MAIN-KINZIG-KREIS

Landrat eröffnet Fotoausstellung "75 Jahre nach Auschwitz"

Die Ausstellung ist bis zum 13. Februar im Main-Kinzig-Forum zu sehen. - Foto: MKK

Mittwoch, 29.01.2020

Landrat Thorsten Stolz hat am Holocaust-Gedenktag die Ausstellung „75 Jahre nach Auschwitz“ eröffnet. Gezeigt werden Fotografien von Thomas Benzing und Berthold Rosenberg, die sie im Jahr 2012 im NS-Vernichtungslager Auschwitz aufgenommen haben, präsentiert durch den Kunst- und Kulturverein Kaleidoskop aus Freigericht. „Der Blick in die Vergangenheit beleuchtet die Gegenwart“, sagte der Landrat in seiner Ansprache und spannte den Bogen zwischen 1945 und dem 21. Jahrhundert. „Vorkommnisse der jüngsten Vergangenheit in Deutschland und anderswo zeigen, wie verbreitet antisemitisches und diskriminierendes Gedankengut ist, verbunden mit verbalen und tätlichen Übergriffen.“

Der Landrat nutzte die Vernissage für eine betroffen machende Bilanz, wie es um die Verbreitung von Antisemitismus und Rechtsextremismus in Deutschland heute bestellt ist, gab den rund 100 Besucherinnen und Besuchern aber auch einen Auftrag mit auf den Weg. „Hass, Hetze und Aufrufe zur Gewalt sind wieder trauriger Alltag in Deutschland“, sagte Stolz. Zugleich sei es an der Zivilgesellschaft, sich dem entgegenzustellen und die demokratische und rechtsstaatliche Verfasstheit des Staats zu verteidigen: „Demokratie ist keine Zuschauer-Veranstaltung, Demokratie lebt vom Mitmachen.“

Der Landtagsabgeordnete Max Schad und Freigerichts Bürgermeister Albrecht Eitz stimmten dem Landrat zu und äußerten Sorge, das Gedenken an Auschwitz, weltweit Synonym für Verbrechen und Völkermord, auch für die nächsten Generationen wach zu halten. Erinnerung brauche Emotionen, sagte Schad, „durch Erinnerung müssen wir uns darauf einlassen, was war“. Die Ausstellung schaffe diesen emotionalen Bezug, stelle die Unmenschlichkeit, der mit dem Lagerkomplex verbunden werde, beeindruckend dar. Eitz sieht in der Kunst „einen der wenigen Zugänge“, den die kommenden Generationen, ohne noch lebende Zeitzeugen, emotional zum Holocaust herstellen könnten.

Gudrun Fleckenstein führte, stellvertretend für den Verein Kaleidoskop Freigericht, in die Ausstellung und die Werke von Thomas Benzing und Berthold Rosenberg ein. Benzing fotografiere analog, Berthold Rosenberg digital, jeder habe dabei eine eigene Bildsprache entwickelt. „Das ist Teil der Kunst, dass man, auch in der Fotografie, ausdrückt, was man empfindet und dies entsprechend umsetzt“, sagte Fleckenstein.

An der Ausstellungseröffnung nahmen auch Schülerinnen der Kopernikusschule teil. Die „AG DaZugehören“ um Lehrerin Ulla Mohrmann verteilte schwarze Gedenk-Schleifen, wie vor der Ausstellungseröffnung bereits an der Kopernikusschule selbst. Über tausend Kinder und Jugendliche drückten so ihr Gedenken an Auschwitz aus.

Viele der rund 60 ausgestellten Fotografien von Benzing und Rosenberg sind schwarz-weiß. Bei den anderen beschränken sich die Farbanteile auf kalte, blasse Töne, bedingt durch die winterlichen Verhältnisse, als die Fotos 2012 entstanden. Stacheldraht, Wachtürme, Zäune, ein Krematorium und viele weitere Gebäude stehen einsam und verlassen da. Unweigerlich stellt sich die Frage, ob zum Zeitpunkt der Aufnahme das Lager gerade erst befreit wurde oder doch schon jahrzehntelang der Gedenkort war, der er noch heute ist. Auch die nüchtern-sachlich beschreibenden Bildunterschriften geben keinen Aufschluss. Nur wenige Fotos helfen dem Betrachter bei der zeitlichen Einordnung, etwa durch eine oder mehrere Personen auf dem Bild. Geschichte und Gegenwart verschmelzen in den Fotografien.

In einem hinteren Teil der Ausstellung wird der Bezug zum Hier und Heute aber unmittelbar gesetzt: In einem großen Infrarotfoto werden Gleise am Frankfurter Osthafen gezeigt. Von dort aus waren zur Zeit der nationalsozialistischen Diktatur viele Juden deportiert worden, begründeten die Fotografen dieses Exponat. „Vielleicht betrachtet man die imposanten Türme der EZB-Bank im Frankfurter Osten mit anderen Augen, wenn man weiß, dass sich im Keller der früheren Großmarkthalle die Sammelstelle befand, von der aus Tausend jüdischer Männer, Frauen und Kinder aus Frankfurt und Umgebung ab Oktober 1941 in die Todeslager verschickt wurden“, kam auch Landrat Thorsten Stolz auf diesen Teil der Ausstellung zu sprechen.

Die Ausstellung ist bis Donnerstag, 13. Februar, zu den Öffnungszeiten des Main-Kinzig-Forums zu besichtigen. Jeder Interessierte kann darüber hinaus mit den Fotografen zu den gezeigten Bildern am 13. Februar um 16.30 Uhr vor Ort ins Gespräch kommen. (pm)+++