"Mir sin müd, mir mache ins Bett ..."

"Hesskalation" pur in Bad Orb: So kalauerte sich Peter Kunz durch den Abend

Peter Kunz konnte sich bei seinem Auftritt in Bad Orb der Begeisterung seiner Gäste sicher sein: Mehr als zwei Stunden babbelte und lachte er sich durch die Wirrnisse des Alltags ... - Fotos: privat


Montag, 31.08.2026

BAD ORB - „Im Guuude-Ranking 20 von zehn Bembeln. Du bist subba ...“

Wenn Peter Kunz auf seinen Facebook-Account schaut, kann er sich der Begeisterung seiner Fans sicher sein. Auf jeden Fall derer, die am zurückliegenden Freitagabend in Bad Orb den Theatersaal der Konzerthalle besuchen, in den die Veranstaltung witterungsbedingt verlegt wird. 

"Hesskalation" pur in Bad Orb


„Hesskalation“ heißt das Programm des Stand-Up-Comedians, der – wie sollte es anders sein – ein echter Hesse ist, aber mit seinem Humor weit über Hessen hinaus Menschen begeistert. Mit seinen Anekdoten zum einen, mit der Interaktivität seiner Show zum anderen. „Hessisch für Anfänger“, wie seine Social-Media-Serie heißt, hat mehr als drei Millionen Menschen erreicht, bekannt ist Kunz aber auch, seit er das „Goldene Ticket“ im Quatsch Comedy Club gewann, wo er inzwischen regelmäßig auftritt.

„Ihr könnt Fotos machen, aber bitte hochkant, da komm ich besser bei weg“, lässt Kunz gleich eingangs die Gäste wissen. Wobei das Motiv in dieser Form auch mehr Sinn macht: Dann passt das T-Shirt mit dem Aufdruck „Gude“ schön mit ins Bild, das der Comedian trägt, der dem abendlichen Programm auch einen Hessisch-für-Anfänger-Kurs beigefügt hat. „Guuude“ (wichtig: mit drei u) gehört natürlich dazu, aber auch die Redewendung: „Man müsste mal ...“

"Dem Schorsch seine Frau"


Da wisse der Ehemann, dass er gemeint sei. Ein „Kneipchen“ sei keine kleine Kneipe sondern ein Messerchen, der richtige Artikel für Kolder sei „die“, und es handele sich um eine Wolldecke. „Die“ heiße es auch vor „Bach“, aus „dieser“ wird im Hessischen „dere“. „Georgs Ehefrau“ existiert so im Hessischen nicht. „Dem Schorsch seine Frau“, soviel Zeit muss schon sein. Und „wenn der Attila in Hessen gewesen wäre und vom Pferd gestiegen wäre, hätte er gesagt: Ich bin hunne.“

"Mir sin müd, mir mache ins Bett ..."


Die Gäste amüsieren sich trefflich über die Kalauer des Spaßvogels, der beklagt, wie schlimm es sich anhört, wenn ein Hesse Englisch spricht. „E bissi bissi“ sei der Wortlaut für „ein bisschen beschäftigt“, „e bissi sbeißi“ für „ein wenig würzig“ klinge auch nicht besser. Spannend dagegen seien hessische Begriffe wie „Dollbohrer“, das tatsächlich aus dem Dachdeckergewerbe kommt, und „Bappsack“, was ursprünglich auf einen unreinlichen oder klebrigen Menschen gemünzt sei. Auch sehr speziell: „Mir sin müd, mir mache ins Bett ...“

Sich an eine Besucherin in Bad Homburg erinnernd, die bei einer vorangegangenen Veranstaltung darum gebeten habe, dass das Programmende bitte passend so sei, dass sie bis 23 Uhr und damit Türschließung in ihrer Kurklinik ankomme, verspricht Kunz, auf die Kurgäste auch an diesem Abend Rücksicht zu nehmen. Ins Bett kommen die Gäste der abendlichen Veranstaltung in Bad Orb dennoch erst deutlich nach 22 Uhr und nach mehreren Zugaben, wobei Kunz beim Filmen für seine Social-Media-Postings warnt: Man möge sich doch an die KissCam beim Coldplay-Konzert erinnern. „Wenn sich also noch schnell jemand umsetzen möchte ...“

Für den Kurzfilm erwarte er, sobald er mit dem Handy in den Innenraum geschwenkt habe, „30 Prozent mehr Freude, als es euch gefallen hat“. Wer es körperlich noch schaffe, dürfe gerne hochspringen. Wovon die Besucher dann doch Abstand nehmen, die auch die von Kunz bepriesene Anzahl von „1.600 Leuten“ knapp verfehlen.

Aus dem Frankfurter Raum sind sie gekommen, aus Offenbach, aus dem Kahlgrund („Jetzt kommen wieder so Ortsnamen, die nur der Ort versteht und die Leut fünf Kilometer drumherum.“) und sogar aus Erlangen. Für die Offenbacher hat Kunz ein ganz spezielles Repertoire an Scherzen im Gepäck: Das Kennzeichen OF stehe für „Only Fans“, es gäbe Menschen, für die habe man für eine einstellige PIN elf Freiversuche eingeplant. Er habe Chat GPT nach Positivem über Offenbach gefragt: „Da ist das Ding abgestürzt.“

Quietschendes Gelächter im Zuschauerraum


Die Hesskalation liege, so diagnostiziert der Comedian, „überall auf der Straße“. Etwa, wenn er für eine Behörde ein Formblatt ausfüllen müsse: „Ich bin 55, bis ich im Formular bis zu meinem Geburtsjahr gescrollt bin, hätte ich von der Zeit her auch ins Bürgerbüro gehen können“. Quietschendes Gelächter im Zuschauerraum. Da hat er erneut einen Nerv getroffen. Auch mit der Feststellung „Mein Sofa ist mein safe space“, sein sicherer Ort also. Und da sein Trainingsanzug dieselbe Farbe wie das Sofa habe, könne er Glück haben, dass ihn seine Frau da für geraume Zeit übersehe. Auf erkennbare Zustimmung stößt er auch mit der Beschreibung: „Ab 40 hockst Du beim Arzt zur Vorsorgeuntersuchung. Ab 50 hockst Du beim Arzt rum und lässt Erkrankungen untersuchen, die sie vorher nicht gefunden haben.“

Sei es die Werbung, die in den „80er und 90er Jahren komplett sinnlose Texte auf schöne Lieder“ formuliert habe, die Tyrannei des Fitness-Trackers, das wahllos Telefonnummern wählende Telefon im BMW, das sich nach einem Technik-Update selbständig macht oder der Familienhund, den der Familienvater nicht will, um dann „bei Nieselregen nachts um 22.30 Uhr mit ihm unterwegs“ zu sein – kein Thema bleibt unbetrachtet und unbelacht an diesem Abend. Der „Hundetalk“: „Ist Ihrer ein Rüde?“ „Nein, der ist eigentlich ganz nett.“ Dass „Robert Schneider“ als Name für einen Rasenroboter uncool ist, ein selbstfahrender Staubsauger aber Helene Fischer heißt und der Rasenmäher des Nachbarn „der Sonne entgegen“ durchs Gartentor abgehauen ist: Tücken der Technik. Wissenswert dagegen, dass „Kohlrabi 40 Prozent Übereinstimmung mit dem menschlichen Erbgut hat“.

Nach unzähligen Lachern, Zugaben, Gewitzel und Gesprächen mit den Gästen ist kurz nach zehn Schluss. Wer allerdings noch mit dem Entertainer plaudern will, kann das am Merchandise-Stand. Da gibt es T-Shirts mit dem Aufdruck „Geh fott“ oder „Gude ihr Labbe“, Letzteres der Buchtitel von Kunz´ neuem Buch. „Taunustörtchen“ prangt auf Shirts in Rosa, Lila und Hellgrün, „Hesskalation“ gibt es Schwarz auf Weiß. Und wer will, bekommt auch ein Selfie und ein Autogramm. Das Selfie natürlich hochformatig – wegen der Optik. (red)

Neues Beliebtes
    Kontakt
    Kinzig.News Redaktion:
    Telefon:06051 833 712
    E-Mail: [email protected]
    Kinzig.News Vertrieb:
    Telefon:06051 833 711
    E-Mail: [email protected]
    Kinzig.Termine