Wahnsinn, wie lange die beiden schon verheiratet sind: Ursula und Norbert feiern Eiserne Hochzeit
Montag, 07.09.2026
BRUCHKÖBEL - Seit 65 Jahren gehen Ursula und Norbert Johannes Schoor gemeinsam durchs Leben. Zu ihrer Eisernen Hochzeit besuchten Landrat Thorsten Stolz und Bruchköbels Bürgermeisterin Sylvia Braun das Ehepaar und überbrachten Urkunden und Geschenke.
„Ursula und Norbert Schoor haben nicht nur über viele Jahrzehnte ihr gemeinsames Leben gestaltet, sondern sich mit großer Selbstverständlichkeit für andere eingesetzt. Menschen wie sie machen eine Gemeinschaft lebendig, weil sie Verantwortung übernehmen, Ideen verwirklichen und andere zum Mitmachen bewegen“, sagte Landrat Thorsten Stolz.
Bürgermeisterin Sylvia Braun gratulierte dem Jubelpaar im Namen der Stadt Bruchköbel und würdigte insbesondere die Energie und Lebensfreude, die sich die beiden bis heute bewahrt hätten.
Auf der Arbeit funkte es
Kennengelernt haben sich der Rheinländer und die Sudetendeutsche bei der Arbeit. Norbert Schoor, 1937 in Andernach geboren, kam nach seiner Schulzeit und einem Keramikstudium nach Frankfurt und arbeitete dort bei den Diskus-Werken. Ursula Schoor, geborene Ziegler, wurde 1940 in Troppau im Sudetenland geboren. Nach Kriegsende wurde sie mit ihrer Mutter und ihrer älteren Schwester vertrieben. Über Halle an der Saale kamen Ursula Ziegler und ihre Mutter nach Nordhessen. Nach ihrer Ausbildung zur Industriekauffrau zog es sie nach Frankfurt zu ihrer Schwester, die mittlerweile dort lebte. Sie fand eine Anstellung in den Diskus-Werken. Dort begegnete die junge Frau ihrem zukünftigen Mann.
„Von nun an ist unser Lebensweg gemeinsam verlaufen“, hat Norbert Schoor in einem kurzen Lebenslauf über sich und seine Frau festgehalten.
Bürgermeister hat die Trauung vergessen
Geheiratet wurde am 31. August 1961 in Bischofsheim. Beinahe wäre der Termin allerdings geplatzt, weil der damalige Bürgermeister die Trauung vergessen hatte. Rettung nahte auf dem Fahrrad: Der Hauptamtsleiter kam vorbei, verfügte ebenfalls über die nötige Befugnis als Standesbeamter und erklärte sich bereit, das Paar zu trauen. Nur einen Anzug müsse er vorher noch anziehen, erinnerte sich Ursula Schoor schmunzelnd.
Bischofsheim wurde für 40 Jahre zur Heimat der Schoors. Dort bekamen sie einen Sohn und eine Tochter und begannen früh, die Zivilgesellschaft mitzugestalten. „Als wir nach Bischofsheim kamen, gab es die Volksbühne noch nicht, auch den Montessori-Kindergarten und den Tennisclub nicht. Alle drei haben wir mitgegründet“, erzählte Ursula Schoor.
Politisch und sozial engagiert
Sie engagierte sich außerdem im Verschwisterungsausschuss der Stadt Maintal und war mehrere Jahre ehrenamtliche Geschäftsführerin des Tennisvereins. Ihr Mann gehörte dem Kirchenvorstand an, arbeitete am Aufbau der katholischen Kirche in Bischofsheim mit und war insgesamt 25 Jahre kommunalpolitisch aktiv.
Besonders verbunden sind beide bis heute der Volksbühne Maintal. Ursula und Norbert Schoor gehörten zu den Mitbegründern, sie war ehrenamtliche Geschäftsführerin, er 16 Jahre Vorsitzender. Das Projekt habe ihn immer beeindruckt, sagte Landrat Stolz. Kulturangebote dieser Größenordnung würden andernorts häufig von Städten und Gemeinden aufgebaut. In Maintal hätten engagierte Bürgerinnen und Bürger selbst die Initiative ergriffen und dauerhaft etwas geschaffen. Norbert Schoor gab schließlich sogar sein politisches Engagement zugunsten der Volksbühne auf. Viele gute Stücke und Schauspieler seien nach Maintal gekommen, und das Publikum habe das Angebot begeistert angenommen, erinnerte er sich ein bisschen wehmütig.
2001 zog das Ehepaar nach Bruchköbel, führte die Volksbühne aber noch 13 Jahre von dort aus weiter, bis Nachfolger gefunden waren. Heute sind Ursula Schoor, 85, und Norbert Schoor, 88, weiterhin viel unterwegs. Beide sind naturverbunden und wandern gerne im Bruchköbler Wald, im Spessart und im Allgäu, bisweilen gemeinsam mit ihrem Enkel. Und wenn es statt auf einen Wanderweg in die Pilze geht, ist der ebenfalls gern dabei. (red)