750-Millionen-Projekt

Kraftwerkspläne in Schlüchtern: Jetzt melden sich Politik und Wirtschaft zu Wort

In Schlüchtern soll ein Energiekraftwerk entstehen: Um einen Eindruck zu bekommen, hatten sich Bürgermeister Matthias Möller, Verantwortliche der Stadt sowie Stadtverordnete und Magistratsmitglieder jüngst ein ähnliches Kraftwerk in Saarbrücken anges - Foto: Stadt Schlüchtern


Freitag, 04.09.2026
von Redaktion Kinzig News

SCHLÜCHTERN - In Schlüchtern soll ein Energiekraftwerk entstehen, das das geplante Rechenzentrum in Birstein mit Strom versorgt. Schlüchterns Bürgermeister Matthias Möller setzt sich stark für das Vorhaben ein, jetzt stellen sich auch zahlreiche regionale Verantwortliche wie zum Beispiel Landrat Thorsten Stolz hinter diese Idee und fordern: Auf den Prüfstand sollte das Energiekraftwerk auf jeden Fall kommen – und zwar ergebnisoffen.

Das hochmoderne H2-ready-Energiekraftwerk soll im Gewerbegebiet „Auf dem Reitstück“ entstehen. Die Investitionssumme liegt bei 750 Millionen Euro. Geplant wird es von der Argaman Group in Frankfurt, die auch das Rechenzentrum in Birstein entwickelt. Das Kraftwerk soll das Rechenzentrum mit Strom versorgen und das Netz stabilisieren. Der nächste Schritt ist die Zustimmung der Gremien zu einer tiefergehenden Prüfung des Vorhabens.

Landrat Stolz stellt sich hinter die Pläne – aber mit einer klaren Forderung

Landrat Thorsten Stolz unterstützt die Initiative des Schlüchterner Bürgermeisters. Er betont, dass die Kombination aus Kraftwerk und Rechenzentrum viele Vorteile biete: „Sie stärkt die regionale Energieversorgung, schafft Wertschöpfung und bringt neue Arbeitsplätze sowie Gewerbesteuereinnahmen.“ Gleichzeitig könne die Standortattraktivität für weitere Unternehmen erhöht und die wirtschaftliche Entwicklung des Landkreises langfristig unterstützt werden. Stolz fordert jedoch: „Die Perspektive, das Kraftwerk mittelfristig mit Wasserstoff zu versorgen und damit CO2-neutral zu betreiben, betrachte ich als sehr positiv. Sie muss aber in den Verträgen niedergeschrieben sein.“ 

Der Landrat fordert eine ergebnisoffene und sachliche Prüfung: „Chancen und Risiken sowie Vor- und Nachteile eines solchen Großprojektes müssen ermittelt, offen diskutiert und abschließend bewertet werden. Ich hoffe, dass das in Schlüchtern und der Region mit einem sachlichen Blick auf das Gesamtprojekt geschieht.“ Besonders freue es Thorsten Stolz, dass sich mit Blick auf die Realisierung eines möglichen Rechenzentrums in Verbindung mit einem Energiekraftwerk mit Schlüchtern und Birstein zwei Kommunen über die eigenen Gemarkungsgrenzen hinaus in einem intensiven Austausch befinden. Auch das sei ein gutes Signal.

Der Schlüchterner Gewerbeverein WITO positioniert sich ebenfalls pro Energiekraftwerk. Vorstandsmitglied David Gärtner sagt: „Wir unterstützen das Vorhaben, denn es verspricht weiteren wirtschaftlichen Aufschwung für Schlüchtern.“ Gewerbesteuereinnahmen in Millionenhöhe dürften nicht aufgrund von Gefühlen abgelehnt werden. In der aktuellen wirtschaftlichen Lage sei es enorm wichtig, sich breit aufzustellen und alle Möglichkeiten zu prüfen, „natürlich auch die, ob ein Energiekraftwerk sinnvoll ist.“

CDU will Fakten statt Bauchgefühl

Und Florian Varinli (CDU), Vorsitzender der stärksten Fraktion im Parlament, betont: „Grundsätzlich halten wir nichts davon, Dinge reflexartig abzulehnen, ohne die genaue Faktenlage zu kennen. Deshalb stehen wir erst mal hinter dem Prüfantrag.“ Dieser müsse konkrete Zahlen liefern, zum Beispiel zu den Kosten für ein mögliches Fernwärmenetz und insbesondere zu den genauen jährlichen Gewerbesteuereinnahmen. Außerdem möchte die CDU zusätzlich prüfen lassen, welche besonderen Anforderungen das Kraftwerk an die Feuerwehr Schlüchtern stellt, vor allem in größeren Schadenslagen. „Wenn die Zahlen stimmen, stehen wir dem Bau eines Energiekraftwerks positiv gegenüber“, sagt Varinli. Schlüchtern stehe vor großen Herausforderungen und einigen Investitionen. Und dafür müssten nun mal Einnahmen generiert werden, „damit wir die Steuern für die Leute und die Unternehmen möglichst auf dem derzeitigen Niveau halten können“, sagt der Fraktionschef zusammenfassend.

Auch IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Gunther Quidde hat eine klare Meinung: „Wir alle brauchen Strom und werden motiviert, in Zukunft noch mehr Strom zu verbrauchen, zum Beispiel durch den Umstieg auf E-Mobilität.“ Daher würden weitere Kraftwerke dringend benötigt. „Ich freue mich sehr über das Engagement von Bürgermeister Matthias Möller, denn damit sichern wir uns ein zweites Kraftwerk im Kreis neben Großkrotzenburg, das die Versorgung sicherstellt und das Netz stabilisiert.“ Gefahren für den Tourismus sieht Quidde dabei nicht: „Dieses Thema hatten wir zu Beginn der Windkraftdiskussion auch. Da bin ich also sehr entspannt. Ich freue mich deshalb, wenn dieses Vorhaben geprüft wird – und dann sehen wir, was im Detail herauskommt.“

Erste Infoabende stehen an 

Schlüchterns Rathauschef Matthias Möller sagt: „Ich bin davon überzeugt, dass das Energiekraftwerk für Schlüchtern eine große Chance ist. Und deshalb kämpfe ich dafür, dass wir dieses Vorhaben in den Gremien prüfen. Nur mit belastbaren Zahlen lässt sich eine gute Entscheidung treffen.“

Wichtig ist dem Bürgermeister dabei, die Bevölkerung von Anfang an mitzunehmen. „Deshalb kommunizieren wir regelmäßig den aktuellen Stand, und deshalb richten wir Infoveranstaltungen aus“, sagt Möller. Die ersten beiden Bürgerdialoge finden am Dienstag und Mittwoch, 8. und 9. September, jeweils um 19:30 Uhr im Café Fabrice (Breitenbacher Straße 3) statt. Für den zweiten Abend können sich Interessierte noch per Mail an [email protected] anmelden. Der erste Abend ist bereits ausgebucht.

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