Rheinmetall investiert Mega-Summer in Nordhessen: Was dahinter steckt
Samstag, 29.08.2026
von Redaktion Kinzig.News
HESSEN - Rheinmetall baut seinen Standort in Nordhessen massiv aus. Der Rüstungskonzern will in den kommenden Jahren mehr als 260 Millionen Euro in sein Werk in Kassel und den Flughafen Kassel-Calden investieren. Das Land Hessen steuert weitere rund 25 Millionen Euro bei. Unter dem Namen „Defence Hub Nordhessen“ soll die Region zu einem wichtigen Standort für militärische Fahrzeuge, Logistik und Drohnentechnologie entwickelt werden.
Eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichneten Hessens Ministerpräsident Boris Rhein und Rheinmetall-Vorstandschef Armin Papperger am Donnerstag am Kassel Airport. Das Vorhaben umfasst drei zentrale Bereiche: den Ausbau des bestehenden Rheinmetall-Werks in Kassel, ein neues Logistik- und Trainingszentrum am Flughafen sowie ein Drohnentestzentrum.
Mehr als 1000 neue Arbeitsplätze geplant
Von den Investitionen versprechen sich Unternehmen und Landesregierung erhebliche wirtschaftliche Effekte. Perspektivisch sollen an den Standorten Kassel und Calden mehr als 1000 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen.
Neben direkten Stellen bei Rheinmetall rechnet das Unternehmen außerdem mit weiteren Beschäftigungseffekten bei Zulieferern und Partnern. Der Rüstungskonzern reagiert mit dem Ausbau auf die wachsende Nachfrage nach militärischen Fahrzeugen und Unterstützungsleistungen.
Neues Logistikzentrum mit 30.000 Quadratmetern
Ein Kernstück der Pläne ist ein neues Logistik- und Technologiezentrum in unmittelbarer Nähe des Kassel Airports. Die Anlage soll über mehr als 30.000 Quadratmeter Nutzfläche verfügen und Ende 2027 den Betrieb aufnehmen.
Nach Angaben von Rheinmetall soll das Zentrum zu den bedeutendsten Infrastrukturinvestitionen des Konzerns in Deutschland gehören. Dort sollen unter anderem Logistik-, Technik- und Unterstützungsleistungen für nationale und internationale Aufträge gebündelt werden.
Rheinmetall will Lieferketten beschleunigen
Mit dem neuen Standort will der Konzern seine Abläufe insbesondere im Geschäft mit taktischen Militärfahrzeugen verbessern. Vorgesehen sind kürzere Durchlaufzeiten, effizientere Lieferketten und eine schnellere Abwicklung von Aufträgen.
Von besonderer Bedeutung ist dabei die Nähe zum bestehenden Rheinmetall-Werk im Kasseler Industriepark Mittelfeld. Der Standort am Flughafen wurde nach Angaben des Unternehmens nach Prüfung verschiedener Alternativen ausgewählt.
Drohnen sollen künftig in Calden getestet werden
Zusätzlich plant Rheinmetall am Flughafen ein eigenes Drohnentestzentrum. Dort sollen unbemannte Systeme weiterentwickelt und erprobt werden.
Das Unternehmen sieht im Kassel Airport dafür besondere Standortvorteile. Die vorhandene Infrastruktur und die verfügbaren Flächen ermöglichten Testbedingungen, die an vielen anderen Flughäfen nicht zur Verfügung stünden.
Land fördert weiteres Drohnenzentrum mit acht Millionen Euro
Unabhängig von den Rheinmetall-Plänen ist am Kassel Airport bereits ein Hessisches Drohnenkompetenzzentrum vorgesehen. Dieses soll von der Technischen Universität Darmstadt betrieben werden.
Das Land Hessen fördert das Projekt mit weiteren acht Millionen Euro. Damit entsteht in Calden ein größerer Schwerpunkt rund um Entwicklung, Erprobung und Nutzung von Drohnentechnologie.
Werk in Kassel soll ebenfalls wachsen
Neben dem neuen Standort am Flughafen wird auch das bestehende Rheinmetall-Werk in Kassel ausgebaut. Dort spielt vor allem die Produktion militärischer Fahrzeuge eine zentrale Rolle.
Rheinmetall begründet die Investitionen mit erwarteten Großaufträgen aus Deutschland und dem Ausland. Vorstandschef Papperger bezeichnete das Vorhaben als strategische Maßnahme mit Blick auf die erwartete Nachfrage nach militärischen Fahrzeugen.
Kassel Airport soll strategisch aufgewertet werden
Für die Landesregierung geht es bei dem Projekt zugleich um die Zukunft des Kassel Airports. Der Flughafen soll stärker mit der Industrie in Kassel verbunden und als Standort für Verteidigungs- und Zukunftstechnologien entwickelt werden.
Ministerpräsident Rhein sieht in dem geplanten „Defence Hub Nordhessen“ eine Verbindung zwischen der industriellen Stärke Kassels und der Infrastruktur des Flughafens. Neben sicherheitspolitischen Zielen stehen dabei zusätzliche Wertschöpfung und Arbeitsplätze im Mittelpunkt.
Ausbau stößt auch auf Kritik
Die Millionenförderung des Landes und die stärkere militärische Nutzung des Flughafens sorgen allerdings auch für Kritik. Gegner hinterfragen insbesondere, ob öffentliche Mittel in dieser Größenordnung für den Ausbau eines Rüstungskonzerns eingesetzt werden sollten.
Mit der nun unterzeichneten Absichtserklärung ist die strategische Richtung dennoch festgelegt. Rheinmetall und das Land wollen Kassel und Calden in den kommenden Jahren zu einem deutlich größeren Zentrum der deutschen Verteidigungsindustrie ausbauen.