Stephan Bauer im Kurpark

Ehe, Alltag und jede Menge Pointen

Fotos: Andrea Euler ">
Stephan Bauer begeisterte mit seinem Programm "Am Ende der Nerven … und noch so viel Ehe übrig“ das Publikum - Fotos: Andrea Euler


Sonntag, 23.08.2026
von Andrea Euler/Redaktion Kinzig News

BAD ORB - Der Bühnenaufbau für Stephan Bauer ist schnell erledigt: ein Stuhl, ein Mikrofon – mehr braucht der Comedian nicht. Zwar tauchen Techniker Markus Leis den Bühnenhimmel des Musikpavillons im Kurpark mit sorgfältig ausgerichteten roten und blauen Lichtern in stimmungsvolles Licht. Für Bauer ist die aufwendige Kulisse allerdings eher Nebensache. Was er wirklich braucht, ist seine Stimme – und die kommt beim Publikum bestens an.

Am vorvergangenen Freitag hatte die Bad Orb Kur GmbH den Comedian mit seinem Open-Air-Programm „Am Ende der Nerven … und noch so viel Ehe übrig“ in den Kurpark eingeladen. Unter dem Motto „Lachen statt Trennung“ nahm Bauer die Tücken des Ehelebens unter die Lupe – und lieferte dem Publikum fast zweieinhalb Stunden lang ein Feuerwerk aus Pointen, Alltagsbeobachtungen und reichlich Selbstironie.

Schon die ersten Fragen sorgen für Lacher

„Wer ist verheiratet?“ „Wer ist glücklich verheiratet?“ Und schließlich: „Wer meldet sich nur, weil der Partner daneben sitzt?“ Lange braucht Stephan Bauer nicht, um das Publikum auf seine Seite zu ziehen.

In Ripped Jeans, weißem Hemd und weißen Sneakers bewegt er sich über die Bühne, sucht immer wieder den Blickkontakt und bezieht die Gäste zunehmend in sein Programm ein. Schlag auf Schlag folgen die Pointen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie eine Ehe möglichst lange funktionieren kann.

Bauers Antwort fällt naturgemäß nicht ganz ernst aus. Schließlich habe auch eine Trennung ihre Tücken: „Man nimmt sich selbst ja immer mit.“

Selbstironie statt Ehe-Ratgeber

Bauer nimmt dabei vor allem sich selbst aufs Korn. Als bekennender Hypochonder beschreibt er seine vermeintlichen Krankheiten und lässt auch seine eigenen Unzulänglichkeiten im Haushalt nicht aus.

So landet der leere Joghurtbecher schon einmal im Kühlschrank – selbstverständlich nicht aus Versehen, sondern weil der Gelbe Sack voll gewesen sei. Auch beim Kochen zeigt sich Bauer wenig talentiert: Aus rohem Schinken auf dem Cerankochfeld werde eben kurzerhand Serrano-Schinken.

Seine Selbsteinschätzung: „Ich finde mich ganz okay.“ Gleichzeitig räumt er ein, dass das Zusammenleben mit ihm „bisweilen eine Herausforderung“ sein könne. Über seine Frau sagt er augenzwinkernd: „Meine Frau hat einen Schrittzähler. Ich habe einen Bewegungsmelder.“

Von Deutschland bis zum Pfandwarenrückgabesystem

Doch Bauer belässt es nicht beim Thema Ehe. Auch gesellschaftliche Entwicklungen, Bürokratie, Bildung und der Alltag in Deutschland bekommen ihr Fett weg.

Wenn es um die Attraktivität Deutschlands gehe, reichten schon kleine Beispiele, findet Bauer: „In Deutschland gibt es Buchstabensuppe. Österreich hat den Wörtersee.“

Auch die deutsche Bürokratie bleibt nicht verschont. Das Wort „Pfandwarenrückgabesystem“ bringt den Kabarettisten zu der Frage, welche Drogen der Ingenieur wohl genommen habe, der sich diese Bezeichnung ausgedacht hat.

Und selbst vermeintlich alltägliche Begriffe liefern Material. Bauer gesteht beispielsweise, lange nicht gewusst zu haben, wofür „Hanuta“ eigentlich steht. Von dort ist es gedanklich nicht weit zu den Kanaren – auf denen bekanntlich keine Kanarienvögel leben. „Das ist wie mit den Jungferninseln.“

Wenn das Eheleben zur Bühne wird

Natürlich bleibt auch das Sexualleben nicht ausgespart. Bauer bewegt sich dabei bewusst zwischen Selbstironie, Übertreibung und provokanten Pointen. Penislänge, Viagra, ungewöhnliche Stellungen und die Frage nach dem „Nicht-mehr-Wollen“ beziehungsweise „Nicht-mehr-Können“ sorgen für zahlreiche Lacher.

Dabei nimmt der Comedian nicht nur sich selbst, sondern auch das Publikum ins Visier. Immer wieder sucht er den direkten Kontakt zu den Gästen – Antworten auf besonders persönliche Fragen bleiben allerdings erwartungsgemäß aus.

Erinnerungen an eine Zeit ohne Smartphone

Für einen besonders nostalgischen Moment sorgt Bauer mit einem Blick auf das Leben seiner Großeltern. Vor 50 Jahren hätten diese gemeinsam im Wohnzimmer gesessen – mit einem einzigen Fernseher und ohne Smartphone oder Tablet.

Dafür gab es Werbung, an die sich viele Besucher noch heute erinnern können. Das Publikum stimmt spontan ein, als Bauer an das „famose Zartgemüse aus der Dose“ und die bekannte Botschaft erinnert, dass Waschmaschinen länger leben.

Mit einem versöhnlichen Rat nach Hause

Nach fast zweieinhalb Stunden voller Pointen, Selbstironie und Publikumsinteraktion bleibt am Ende eine durchaus versöhnliche Botschaft. „Gehen Sie nach Hause, bringen Sie Ihre Ehe wieder in Ordnung“, rät Bauer seinen Gästen.

Die Stimmung im Musikpavillon ist zu diesem Zeitpunkt längst gelöst. Viel Beifall und Gelächter begleiten den Comedian durch den Abend – und zeigen, dass sein Rezept aufgegangen ist: über die kleinen und großen Schwierigkeiten des Zusammenlebens lachen, statt sich darüber zu ärgern.

Stephan Bauer kommt im Dezember wieder nach Bad Orb

Wer nach diesem Abend noch nicht genug von Stephan Bauer hat, muss nicht lange warten. Der Comedian kehrt am Freitag, 18. Dezember 2026, um 20 Uhr nach Bad Orb zurück.

Dann steht sein Weihnachtsprogramm „Weihnachten fällt aus! Josef gesteht alles!“ auf dem Programm.

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