MAIN-KINZIG-KREIS

Tag für Tag eine Million Pendler-Kilometer auf der A 66 - IHK im Gespräch

Dr. Gunther Quidde, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern - Fotos: Carina Jirsch

Dienstag, 25.02.2020
von HANS-HUBERTUS BRAUNE

Rund 90 Prozent der Menschen im Main-Kinzig-Kreis sind innerhalb von rund zehn Minuten an einer der insgesamt 17 Autobahnanschlussstellen der A 66 zwischen Maintal und Schlüchtern. Das geht aus einer Karte der Industrie- und Handelskammer Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern hervor. "Die A 66 ist ein enormes Plus für uns", sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Gunther Quidde im Gespräch mit KINZIG.NEWS. Doch nicht nur die Autobahn spielt in den Infrastrukturplanungen der Region eine große Rolle. Die Schiene rückt immer mehr in den Fokus.

Über 8.000 Menschen arbeiten am Flughafen

Der Main-Kinzig-Kreis liegt zwischen dem pulsierenden Rhein-Main-Gebiet und der starken Wirtschaftsregion Fulda. Gerade Frankfurt am Main platzt aus allen Nähten - es gibt dort kaum noch Platz für Wohnraum oder Gewerbeflächen. Entsprechend sind die Miet- und Kaufpreise explodiert. Immer mehr Menschen zieht es ins Umland - davon profitiert auch der Main-Kinzig-Kreis. Die aktuellen Pendlerzahlen belegen die tagtäglich große Bewegung. Allein über 8.000 Arbeitnehmer fahren zur Arbeit an den Frankfurter Flughafen. Insgesamt sind es gut 33.000 Menschen (und damit 8,8 Prozent mehr als im Jahr 2013), die nach Frankfurt am Main pendeln. Doch nicht nur die Großstadt ist bei den Berufstätigen gefragt.

Dr. Quidde im Gespräch mit KN-Redakteur Hans-Hubertus Braune
Dr. Quidde im Gespräch mit KN-Redakteur Hans-Hubertus Braune
Ziel vieler Pendler: Die Mainmetropole Frankfurt am Main
Ziel vieler Pendler: Die Mainmetropole Frankfurt am Main
Die IHK in Hanau
Die IHK in Hanau

"Die Pendlerströme haben sich verändert", sagt Quidde. Starke Zuwachsraten verzeichnen etwa Offenbach (Stadt und Kreis mit insgesamt gut 11.000 Pendlern und einem Plus von 27 Prozent gegenüber dem Jahr 2013), der Wetteraukreis mit 5.396 Pendlern sowie Aschaffenburg mit 4.002 Pendlern. Bei den Einpendlern kommen über 7.700 Arbeitnehmer aus dem Wetteraukreis, es folgen Aschaffenburg (5.344), Offenbach (Kreis: 5.226) sowie Frankfurt am Main (4384) und Fulda (2.689).

Eine Million Pendler-Kilometer


Eine weitere Zahl ist interessant: Die Auspendler nach Frankfurt am Main fahren täglich rund 703.000 Kilometer. Nimmt man die weiteren vier Top-Regionen dazu, sind es über eine Million Kilometer. Die Statistik, die der IHK-Auszubildende Christopher Hirsch aus den aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit erstellt hat, macht deutlich, dass eine gute Infrastruktur immer wichtiger wird. Deshalb hat die IHK die Zukunft des Schienenverkehrs im Main-Kinzig-Kreis unter die Lupe genommen. Daraus leiten sich einige Forderung ab.

Hintergrundgespräch bei der IHK in Hanau
Hintergrundgespräch bei der IHK in Hanau
Der IHK-Auszubildende Christopher Hirsch
Der IHK-Auszubildende Christopher Hirsch
Innerhalb von fünf Minuten (roter Rand) oder zehn Minuten  (blauer Rand) sind die Menschen im Main-Kinzig-Kreis an der nächsten Anschlussstelle der Autobahn A 66
Innerhalb von fünf Minuten (roter Rand) oder zehn Minuten (blauer Rand) sind die Menschen im Main-Kinzig-Kreis an der nächsten Anschlussstelle der Autobahn A 66

Die Verflechtung der Pendler-Regionen steht dabei im Fokus. Das Land Hessen unterstützt mit dem Projekt "Großer Frankfurter Bogen", die 55 Kommunen, die innerhalb von 30 Minuten zum Frankfurter Hauptbahnhof erreichbar sind. Dazu zählen unter anderem auch Hanau und Langenselbold. Hier sollen Siedlungsprojekte in einem Radius von maximal einem Kilometer zur nächsten Bahnstation gefördert werden.

Sobald der Aus- und Neubau der ICE-Strecke Hanau-Fulda abgeschlossen ist, sollen die zusätzlichen Gleise eine Entlastung und mehr Spielraum für den Regionalverkehr bringen. Derzeit stehen die Regionalzüge in der Rangfolge hinter den Fernzügen, was häufige ungeplante Zwischenhalte wegen Überholvorgängen zur Folge hat.

Die geplante aber noch nicht festgelegte Trassenführung der ICE-Strecke
Die geplante aber noch nicht festgelegte Trassenführung der ICE-Strecke
Wichtiger Fernbahnhof für den Main-Kinzig-kreis: Der Bahnhof in hanau
Wichtiger Fernbahnhof für den Main-Kinzig-kreis: Der Bahnhof in hanau

Bahn-Projekte

Die Nordmainische S-Bahn verringert die Fahrzeit zwischen Frankfurt am Main und Hanau ab (geplant) dem Jahr 2028 um acht Minuten. Die IHK möchte eine Verlängerung der S-Bahnlinie bis Hanau-Wolfgang. Der Ausbau der Niddertalbahn und die Ertüchtigung der Lahn-Kinzig-Bahn stehen ebenfalls im Forderungskatalog der IHK. Eine wichtige Rolle spielt natürlich auch der Bahnhof Hanau, der als ICE-Bahnhof im Deutschland-Takt gestärkt werden soll.

Engelbert Strauss hat an der A 66 bei Schlüchtern ein riesiges neues Werk und Logistikzentrum gebaut
Engelbert Strauss hat an der A 66 bei Schlüchtern ein riesiges neues Werk und Logistikzentrum gebaut
Der ICE durchquert den Main-Kinzig-Kreis
Der ICE durchquert den Main-Kinzig-Kreis

Buslinien aus dem "Hinterland"

Abseits der direkten Anbindungen sind die Menschen nach wie vor an ihre Autos angewiesen. Eine Statistik zeigt, dass die Anzahl der Auto-Anmeldungen weiter zu nimmt. "Die Situation ist ein ganz wesentlicher Punkt, für den es keine einfachen Lösungen gibt", sagt Quidde. "An dieser Relation wird sich wohl auch auf lange Sicht wenig ändern. Ich muss der Kommunalpolitik aber bescheinigen, dass sie an vielen Stellschrauben dreht, um die Vernetzung insgesamt voranzutreiben. So haben wir erst kürzlich recherchiert, wie das mit Anbindung der künftigen Haltestellen der Nordmainischen S-Bahn aussieht - sie wird das erste große Schienenprojekt werden, das unserer Region (hoffentlich ab 2028) Entlastung bringt. Ich habe mich sehr gefreut zu hören, dass in Hanau und Maintal darauf geachtet werden wird, entsprechende Buslinien dorthin zu führen und an mehreren Stellen (Hbf HU, Maintal-Ost) auch Parkhäuser zu bauen." +++

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