordneter, Yasmin Hilsberg, Referentin für Suchtfragen der Diakonie Hessen, Silke Hoffmann-Bär, Leiterin des Hauses der Gesundheit der Stadt Hanau, Jan Gärtner, Suchtberater des Diakonischen Werks Hanau-Main-Kinzig, sowie Thorsten Günther als Betroffener über gesellschaftliche Haltungen gegenüber Drogenkonsum und den Menschen, die davon betroffen sind.

Die Diskussion bewegte das Publikum gleichermaßen durch persönliche Erfahrungen, fachliche Perspektiven und politische Einordnungen. Gleichzeitig sorgten ehrliche Anekdoten und humorvolle Momente für eine besondere Atmosphäre. Das Zusammenspiel aus Ernsthaftigkeit, Offenheit und gegenseitigem Respekt machte die Veranstaltung zu einem würdigen und beeindruckenden Abschluss der Ausstellung.

"Die Ausstellung hat Menschen berührt"

Die Veranstalter ziehen insgesamt ein sehr positives Fazit. Besonders erfreulich sei gewesen, dass die Ausstellung Menschen unterschiedlichster Hintergründe erreicht habe und weit über die Fachöffentlichkeit hinaus Interesse weckte.

„Die Ausstellung hat Menschen berührt, Diskussionen angestoßen und viele neue Perspektiven eröffnet. Wenn wir dazu beitragen konnten, Vorurteile abzubauen und mehr Verständnis für die Lebenswirklichkeit suchtkranker Menschen zu schaffen, dann hat sich der Aufwand gelohnt“, so Ute Engel, Geschäftsführerin des Diakonischen Werks. „Wir hoffen, dass die Gespräche auch nach dem Ende der Ausstellung in Hanau und der Region weitergeführt werden. Sucht betrifft unsere gesamte Gesellschaft und darf kein Tabuthema bleiben.“

Das Diakonische Werk Hanau-Main-Kinzig bedankt sich herzlich bei allen Beteiligten, die zum Erfolg der Ausstellung beigetragen haben. Dazu zählen die Mitarbeitenden und Klientinnen und Klienten der Suchthilfe, der Fotograf, die Referentinnen und Referenten, die zahlreichen Kooperationspartner sowie die Förderer des Projekts. Ermöglicht wurde die Ausstellung insbesondere durch die Unterstützung der Sparkassen-Stiftung Hanau, der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und der Diakonie Hessen, die das Projekt finanziell mitgetragen haben.

Die Verantwortlichen sind überzeugt, dass die Ausstellung wichtige Impulse für die politische und gesellschaftliche Diskussion über Sucht, Suchthilfe und Teilhabe gesetzt hat. Umso mehr freut sich das Diakonische Werk darüber, dass die Ausstellung voraussichtlich im kommenden Jahr im Main-Kinzig-Forum in Gelnhausen gezeigt werden kann. Darüber hinaus werden weitere Anfragen interessierter Institutionen gerne entgegengenommen.

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