BRÜSSEL / HANAU

Will die EU die kleinen Cent-Münzen abschaffen?

Blick in das EU-Parlament - Foto: picture alliance / Hauke-Christian Dittrich

Mittwoch, 29.01.2020
von MORITZ PAPPERT / HANS-HUBERTUS BRAUNE

Die Kommission der Europäischen Union überlegt offenbar, die Ein- und Zwei-Cent-Münzen abzuschaffen. Das geht aus dem Programm zum "Vorschlag für einheitliche Rundungsregeln" hervor. Die kleinen Münzen seien zu aufwendig.

Die Redaktion von KINZIG.NEWS hat sich mit der CDU-Bundestagsabgeordneten für den Wahlkreis Hanau und stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der CDU/CSU im Bundestag, Dr. Katja Leikert, über die Pläne der EU-Kommission unterhalten.

 Foto: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)

Foto: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net) - Die Bundestagsabgeordnete Dr. Katja Leikert

KN: Was sagen Sie zu einer möglichen Abschaffung?

Dr. Katja Leikert: Die EU überlegt stets, wie sie das Leben der Bürgerinnen und Bürger vereinfachen kann. Das hat sie erfolgreich z.B. bei der Abschaffung der Roaming-Gebühren unter Beweis gestellt. Die Initiative der EU-Kommission zur Abschaffung der 1 und 2 Cent-Münzen ist bislang allerdings nur ein Vorschlag von vielen im Zuge der Entbürokratisierung und noch weit entfernt von einer möglichen Umsetzung. Ich persönlich stehe der Idee aufgeschlossen gegenüber.


KN: Welche Vor-/Nachteile würden daraus resultieren?

Dr. Katja Leikert: Die Kosten für die Herstellung von 1 und 2 Cent-Münzen sind vergleichsweise hoch; hinzu kommen die Transportkosten, die je nach geografischer Lage zu Buche schlagen. Auf der Insel Wangerooge beispielsweise beliefert die örtliche Volksbank ihre Kunden bereits seit Ende vergangenen Jahres nicht mehr mit Kupfergeld, weil die Münzen aufgrund der Gezeiten für teures Geld mit dem Flugzeug eingeflogen werden müssen. Natürlich sind 1 und 2 Cent-Münzen, die vom Festland mitgebracht werden, dort aber nach wie vor gültig! 

Kritische Stimmen befürchten hingegen, dass die Abschaffung der 1 und 2 Cent-Münzen den Einstieg in die Abschaffung von Bargeld insgesamt bedeuten könnte. In Deutschland ist die Bargeldzahlung allerdings nach wie vor sehr beliebt; nach Angaben von Bundesbankpräsident Jens Weidmann werden rund dreiviertel aller Einkäufe im Laden cash bezahlt. Der Vorteil: Man gibt dabei keine Daten preis und macht sich nicht abhängig von der Technik.


KN: Was würde das in der Praxis bedeuten?

Dr. Katja Leikert: Die Preise müssten in der Praxis auf volle fünf Cent auf- oder abgerundet werden. In unseren Nachbarländern Belgien und Frankreich gilt diese Regelung bereits seit einiger Zeit. Angebote zum Preis von beispielsweise 1,99 Euro würde es dann nicht mehr geben; stattdessen müsste das jeweilige Produkt eben wahlweise für 1,95 Euro oder 2 Euro angeboten werden. +++