Verkehrsteilnehmer "wachrütteln": Das sind die gefährlichsten Straßen im MKK
Montag, 05.10.2026
MAIN-KINZIG-KREIS - Praktisch im Minutentakt, meist noch öfter befahren Motorräder die Landesstraße 3196 ...
Die Strecke nördlich von Steinau-Marjoß zwischen dem Stadtteil und dem Erlebnispark ist unter den Zweiradfahrerinnen und Zweiradfahrern sehr beliebt, gerade an einem schönen Tag wie Anfang September: Gerade Abschnitte wechseln sich mit engen Kurven ab, neben dichter Bewaldung gibt es schöne Stellen zum Pausieren und Rasten mit Aussicht. Doch die Strecke ist auch ein Unfallschwerpunkt, weshalb die Unfallkommission nun erneut eingeschritten ist.
Verkehrsteilnehmer "wachrütteln"
Seit Kurzem gilt in den besonders gefährlichen Abschnitten auf der L3196 die Höchstgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern. Sogenannte Rüttelstreifen sollen im Kurvenbereich die motorisierten Verkehrsteilnehmer buchstäblich „wachrütteln“. Das ist eine der Maßnahmen, die die Unfallkommission beschlossen hat, um die Unfallhäufigkeit zu senken. Alleine im laufenden Jahr und bis zur Umsetzung der neuen Maßnahmen hatten sich wieder sechs Verkehrsunfälle ereignet, davon vier mit Motorrädern.
Die Unfallkommission hat die Strecke schon länger im Fokus. In den vergangenen Jahren reichten die Maßnahmen von einer teilweisen Geschwindigkeitsbegrenzung – nur für Motorräder – über einen Verkehrsversuch mit neuen Temporegeln bis hin zu zusätzlichen Schildern.
Gefahrenstellen sicherer machen
Das Ziel aller Maßnahmen der Unfallkommission ist es, Unfallschwerpunkte und Gefahrenstellen wie diese sicherer zu machen. Die „Verbesserung der Verkehrssicherheit“ ist die offizielle vom Land Hessen formulierte Vorgabe, und zwar durch das „Erkennen und Beseitigen von Unfallursachen durch die örtliche Untersuchung von Straßenverkehrsunfällen“.

Ist ein Kreuzungsbereich schwer einsehbar?
Im Main-Kinzig-Kreis kommen die Fachleute der Unfallkommission jedes Jahr zusammen: Polizei, Hessen Mobil und die Straßenverkehrsbehörde des Main-Kinzig-Kreis. Gemeinsam sind sie zuständig für die Bundes-, Landes- und Kreisstraßen im Main-Kinzig-Kreis – zusammen immerhin mehr als 1.000 Straßenkilometer. Die Federführung liegt beim Main-Kinzig-Kreis im Amt für Sicherheit und Ordnung, Migration und Integration. Die Kommissionsmitglieder schauen sich nicht nur die bloßen Unfallzahlen an, sondern vor Ort auch die tatsächlichen Gegebenheiten. Sie beschließen die daraus folgenden Maßnahmen im Konsens.
Landrat Thorsten Stolz weiß um die Abwägung der Unfallkommission. „Die Fachleute schauen sich nicht nur die Statistiken an, sondern gehen auch in die Detailbewertung. Das macht das Zusammenspiel der einzelnen Expertisen so besonders“, erklärt Stolz. „War es ein individuelles Fehlverhalten? Ist ein Kreuzungsbereich schwer einsehbar? Gibt es vor allem bei schlechtem Wetter Probleme? Daraus ergeben sich sehr unterschiedliche Maßnahmen.“
"Unfallpunkte weiter im Blick behalten"
Im vergangenen Jahr hatte die Unfallkommission zum Beispiel für die L3445 Höhe Neuberg-Ravolzhausen entschieden, die Beschilderung auszuwechseln und an anderen Stellen aufzubauen. Nach gut zwölf Monaten lässt sich feststellen: Der Anteil der Fahrzeuge sinkt, die zu schnell unterwegs sind. Unfälle hat es 2025 dort dennoch gegeben, allerdings ohne ein wiederkehrendes Muster – oft aufgrund individuellen Fehlverhaltens.
„Für uns ist es wichtig, die Unfallpunkte weiter im Blick zu behalten und unsere Maßnahmen zu bewerten“, sagt Christoper Unger, Leiter der Kreis-Verkehrsbehörde. „Wenn wir solche positiven Effekte nicht erkennen und es immer noch zu einer Vielzahl an Unfällen kommt, gerade auch wiederkehrende, vergleichbare Unfallhergänge, dann steuern wir natürlich nach.“ Dabei spiele eben auch die genaue Betrachtung einzelner Unfälle eine Rolle. Dann kann es sein, dass Schilder versetzt, neue Schilder eingesetzt, andere Fahrbahnmarkierungen aufgebracht, Abbiegeregelungen verändert oder Ampeln eingerichtet werden.
Mitunter geht es auch um Öffentlichkeitsarbeit als Präventionsmittel. „Über unsere Maßnahmen in Neuberg wurde vergangenes Jahr in der Presse und in Onlineforen breit diskutiert. Das erhöht die Aufmerksamkeit für diesen Streckenabschnitt und kann auch eine dämpfende Wirkung aufs Unfallgeschehen haben“, so Unger. Ähnlich verhalte es sich mit mobilen Geschwindigkeitsmessungen.
Unfallkommission mahnt zur Einhaltung der zulässigen Höchstgeschwindigkeiten
Die Unfallkommission mahnt zur Einhaltung der zulässigen Höchstgeschwindigkeiten. Denn zu schnelles Fahren erhöht das Unfallrisiko, auch auf der L3445. Zu dichtes Auffahren und Ablenkung dürften wiederum in Maintal wesentliche Rollen gespielt haben, dass es unter anderem auf der L3209 in südliche Richtung, nach der Kreuzung zur Hochstädter Straße und Bischofsheimer Straße, zu vermehrten Auffahrunfällen gekommen ist. Bis zur Autobahnauffahrt verläuft die Strecke geradlinig und die allermeisten Auffahrunfälle geschahen bei trockenem Wetter. Ein genauerer Blick auf die Uhrzeiten zeigt, dass sich die Unfälle montags bis freitags und hauptsächlich während des Feierabendverkehrs ereigneten. Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert eben ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.
Angesichts der Länge des Straßennetzes im Bereich des Main-Kinzig-Kreises kommt so eine ganze Reihe von Gefahrenstellen zusammen. In diesem Jahr schaute sich die Unfallkommission insgesamt 33 Straßenabschnitte an. Gibt es dringliche neue Fälle, tagt die Unfallkommission auch mehr als einmal im Jahr. 2025 waren es insgesamt drei Treffen – unter anderem eine Sondersitzung zur unfallträchtigen Strecke in Steinau.
"Die Arbeit der Unfallkommission ist leider nie abgeschlossen"
Auf der L3196 in Marjoß sind insbesondere die Kurvenlagen gefährlich. Dort verletzten sich in der Vergangenheit viele Motorradfahrer durch Stürze, teils mit erheblichen gesundheitlichen Folgen. Tageszeit, Witterung, Geschwindigkeit, zu spät gebremst: All das spielte in unterschiedlicher Ausprägung sicher eine Rolle. Eine einzige richtige Maßnahme, die hundertprozentige Sicherheit, ein Null-Risiko für Unfälle und obendrein noch akzeptablen Verkehrsfluss garantiert, gibt es allerdings nicht. Auf dem Streckenabschnitt in Steinau hat die Polizei in diesem Jahr Kontrollen durchgeführt, zeigt seit Jahren Präsenz. Und auf der L3196 wird sie das in der kommenden Zeit fortsetzen.
„Die Arbeit der Unfallkommission ist leider nie abgeschlossen“, sagt Landrat Thorsten Stolz. „Aber alle Beteiligten arbeiten daran, damit Gefahrenpunkte abgebaut und Unfallrisiken reduziert werden. Der Hauptfaktor zum Gelingen ist und bleibt aber der Mensch. Wer Gefahrenhinweise unterschätzt und sich selbst überschätzt, setzt sein Leben aufs Spiel. Da ändern auch die guten und klugen Abwägungen der Unfallkommission leider nichts.“ (red)