DUBAI/ GELNHAUSEN

Stewardess Yoko Schmidt (22) fernab der Heimat: Erfahrungsbericht aus Dubai - Teil 1

An Board des A380-800 - Fotos: Yoko Schmidt

Donnerstag, 26.03.2020
von YOKO SCHMIDT

In vielen Ländern der Welt herrscht derzeit Ausnahmezustand wegen der Corona-Krise. Auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Yoko Schmidt aus Gelnhausen lebt dort seit einem Jahr. Die 22-jährige arbeitet als Stewardess bei der Fluggesellschaft Emirates. In einer dreiteiligen Serie auf KINZIG.NEWS berichtet sie über ihre aktuelle Situation fernab der Heimat.

"23.03.2020, 20:21 Uhr Ortszeit, Dubai. Gerade komme ich vom Einkaufen zurück. Selbst zu diesen Zeiten sind die Straßen Dubais nie leer. Neben mir höre ich Taxis, Autos, Busse, ich sehe die vielen Lichter in den Hochhäusern, ein paar Bauarbeiten sind noch zu vernehmen. Allerdings muss ich ehrlich zugeben, so wenig Verkehr habe ich in den letzten 12 Monaten an keinem Tag gesehen.

Mein Name ist Yoko, ich bin 22 Jahre alt. Seit fast einem Jahr lebe ich in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Hier arbeite ich für die Fluggesellschaft Emirates als Stewardess („Cabin Crew“). Aufgewachsen bin ich in Gelnhausen, zur Schule gegangen bin ich auf die Kopernikkusschule in Somborn, mein Studium habe ich dual gemeinsam mit engelbert strauss an der DHBW in Bad Mergentheim abgeschlossen.

In meinem Herzen gibt es seit ich denken kann einen Teil, der für meine Familie, meine Freunde und für meine Heimat schlägt, während der andere sich stets nach dem Abenteuer sehnt. So verschlug es mich während der Schulzeit für ein halbes Jahr nach Neuseeland, später auf ein Gap Year rund um die Welt, und während des Studiums für sechs Monate nach Kalifornien. Diese Erfahrungen haben mich tief geprägt und zu dem glücklichen Menschen gemacht, der ich heute bin.

Strand La Mer Ende Februar, bereits zu Corona-Zeiten, doch durfte man noch an den Strand
Strand La Mer Ende Februar, bereits zu Corona-Zeiten, doch durfte man noch an den Strand
In meiner Uniform, aufgenommen im Emirates Aviation College (unsere Ausbildungsstätte)
In meiner Uniform, aufgenommen im Emirates Aviation College (unsere Ausbildungsstätte)

Ein neues Kapitel in Dubai

Mit voller Begeisterung habe ich am 5. April 2019 mein neues Kapitel in Dubai begonnen, bei Emirates. Nach einer zweimonatigen Ausbildung am Boden fängt man hier an, als Flugbegleiterin zu arbeiten. Mein roter Hut und weißer Schleier sind fester Bestandteil unserer Uniform und dürfen auf keinem Flug fehlen. Mit meinen Kollegen und Freunden zusammen reise ich von Dubai aus zu sechs unserer Kontinente und sorge mich dabei um die Sicherheit und den Komfort unserer Passagiere. Jeden Monat bin ich aufs Neue gespannt, welche Ziele mich auf meinem Flugplan („Roster“) erwarten. Auckland, Sydney, Mauritius, Moskau, und Rio de Janeiro sind ein paar meiner absoluten Highlights.

Seit Beginn des Jahres spüren meine Kollegen und ich die Auswirkungen von Corona. Ich erinnere mich daran, wie während eines Turnarounds (ein Kurzstreckenflug ohne Aufenthalt am Zielort) zu den Malediven die ersten Passagiere Masken trugen. Darüber tauschte ich mich mit meinen Freundinnen in Dubai aus. Auch sie machten zu diesem Zeitpunkt erste Erfahrungen mit dem Virus.

Normalerweise bekommen wir unsere Roster am 16. Tag des Monats. Das bedeutet, am 15. Januar erhielt ich mein Roster für Februar, am 15. Februar erfuhr ich meine Destinationen für März, und so weiter. Das steigert immer total die Vorfreude unter uns Cabin Crew. Der 16. Ist ein Tag im Monat, auf den wir uns noch mehr als auf den „pay day“ freuen. Zudem haben wir die Möglichkeit, Flüge zu tauschen und an freien Tagen nach Hause zu fliegen oder ein neues Ziel zu entdecken, also praktisch über 3 Tage mal kurz Urlaub zu machen. Das ist schon ein ziemlicher „Luxus“.

In traditioneller Bekleidung in Bangkok, Thailand
In traditioneller Bekleidung in Bangkok, Thailand
Mit einer Freundin und Kollegin
Mit einer Freundin und Kollegin

Das Leben hat sich schnell verändert

Dessen wird man sich jetzt noch mehr bewusst. Das Leben, das ich in den letzten 12 Monaten kennengelernt und zu schätzen gelernt habe, hat sich schnell verändert. Obwohl die Veränderung sukzessive kam und wir mittendrin gesteckt haben, realisiere ich erst jetzt meine Situation, da unsere Flüge vollends stoppen werden.

Wir stehen auf Abruf bereit, von uns wird Flexibilität in der höchsten Form gefordert. In den letzten Wochen hat sich mein Roster ständig aktualisiert. Oft wussten wir erst am Vorabend um 18 Uhr, ob und wohin wir am nächsten Tag fliegen werden. Zahlreiche Flüge wurden gestrichen. Zuerst Shanghai, Guangzhou, dann Ziele wie Marokko, Ägypten, Italien, Spanien, und meine Heimat, Deutschland.

Mehr folgt im zweiten Teil am Samstag. +++

Über den Wolken, aufgenommen während eines Fluges als Passagier
Über den Wolken, aufgenommen während eines Fluges als Passagier

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