Hanau: Magistrat verneigt sich vor scheidendem OB Claus Kaminsky
Freitag, 25.09.2026
HANAU - „Er ist gleichermaßen Visionär wie Realist und hat so die Stadt grundlegend positiv verändert und fit für die Zukunft gemacht ...“
Mit diesen Worten würdigt der künftige hauptamtliche Magistrat um Dr. Maximilian Bieri, Isabelle Hemsley und Andreas Jäger die Leistungen des langjährigen Hanauer Oberbürgermeisters Claus Kaminsky, der zum Monatsende in den Ruhestand geht.
"Ein Glücksfall für die Brüder-Grimm-Stadt"
„Claus Kaminsky war und ist ein Glücksfall für die Brüder-Grimm-Stadt“, erklären übereinstimmend sein Nachfolger im Amt, Dr. Maximilian Bieri, die bisherige Stadträtin und künftige Bürgermeisterin Isabelle Hemsley sowie der neugewählte Stadtrat Andreas Jäger. „Mit seinem Abschied geht eine Ära zu Ende, die Hanau nachhaltig geprägt und die Grundlagen für eine positive Entwicklung auch in der Zukunft gelegt hat.“
Der bisherige Oberbürgermeister beendet am 30. September offiziell seine Amtszeit. Er wurde am Samstag, 5. September, im Rahmen des 64. Hanauer Bürgerfestes offiziell verabschiedet und für seine Leistungen mit der Ehrenbürgerwürde der Stadt Hanau ausgezeichnet (KINZIG.NEWS berichtete).
23 Jahre Oberbürgermeister der Stadt Hanau
Mehr als 31 Jahre stand Diplom-Verwaltungswirt Kaminsky im Dienst der Stadt Hanau, seit 1995 als Bürgermeister und ab 2003 bis heute 23 Jahre als Oberbürgermeister sowie durchgehend als Kämmerer. Kreisfreiheit, Innenstadtumbau, Konversion und wirtschaftlicher Aufschwung sind nur einige der Stichworte, die den erfolgreichen Weg der Stadt in der Ära Kaminsky kennzeichnen. Hanau habe in dieser Zeit eine „atemberaubende positive Entwicklung“ genommen, die „bundesweit beachtet“ werde.

Mit Realismus, Mut und Tatkraft
Dieser Erfolg beruhe nicht zuletzt darauf, dass Claus Kaminsky Entwicklungen frühzeitig erkannt und entsprechend darauf reagiert habe, wie sich zum Beispiel in der Innenstadtentwicklung gezeigt habe und bei der Auflösung der US-Kasernen. Die habe Claus Kaminsky von Anfang an nicht als Problem, sondern als Chance begriffen. Oftmals habe er sich als Visionär betätigt und hohe Ziele gesetzt, die er dann mit großem Realismus, Mut und Tatkraft umgesetzt habe, so die zukünftigen hauptamtlichen Magistratsmitglieder.
Dabei sei es ihm gelungen, engagierte Mitstreiterinnen und Mitstreiter zu finden, zu überzeugen und zu begeistern. Er sei im Amt nicht der einsame Kämpfer, sondern stets der Teamplayer gewesen. Dies habe sich auch in den von ihm erfolgreich geführten politischen Koalitionen gezeigt sowie in mehreren grundlegenden Beschlüssen der Stadtentwicklung, die über die Parteigrenzen hinweg in der Regel einstimmig entschieden wurden, wie etwa die Kreisfreiheit.
Hanau geprägt und fit für die Zukunft gemacht
Die wiedererlangte Selbstständigkeit, der seit 1. Januar 2026 kreisfreien Stadt Hanau, weise insbesondere in die Zukunft und sorge dafür, dass Hanau eine eigenständige kraftvolle Stimme im Rhein-Main-Gebiet und darüber hinaus bekomme, zielgenau seine Interessen vertreten und passgenaue Lösungen entwickeln könne, wie sich etwa beim künftigen „Haus rund um das Erwerbsleben“ zeige. „Die Kreisfreiheit wird eines der Vermächtnisse des scheidenden Oberbürgermeisters sein, das weit über seine Amtszeit hinauswirkt“, so Dr. Bieri, Hemsley und Jäger.
Die von vielen als „Jahrhundertprojekt“ bezeichnete Konversion der US-Army-Kasernen, welche in rund zwei Jahrzehnten erfolgreich umgesetzt wurde und nahezu abgeschlossen ist, gehöre ebenfalls zu den Maßnahmen, die weit über seine Amtszeit hinausreichen. Kaminsky habe hier die von seiner Amtsvorgängerin Margret Härtel begonnene erfolgreiche Überführung der Militärbereiche in eine zivile Nutzung konsequent fortgesetzt. Die Kooperation von Stadt und privaten Investoren habe neben zusätzlichen Gewerbeansiedlungen zu neuen Wohnvierteln für unterschiedliche Wohnbedürfnisse von Alt- und Neu-Hanauern geführt.
Stadthof: "Eine Meisterleistung für die Stadt"
In die Zukunft reiche auch die erfolgreiche Umgestaltung der Innenstadt. Claus Kaminsky habe mit Stadtentwickler Martin Bieberle viel Mut bewiesen, dass bis dahin noch nie für einen ganzen Stadtbereich angewandte neue Rechtsinstrument der Europäischen Union, den „Wettbewerblichen Dialog“, in Hanau anzuwenden. Dies habe das Gesicht der Innenstadt grundlegend positiv verändert, ihr neues Leben eingehaucht. Konsequent sei dieser Weg durch die Gründung der Hanau Marketing Gesellschaft GmbH (HMG) mit ihren vielfältigen Aktionen und begleitende Maßnahmen wie etwa dem Vorkaufsrecht und die konsequente Unterstützung des Einzelhandels auch in komplizierten Zeiten fortgesetzt worden. Erwerb und Umgestaltung von Kaufhof zu Stadthof Hanau sei „eine Meisterleistung für die Stadt“. Die steigenden Kundenzahlen und die bundesweite Beachtung des Hanauer Weges zeigen, dass es richtig war, diesen mutigen Schritt zu gehen.
Auch hier sei es gelungen, Investoren für die Stadt zu begeistern. Generell habe für Oberbürgermeister Kaminsky die Wirtschaftsförderung als Grundlage für eine prosperierende Stadt einen hohen Stellenwert gehabt. Zahlreiche Neuansiedlungen und die Ausweitung bestehender Betriebe trotz schwieriger Zeiten und mancher Rückschläge zeugen davon. Hanau sei heute ein High-Tech- und Forschungsstandort mit Zukunftstechnologien, der vielen Menschen Arbeit biete. Claus Kaminsky sei dabei die Neueröffnung eines Einzelhandelsgeschäftes ebenso wichtig gewesen, wie das Engagement eines Großinvestors. Visionär sei die „Rechenzentrumsstrategie“, die statt umweltbelastender Logistikzentren auf verschiedenen Konversionsflächen die fortschreitende Digitalisierung in den Blick genommen und bisher zu milliardenschweren Investitionen geführt hat.
Sichere und saubere Energieversorgung
Dazu gehöre auch der Ausbau einer sicheren und sauberen Energieversorgung. Hier seien durch den Bau neuer, moderner Kraftwerke und etwa den Ausbau von Solaranlagen wichtige Bausteine, für die in der Amtszeit von Claus Kaminsky formulierten, anspruchsvollen Klimaziele der Stadt gesetzt worden. Dies gelte auch für die Umsetzung ökologischer Standards in den Eigenbetrieben der Stadt sowie für die Unterstützung der Wirtschaft bei der Transformation zu umweltfreundlichen Produktionsweisen.
Seine politische Heimat als Sozialdemokrat sei bei vielen sozialpolitischen Maßnahmen sichtbar geworden. Für Claus Kaminsky seien Wirtschaftsförderung und Sozialpolitik keine Gegensätze, sondern bedingen einander. Vor allem durch eine starke Wirtschaft könne man eine soziale Stadt erhalten und ausbauen, sei sein Credo gewesen. Der konsequente Ausbau von Schulen und Kindergärten gehöre ebenso dazu, wie die Förderung des Gesundheitswesens und sozialer Einrichtungen. Ein Beispiel von vielen sei das gegen den Trend erfolgte Festhalten an einer kommunalen Wohnungswirtschaft. So sorge neben anderen die städtische Baugesellschaft Hanau dafür, dass die Brüder-Grimm-Stadt in Sachen „bezahlbarer Wohnraum“ besser dastehe als viele andere Kommunen im Rhein-Main-Gebiet.
Professionelle und weitschauende Haushaltspolitik
Voraussetzung für ein wirtschafts- und investitionsfreundliches Klima sind immer auch entsprechende Verwaltungsstrukturen. Hier habe Claus Kaminsky durch die Konstruktion von Gesellschaften und Eigenbetrieben sowie die Gründung der BeteiligungsHolding Hanau GmbH eine moderne Struktur geschaffen, die schnell und effizient arbeiten könne. Gleiches gelte für die Verbesserung des Bürgerservice, der die Menschen zielgenau in ihrem Leben unterstützen soll. Als Kämmerer habe er zudem durch seine professionelle und weitschauende Haushaltspolitik dafür gesorgt, dass Hanau heute finanziell besser dasteht als vergleichbare Kommunen.
Ebenso wichtig sei ihm auch gewesen, dass die Bürger möglichst angstfrei in ihrer Stadt leben können. Zwar gebe es keine vollkommene Sicherheit in einer Großstadt, dennoch hätten viele Maßnahmen, wie der Ausbau der Stadtpolizei und die Videoüberwachung zentraler Plätze mit dazu beigetragen, die Sicherheit und deren Empfinden zu erhöhen. Mit der Einrichtung des „Haus des Jugendrechts“ und weiteren Maßnahmen stärke man zudem die Prävention.
Sozialer Zusammenhalt im Fokus
All das trage zum sozialen Zusammenhalt in der Stadt bei, der für Claus Kaminsky immer ein zentrales Element der Stadtpolitik gewesen sei. Dazu gehörten auch die Förderung von Kultur, Sport und Vereinsleben. Mit der konsequenten Weiterentwicklung der Brüder-Grimm-Festspiele besitze Hanau einen kulturellen Leuchtturm, der weit in die Region und darüber hinaus leuchte. Die Neuausrichtung von Lamboy- und Bürgerfest habe zentrale Treffpunkte geschaffen, an denen sich die Stadtgesellschaft begegne und das Miteinander gefeiert werde.
Die zahlreichen Projekte zur Bürgerbeteiligung, etwa bei der Innenstadtgestaltung und beim Projekt „Zukunft Hanau“ hätten zudem die Identifikation der Hanauerinnen und Hanauer mit ihrer Stadt gestärkt. Nicht zuletzt durch das von ihm konsequent umgesetzte Sichtbarmachen der Stadt als Geburtsort von Jacob und Wilhelm Grimm, sei es durch den Namenszusatz „Brüder-Grimm-Stadt“ vor 20 Jahren, Projekte wie „GrimmsMärchenReich“ und den Märchenpfad hätten das Image des ehemaligen „Atomdorfs“ nachhaltig ins Positive gewendet. Und damit zugleich auch das Bekenntnis der Bürgerinnen und Bürger zu ihrer Stadt und den Zusammenhalt gestärkt.
Dieser von Claus Kaminsky geförderte Zusammenhalt habe sich gerade auch in den schwierigsten Zeiten bewiesen, durch die Oberbürgermeister Kaminsky die Stadt führen musste. Das gilt für die Corona-Jahre, vor allem aber die Zeit nach dem schrecklichen rassistischen Attentat am 19. Februar 2020. Oberbürgermeister Claus Kaminksy habe mit viel Empathie und großem Engagement die Stadt durch diese Krisen geleitet. Er habe durch seine ebenso besonnene wie konsequente Art Eskalationen verhindert und unterschiedliche Interessen ausgeglichen. Gerade in dieser für ihn wohl herausforderndsten Zeit habe er seine Qualitäten als Politiker und Mensch nachdrücklich unter Beweis gestellt.
Ein bürgernaher Oberbürgermeister
Claus Kaminsky sei ein bürgernaher Oberbürgermeister gewesen, der jederzeit und von jedem ansprechbar gewesen sei und sich den Menschen zugehörig fühle. Dass er viermal in Folge direkt im ersten Wahlgang zum Oberbürgermeister gewählt wurde, spreche für sich. Bei aller Zugewandtheit habe er auch „klare Kante“ zeigen können, wenn es darum ging, die Grundwerte der Demokratie zu verteidigen. Auch von Drohungen habe er sich nicht davon abhalten lassen, Extremisten die Stirn zu bieten, wie etwa vor Jahren beim Aufmarsch auswärtiger Rechtsradikaler in der Stadt. Demokratie und Miteinander zu fördern war stets das Anliegen des OB. Sichtbares Zeichen dafür sei das entstehende „Haus für Demokratie und Vielfalt“, das man ebenfalls als ein Vermächtnis des Oberbürgermeisters sehen könne.
Der scheidende Oberbürgermeister konnte überzeugen und verbinden, zeigte sich zudem als harter Verhandler, wenn es darum ging, die Interessen der Brüder-Grimm-Stadt und ihrer Bürgerinnen und Bürger zu vertreten, so der Magistrat. In bester Hanauer Tradition und getreu dem Grimm‘schen Motto, dass es mutiger Männer bedarf, die keine Angst vor Fürstenthronen haben, legte er sich auch mit Land und Bund an, wenn er Hanau benachteiligt sah. Man denke nur an den laufenden „Zensus“-Streit um die korrekten Einwohnerzahlen und die damit verbundenen finanziellen Folgen. Dies alles hat das gute Verhältnis zu Land und Bund nicht trüben können, sondern Oberbürgermeister Kaminsky vielmehr Respekt als unbeirrbarer Streiter für seine Stadt eingebracht.
Mit dem Ausscheiden von Claus Kaminsky ende eine Ära, die als eine der glücklichsten in der jahrhundertealten Geschichte der Stadt bezeichnet werden kann, zieht der Magistrat das Fazit. „Hanau, seine Bürgerinnen und Bürger und auch die künftigen Generationen haben Claus Kaminsky viel zu verdanken“, so Dr. Maximilian Bieri, Isabelle Hemsley und Andreas Jäger.
Dass die Stadtverordnetenversammlung als Vertretung der Bürgerschaft Claus Kaminsky einstimmig die seltene Würde der Ehrenbürgerschaft zugesprochen hat, sei sichtbarstes Zeichen dieser Dankbarkeit. (red)