Von der Leidenschaft für handwerkliches Können

Er gilt als absoluter Ausnahmepianist - und kommt nach Bad Orb: Haiou Zhang im Interview

Haiou Zhang gilt als Ausnahmepianist. Und wird zum dritten Mal in der Bad Orber Konzerthalle ein fachkundiges Publikum begeistern. - Foto: Haiou Zhang/privat


Dienstag, 15.09.2026

BAD ORB - Nach seinen umjubelten Konzerten in den Jahren 2023 und 2025 kehrt der international gefeierte Pianist Haiou Zhang erneut nach Bad Orb zurück. Am Sonntag, 27. September, um 20:00 Uhr gastiert er im Theatersaal der Bad Orber Konzerthalle mit einem außergewöhnlichen Klavierabend zum 140. Todestag von Franz Liszt.

Ein Gespräch über Herrenmode, Hobbys und die Verbindung zu Bad Orb.

Herr Zhang, Sie werden als Ausnahmetalent gefeiert, Musikkenner sind voll des Lobes für Ihre Darbietungen. Sind diese ein Ergebnis, das Ihnen als Gabe zufällt – oder steckt dahinter harte Arbeit?

Haiou Zhang: „Ich denke, harte Arbeit ist unerlässlich, wenn man auf der Bühne möglichst „frei“ sein und musikalische Werke meisterhaft vermitteln möchte. Selbstredend ist auch die Begabung nicht unwichtig – letztlich gelingt es nur, wenn beide Voraussetzungen zusammenkommen.“

Würden Sie sich selbst als perfektionistisch beschreiben?

Haiou Zhang: „Zweifellos ja. Für mich ist „ungefähr so“ keine Alternative. Präzision, Klarheit und Beherrschung sind grundlegende Dinge, an denen man jeden Tag arbeiten muss. Darin zeigt sich auch eine bestimmte Haltung. Eines ist mir allerdings noch wichtiger: immer im Dienste der Musik zu stehen. Wir sind keine Roboter, und letztendlich soll das Ganze zu einem unvergesslichen Erlebnis mit vielen berührenden Momenten werden. Wie der große Dirigent Toscanini einmal sagte: Niemand wird wegen ein paar falscher Töne ins Gefängnis geworfen!“

Sie reisen viel, erarbeiten neue Repertoires, spielen immer wieder mit anderen Orchestern. Das alles strengt an. Wie schaffen Sie es, diesem Druck zu begegnen?

Haiou Zhang: „Eine möglichst gute Vorbereitung im Vorfeld hilft enorm, mit diesem Druck umzugehen. Dazu kommen eine gesunde Ernährung, Sport an der frischen Luft, mentales Training und vieles mehr. Und noch etwas ist wichtig: dem Orchester aufmerksam zuzuhören. Dieses Miteinander und Füreinander gibt mir ebenfalls sehr viel Kraft.“

Man sieht Sie auf Fotos immer in perfekt sitzenden, akkuraten Anzügen. Gehört diese Kleidung für Sie zur Wertschätzung der Musik dazu?

Haiou Zhang: „Ich bin ein großer Fan italienischer Herrenmode, insbesondere der Schneiderkunst aus Neapel, und bin auch stilistisch sehr davon geprägt. Ähnlich wie bei meinen musikalischen Kreationen am Klavier fasziniert es mich, handwerkliche Kompositionen auch in anderen Bereichen zu beobachten. Es ist faszinierend, wenn aus handwerklichem Können am Ende etwas Zeitloses entsteht.“

Wie alt waren Sie, als Sie sich für eine Karriere als Pianist entschieden haben?

Haiou Zhang: „Mit etwa 22 oder 23 Jahren, als ich noch Student war. Eine Reihe von Konzerten an renommierten Orten in Deutschland, etwa beim Schleswig-Holstein Musik Festival, bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern oder beim Kissinger Sommer, hat mir eine klare Botschaft vermittelt: Ich fühle mich unglaublich wohl als Solist auf der Bühne – hier bin ich zu Hause.“

War Ihnen immer klar, dass das Piano „Ihr Instrument“ ist – oder gab es da noch „Konkurrenten“?

Haiou Zhang: „Tatsächlich ist das Klavier so sehr mein Instrument, dass ich mir kaum vorstellen kann, etwas anderes zu spielen.“

Wären Sie nicht Pianist geworden – welches Berufsfeld hätte Sie noch begeistern können?

Haiou Zhang: „Vielleicht Schriftsteller. Schon in meiner Pubertät habe ich die großen Autoren wie Stefan Zweig oder Ernest Hemingway sehr bewundert.“

Welche Musik hören Sie privat?

Haiou Zhang: „Fast ausschließlich Klassik. Gelegentlich höre ich auch Jazz oder Chansons.“

Welches ist Ihr liebstes Musikstück?

Haiou Zhang: „Das ist sehr schwer zu beantworten – und wäre fast schmerzhaft, weil ich mich entscheiden müsste. Das Klavierrepertoire ist unendlich groß, und es gibt so viele wunderschöne Stücke. Spontan würde ich vielleicht die h-Moll-Sonate von Franz Liszt nennen, die ich in- und auswendig kenne.“

Welche Hobbys helfen Ihnen, in Ihrer Freizeit Entspannung zu finden?

Haiou Zhang: „Lesen, Spaziergänge, Zeit mit der Familie und natürlich Schlafen.“

Sie haben ein eigenes Musikfestival in Buxtehude ins Leben gerufen. Was hat Sie dazu bewogen?

Haiou Zhang: „Die Freiheit und der Wunsch, etwas weiterzugeben. Ich wollte ein Festival organisieren, bei dem man programmatisch unabhängig entscheiden kann. Gleichzeitig wollte ich ein Podium für begabte junge Musiker schaffen und ihnen Auftrittsmöglichkeiten geben. Das ist mir besonders wichtig, weil auch ich früher von solchen Möglichkeiten und der Unterstützung anderer profitiert habe.“

Was verbindet Sie mit Bad Orb?

Haiou Zhang: „Bad Orb ist für mich ein wunderbarer Ort zum Entspannen. Schon bei meinem ersten Besuch habe ich mich dort sehr wohlgefühlt. Das Publikum war stets aufmerksam, konzentriert und dankbar – deshalb komme ich sehr gerne wieder zurück.“

Da Sie so viel unterwegs sind: Welche skurrile oder lustige Anekdote können Sie von Ihren Konzertreisen berichten?

Haiou Zhang: „Vor vielen Jahren sollte ich auf einer Insel das Tschaikowsky b-Moll-Klavierkonzert mit einem Orchester spielen. Ich hatte dafür intensiv geübt und kam zur Probe. Doch plötzlich erklang in der Orchestereinleitung überraschend Chopins 2. Klavierkonzert. Ich war in diesem Moment völlig aus dem Häuschen! Später stellte sich heraus, dass es zwischen dem Orchester und der Agentur ein Missverständnis gegeben hatte. Wir einigten uns schnell darauf, dass ich stattdessen einige Solowerke in ähnlicher Länge spielen würde. Für mich war das fast wie Urlaub, denn für das Tschaikowsky-Klavierkonzert hätte ich noch viele weitere Stunden üben müssen. Ein paar Stunden später saß ich am Strand und genoss den Sonnenuntergang …“

Einige Fans verehren Sie regelrecht. Was war das schönste Geschenk, das Ihnen ein Fan gemacht hat?

Haiou Zhang: „Eine Weltkarten-Skizze, auf der fast jedes bedeutende Konzert eingezeichnet war, das ich gegeben habe. Das fand ich sehr rührend.“

Tickets sind zum Preis von 37 Euro in der Tourist-Information Bad Orb sowie online unter www.bad-orb.info erhältlich. (red)

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