Taubenärger in Hanau: Was Regelbrechern jetzt droht
Sonntag, 30.08.2026
von Redaktion Kinzig.News
HANAU - Trotz zweier Taubenhäuser bleibt die große Zahl an Stadttauben an einigen Stellen in Hanau ein Ärgernis. Besonders ihre Hinterlassenschaften sorgen bei Geschäfts- und Immobilienbesitzern für Probleme. Mehmet Kandemir, Vorsitzender des Hanau Marketing Vereins (HMV), fordert deshalb mehr Aufklärung über das bestehende Fütterungsverbot. Sein Vorschlag: Bereits Kinder in Kitas und Grundschulen sollen für das Thema sensibilisiert werden.
Kandemir betreibt seit 23 Jahren seine Boutique „Glam Luxury Style“ in der Hanauer Innenstadt und ist seit 2013 am Freiheitsplatz an der Ecke zur Hammerstraße ansässig. Vor seinem Geschäft sammelt sich nach seinen Angaben immer wieder Taubenkot. Grundsätzlich habe sich die Situation in den vergangenen Jahren zwar „stark verbessert“. Vollständig gelöst sei das Problem aber nicht.
Zwei Taubenhäuser sollen Population begrenzen
Die Stadt versucht bereits seit Jahren, die Zahl der Stadttauben tierschutzgerecht zu regulieren. Das erste betreute Taubenhaus wurde 2012 am Hafen eingerichtet. Dort finden die Tiere geschützte Nistplätze und werden gezielt versorgt. Ein Teil der gelegten Eier wird gegen Gipseier ausgetauscht, um die weitere Vermehrung einzudämmen.
2022 kam ein zweiter Taubenturm am Kanaltorplatz hinzu. Dieser soll die Tiere aus stärker frequentierten Bereichen der Innenstadt an einen festen Standort locken und damit zugleich die Verschmutzung an anderen Stellen reduzieren. Sowohl Kandemir als auch die Stadt sehen dadurch bereits Verbesserungen.
Immobilienbesitzer setzen auf Netze und Spikes
Wegen der Situation unmittelbar an seinem Geschäft wandte sich Kandemir auch an seinen Vermieter, die Nassauische Heimstätte. Das Unternehmen bot nach Angaben seines Pressesprechers Jens Duffner an, gemeinsam mit einer Fachfirma konkrete Maßnahmen für den Standort zu prüfen.
Generell bezeichnet Duffner das Taubenproblem in der Innenstadt als „eklatant“. Das Unternehmen habe das Ordnungsamt bereits mehrfach auf die Situation hingewiesen. An den eigenen Immobilien kommen unter anderem Taubennetze, Spikes und Reflektoren zum Einsatz.
Fütterungsverbot wird offenbar nicht von allen wahrgenommen
Kandemir beobachtet nach eigenen Angaben immer wieder Menschen, die Tauben trotz des bestehenden Verbots füttern. Spreche er die Personen darauf an, stelle sich teilweise heraus, dass ihnen das Verbot gar nicht bewusst sei.
Kontrollen und Bußgelder allein reichen aus seiner Sicht deshalb nicht. Vielmehr müsse stärker vermittelt werden, welche Folgen das Füttern für Gebäude, Sauberkeit und das Erscheinungsbild der Innenstadt hat. Eine attraktive Innenstadt sei schließlich auch für Handel und Gastronomie von Bedeutung.
Sechs Verstöße in diesem Jahr geahndet
Die Stadt verweist darauf, bereits mit ihrer Kampagne „JuchHU sauber“ über das Fütterungsverbot zu informieren. Im Stadtgebiet gibt es entsprechende Plakate, zudem befinden sich große Aufkleber auf städtischen Müllfahrzeugen.
Die Stadtpolizei kontrolliert das Verbot sowohl während regulärer Streifen als auch bei gezielten Einsätzen in Zivil. Im laufenden Jahr wurden bislang sechs Verstöße geahndet.
Bis zu 5000 Euro Bußgeld bei Wiederholung
Wer beim unerlaubten Füttern von Tauben erwischt wird, muss zunächst mit einem Bußgeld von 200 Euro rechnen. Bei wiederholten Verstößen können nach Angaben der Stadt sogar bis zu 5.000 Euro fällig werden.
Als Bereiche mit besonders großen Taubenschwärmen nennt die Stadt neben dem Freiheitsplatz auch den Marktplatz, den Kanaltorplatz, den Hafen und das Lamboy-Viertel.
HMV-Chef will schon Kinder für das Problem sensibilisieren
Kandemir schlägt vor, die Aufklärungsarbeit künftig bereits in Kindergärten und Grundschulen zu beginnen. Denkbar wären aus seiner Sicht beispielsweise Besuche von Fachleuten, Rundgänge oder Ausflüge zu einem der Taubenhäuser.
Kinder könnten dort erfahren, warum das Füttern von Tauben problematisch ist, welche Auswirkungen es auf Sauberkeit und Gebäude hat und welchen Zweck die betreuten Taubenhäuser erfüllen. Kandemirs Hoffnung: Die Kinder tragen dieses Wissen anschließend auch in ihre Familien.
Weitere Taubenhäuser sind derzeit nicht geplant
Die Stadt hält an ihrem bisherigen Konzept fest. Die beiden Taubenhäuser nach dem sogenannten „Augsburger Modell“ werden vom Rathaus als Erfolg bewertet.
Weitere Standorte sind derzeit allerdings nicht vorgesehen. Damit setzt Hanau neben der Regulierung der Population vor allem auf Kontrollen und Aufklärung – genau bei Letzterer sieht HMV-Chef Kandemir noch Potenzial. (red)