BIEBERGEMÜND

Jahreshauptversammlung der BI „Windkraft im Spessart"

v.l.:Hans Dickert (Beisitzer), Rolf Zimmermann (Stellv. Vorsitzender und Schatzmeister), Udo Klein (Beisitzer), Bernd Ludwig (Schriftführer), Berthold Andres (Vorsitzender), Michaela Münch (Beisitzerin), Stefan Ries (Beisitzer) - Foto: privat

Donnerstag, 13.02.2020

"Wir hören noch lange nicht auf!" Die Jahreshauptversammlung der Bürgerinitiative „Windkraft im Spessart – In Einklang mit Mensch und Natur e.V.“ fand vor wenigen Tagen im Dorfgemeinschaftshaus in Biebergemünd-Breitenborn statt. Mit über 50 engagierten Mitgliedern war die Veranstaltung sehr gut besucht. Die Mitgliederzahl ist in den letzten Jahren weiter auf inzwischen 239 gestiegen. 

Nach der Begrüßung berichtete der bisherige Vorsitzende Dr. Berthold Andres über wichtige Ereignisse der vergangenen zwölf Monate. Die beiden Schwerpunkte der BI-Arbeit in dieser Zeit waren die Beteiligung der BI an dem Verfahren zur Aufstellung des Teilplans Erneuerbare Energien (TPEE) des Regionalplans für Südhessen und die Klage der BI gegen die Baugenehmigung für die sechs Windkraftanlagen mitten im Wald in Flörsbachtal. Nach diesem Bericht und der Entlastung des Vorstands standen die Neuwahlen des Vorstands an. Einstimmig wurden die bisherigen Vorstände Michaela Münch, Berthold Andres, Rolf Zimmermann, Udo Klein und Bernd Ludwig wiedergewählt. Da die beiden bisherigen Vorstände Markus Kievel und Jens Dabberdt nicht mehr zur Wahl standen, sind nun mit Hans Dickert aus Bieber und Stefan Ries aus der Ortsgruppe Westerngrund zwei neue tatkräftige Vorstände einstimmig gewählt worden. Hans Dickert hatte das Amt als Beisitzer bereits seit Mitte 2019 kommissarisch übernommen.

Das Schwerpunktthema der Mitgliederversammlung war der im Juni 2019 von der Regionalversammlung Südhessen beschlossene Teilplan Erneuerbare Energien. Der Plan enthält für den Bereich Biebergemünd die beiden Windkraft Vorrangflächen 2-304 und 2-308, die aufgrund ihrer schieren Größe bzw. mit einem Abstand von deutlich unter 1.000 m zur nächsten Wohnsiedlung zu einer massiven Beeinträchtigung der Anwohner führen werden.

Die Fläche 2-304 nördlich von Bieber ist mit ca. 450 ha eine der größten Vorrangflächen in Südhessen. Nach den üblichen Abschätzungen passen auf diese Fläche über 40 Windkraftanlagen mit der heute üblichen Höhe von 240 m. Da ein Großteil dieser Fläche im Besitz von Hessenforst ist und der Netzanschluss durch die Trasse nach Flörsbachtal bereits vorbereitet wurde, ist zu erwarten, dass kurzfristig ein Genehmigungsantrag für diese Fläche gestellt wird. Dass ganz offensichtlich vor Ort noch ein Defizit darüber besteht, was auf die Anwohner zukommt, zeigte die ausführliche Diskussion über die Fläche 2-304. „Wir werden deshalb den Vorschlag für eine Informationsveranstaltung in Bieber aufgreifen und, sobald die noch ausstehende Genehmigung des Regionalplans durch das hessische Wirtschaftsministerium erteilt ist, für Mitte März nach Bieber einladen“, fasst der alte und neue Vorstandsvorsitzende Dr. Berthold Andres den Beschluss dazu zusammen.

Die Fläche 2-308 zwischen den Ortsteilen Lützel, Breitenborn und Roßbach hat mit 800 m nur einen extrem kleinen Abstand zur nächsten Wohnbebauung. Die Begründung für den kleinen Abstand von Seiten des Regierungspräsidiums Darmstadt ist, dass der über 100 Einwohner zählende Ortsteil Lützel in den Plänen des RP fälschlicherweise nicht als regulärer Ort, sondern nur als Splittersiedlung im Außenbereich betrachtet wird. Da die Gemeinde Biebergemünd hingegen Lützel als richtige Siedlung eingestuft hatte, ist die Fläche 2-308 auch nicht Bestandteil des in 2018 genehmigten Flächennutzungsplans Windkraft der Gemeinde. Auf völliges Unverständnis ist bei den Anwesenden allerdings gestoßen, dass seitens der Gemeindeverwaltung in der Vergangenheit keine entsprechende Änderung beim RP durchgesetzt wurde, bzw. dass von der Gemeindevertretung im letzten Jahr ein Antrag der FWG-Fraktion, der eine Stellungnahme in Richtung der Regionalversammlung und gegebenenfalls die Nutzung von Rechtsmitteln forderte, mit den Stimmen der CDU und SPD abgelehnt wurde.

Den Abschluss des Abends bildete ein Video aus dem Soonwald und der Vortrag eines von Windkraftanlagen direkt betroffenen Hausbesitzers aus dem Sinntal. Beides schilderte sehr drastisch, welche Probleme nach dem Bau von Windkraftanlagen auftreten. Beim Sinntaler führte besonders der Lärm des unablässigen „Wusch - Wusch“, das beim Durchgang der Rotorflügel am Turm entsteht, zu massiven Schlafstörungen. Im Sommer sei ein Schlafen bei offenen Fenstern nur bei Windstille möglich. In die gleiche Richtung ging auch das Video von Betroffenen aus dem Soonwald, die sich nachts sogar über startende und landende Flugzeuge auf dem benachbarten Flughafen Hahn „freuen“, die etwas Abwechslung in den monotonen Dauerlärm der Windkraftanlagen bringen.

Um den politischen Vertretern in Biebergemünd nochmals zu verdeutlichen, was auf die Bürger zukommt, wurde die Anregung eines Mitglieds aufgegriffen, den Gemeindevertretern eine kostenlose Busfahrt in das Windkraft Konzentrationsgebiet im Soonwald anzubieten. Der Vorstand wird dazu in Kürze eine entsprechende Einladung an alle Biebergemünder Gemeindevertreter verschicken.

Mit dem Appell „nur wenn jetzt alle Kräfte im Main-Kinzig Kreis an einem Strang ziehen, gibt es noch die Chance ein Desaster wie im Soonwald zu verhindern“ rief Vorstand Berthold Andres zu einem gemeinsamen Vorgehen aller Beteiligten im MKK gegen den Regionalplan Windkraft für Südhessen auf. Die bereits jetzt geplanten Vorrangflächen bieten im MKK Platz für über 400 zusätzliche Windkraftanlagen, davon allein 200 im Naturpark Hessischer Spessart. Nach mehr als zweieinhalb Stunden angeregter Diskussion bedankte sich der alte und neue Vorsitzende Dr. Berthold Andres bei allen anwesenden Mitgliedern und schloss die Versammlung. (pm)+++

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