Bei "Tante Anna" funkte es: Seit 60 Jahren miteinander verheiratet - Gisela und Matthias aus Nidderau
Freitag, 04.09.2026
NIDDERAU - Eine große Feier gab es anlässlich der Diamantenen Hochzeit von Gisela und Matthias Gärtner nicht. Am Abend ging das Ehepaar mit Kindern und Enkelkindern im „Hessenschmaus“ an der Willi-Salzmann-Halle essen.
Mittags besuchte Landrat Thorsten Stolz das Jubelpaar, um die besten Wünsche des Main-Kinzig-Kreises zu überbringen. „60 Jahre verheiratet zu sein, ist etwas ganz Besonderes. Wenn man den beiden zuhört, merkt man schnell, wie viele gemeinsame Erlebnisse und Erinnerungen in diesen sechs Jahrzehnten zusammengekommen sind“, sagte Landrat Thorsten Stolz.
Bei "Tante Anna" funkte es
Matthias Gärtner wurde nach dem Zweiten Weltkrieg mit seiner Familie aus Ungarn vertrieben. Er stammt aus Musci im Süden Ungarns. Viele Menschen aus seinem Heimatort gingen damals in den Rheingau, unter anderem nach Eltville und Geisenheim. Seine Familie kam nach Ostheim in der Wetterau. „Seit der Flucht bin ich, anders als mein Bruder, nie wieder dort gewesen“, berichtete Matthias Gärtner dem Landrat.
Kennengelernt haben sich die Eheleute in Nidderau-Ostheim, im Gasthaus „Tante Anna“. Dort spielte jeden Samstag eine Zwei-Mann-Kapelle auf. Gisela Gärtner lebte mit ihrer Familie in Heldenbergen. Ihre Schwester hatte jung geheiratet und wohnte im benachbarten Ostheim. Mit 14 Jahren war Gisela Gärtner oft bei ihr, passte auf ihre Nichte auf und ging mit ihr im Kinderwagen spazieren. Ihr Schwager kannte Matthias Gärtner, und so saßen sie manchmal gemeinsam in der „Tante Anna“ an einem Tisch.
"Ostheim hat mir schon immer gut gefallen"
Sie fanden sich anziehend, doch Gisela Gärtner wollte ihre Freiheit nicht aufgeben und war in diesem jungen Alter noch nicht zu einer Beziehung bereit. Mit 18 oder 19 Jahren näherten sich die beiden dann doch an und wurden ein Paar. Die heute 82-Jährige und ihr drei Jahre älterer Ehemann sind mittlerweile seit 63 Jahren zusammen und seit 60 Jahren verheiratet.
Sieben Jahre lebten die beiden gemeinsam in Heldenbergen. Dort kamen auch ihr Sohn und ihre Tochter zur Welt. „Ostheim hat mir schon immer gut gefallen“, berichtete Gisela Gärtner. 1972, als sie mit ihrer Tochter schwanger war, fanden sie das Haus in der Schützengasse. Ein Jahr später zogen sie ein. 20 Jahre später erweiterten sie ihren Besitz dort noch einmal. Heute lebt das Ehepaar im hinteren der beiden Häuser. Dorthin zogen Gisela und Matthias Gärtner, als ihr Sohn mit seiner Familie das Vorderhaus übernahm. Dass ihr heutiges Zuhause ebenerdig ist, wissen sie inzwischen besonders zu schätzen
"Hier bei uns in der Schützengasse hat er fast alles selbst gemacht"
Matthias Gärtner ist gelernter Elektroinstallateur, auch wenn er zunächst Diamantschleifer werden wollte. „Hier bei uns in der Schützengasse hat er fast alles selbst gemacht“, sagte seine Frau stolz. Nach seiner Ausbildung arbeitete Matthias Gärtner, unterbrochen von seinem Wehrdienst, zwölf Jahre als Elektroinstallateur in einem Betrieb in Ostheim. Häufig war er für die damals noch bestehende Ziegelei im Ort im Einsatz. Anschließend wechselte er zu einem Heizungs- und Sanitärbetrieb in Bruchköbel. Dort war er acht Jahre lang unter anderem dafür zuständig, Ölbrenner von Heizungsanlagen anzuschließen und zu reparieren. Danach arbeitete er 22 Jahre bei Heraeus in Hanau. Nach insgesamt 47 Berufsjahren ging Matthias Gärtner 2013 im Alter von 62 Jahren in Rente.
Gisela Gärtner absolvierte eine Ausbildung zur Verkäuferin und arbeitete in diesem Beruf bis zur Geburt ihres Sohnes im Jahr 1967. Danach widmete sie sich zunächst ihrer Familie. „Meine Kinder sollten jeden Mittag von der Schule nach Hause kommen und ein Mittagessen bekommen. Das war mir sehr wichtig.“ Als Tochter Sylvia in die Schule kam, nahm Gisela Gärtner wieder eine feste Beschäftigung auf. 20 Jahre lang arbeitete sie im Haushalt einer Hanauer Familie.
"Wir haben viele schöne Erinnerungen"
2014 musste sie ihren Beruf aufgeben, allerdings früher als gewollt. Bei der Arbeit hatte sie sich an der rechten Schulter verletzt und musste operiert werden. Die Schulter erholte sich nicht mehr vollständig. Im Alter von 63 Jahren ging Gisela Gärtner deshalb in den Ruhestand. „Ich hätte gern weitergemacht, und die Familie hätte mich auch gern behalten“, sagte sie beim Besuch des Landrats bedauernd.
„Wir hatten ein schönes Leben, haben sehr schöne Zeiten erlebt, alles mitgemacht, jede Kerb, als junge Menschen so viel gefeiert“, schilderte Gisela Gärtner wenig später. Inzwischen ist es freilich ruhiger geworden im Leben der Gärtners. Gern erinnern sich beide an ihre Urlaube in Oberbayern, im Schwarzwald oder im Bayerischen Wald. „Über 30 Jahre haben wir Urlaub in Oberbayern gemacht“, sagte Matthias Gärtner. Seine Frau ergänzte: „Das sind schöne Erinnerungen und die sind sehr viel wert.“ An Reisen ins Ausland oder Flugreisen hatten beide dagegen nie Interesse.
„Ihr Mann ist der Geduldige, Sie sind die Quirlige“, stellte Landrat Thorsten Stolz am Ende seines Besuchs fest. „Das passt doch“, entgegnete Gisela Gärtner. Dann nahm ihr Mann sie in den Arm, um die Diamantene Hochzeit mit einem gemeinsamen Foto vor den Blumen im Hof festzuhalten. (red)