"Wir kämpfen um unsere Jobs!"

Stellenabbau bei Thermo Fisher in Langenselbold: Beschäftigte gehen abermals auf die Barrikaden

Mehr als 300 Thermo Fisher-Beschäftigte haben am heutigen Dienstag erneut gegen den geplanten Stellenabbau am Standort Langenselbold demonstiert. - Fotos: IG Metall


Dienstag, 20.10.2026

LANGENSELBOLD - Sie kämpfen um ihre Jobs: Mehr als 300 Thermo Fisher-Beschäftigte haben am heutigen Dienstag erneut gegen den geplanten Stellenabbau am Standort Langenselbold demonstiert.

Der US-amerikanische Medizintechnikhersteller will in Produktion und Verwaltung gut 60 der derzeit ca. 600 Stellen streichen. Die Ankündigung folgt auf einen mehrjährigen, schleichenden, Abbau, dem bereits über 100 Stellen zum Opfer gefallen sind. 

Betriebsrat und IG Metall kündigen Verschärfung der Gangart an 


Der Langenselbolder Betriebsratsvorsitzende, Walter Heidenfelder, berichtete zum aktuellen Stand der innerbetrieblichen Verhandlungen. Der Arbeitgeber habe das vom Betriebsrat gemeinsam mit einem wirtschaftlichen Sachverständigen erarbeitete Alternativkonzept zum geplanten Stellenabbau zunächst weitgehend abgelehnt.

Nun komme es darauf an, den Druck auf den Arbeitgeber Zug um Zug zu erhöhen, um Bewegung am Verhandlungstisch zu erzeugen. Weitere Aktionen befänden sich bereits in Planung.

"Widerstand gegen diese Zumutungen"


Den Protest unterstütze auch André Arenz, neugewähltes Mitglied im geschäftsführenden Vorstand der IG Metall. „Dass ein Unternehmen wie Thermo Fisher mit seinen zweistelligen Renditen dennoch Arbeitsplätze im großen Stil vernichten will, ist unseriös und nicht hinnehmbar. Es geht um die betroffenen Beschäftigten und ihre Familien, aber auch um das gesamte Umfeld. Ich gratuliere den Beschäftigten von Thermo Fisher zu ihrer Hartnäckigkeit und ihrem Widerstand gegen diese Zumutungen“, so Arenz.

"Die Herren weiter oben bekommen den Hals nicht voll"


Gekommen war daneben eine Delegation von der Hanauer Vacuumschmelze. Thorsten Viel, VAC-Betriebsrat und Leiter der gewerkschaftlichen Vertrauensleute, versicherte den Langenselbolder Beschäftigten Solidarität und Unterstützung:

„Mit eurer Arbeit verdient Thermo Fisher sehr gutes Geld, aber augenscheinlich bekommen die Herren weiter oben den Hals nicht voll. Das ist asozial und es ist richtig, dass ihr euch das nicht gefallen lasst. Auch wir haben gemeinsam mit der IG Me tall schon viele Kämpfe führen müssen und dabei habt ihr uns geholfen. Das wollen wir zurückgeben. Wenn ihr zukünftig stärkere Aktionen startet, könnt ihr auf uns zählen.“ 

Warnstreiks nicht ausgeschlossen


Matthias Ebenau, Geschäftsführer der IG Metall Hanau-Fulda, verwies zudem auf den breiteren Kontext der Stellenabbaupläne bei Thermo in Langenselbold: Am Bremer Schwesterstandort, wo die Produktion komplett geschlossen werden soll, fand ein erster Warnstreik für einen Sozialtarifvertrag statt. Unter dem Jubel der Beschäftigten übermittelte er solidarische Grüße in den Norden.

Man werde sich zwischen den Thermo-Standorten in Deutschland und weltweit nicht spalten lassen, sondern gemeinsam gegen den Arbeitsplatzabbau zugunsten der absoluten Profitmaximierung kämpfen. Bleibe der Konzern bei seiner harten Haltung zum Stellenabbau, seien auch in Langenselbold Warnstreiks, wie in Bremen, kurzfristig nicht mehr ausgeschlossen. (red)

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