40 Medizinstudenten sollen Gesundheitsämter unterstützen
Freitag, 24.04.2020
von HANS-HUBERTUS BRAUNE
WIESBADEN - Die Gesundheitsämter in Hessen arbeiten fast ausschließlich im Zusammenhang mit dem Coronavirus, andere wichtige Aufgaben werden aus Personalmangel derzeit verschoben. "Die Bereitstellung von Personal in großer Anzahl ist für die Gesundheitsämter dringend notwendig, daher sind wir sehr froh über die angekündigte personelle Unterstützung", sagte Dr. Birgit Wollenberg, Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft der ärztlichen Amtsleitungen der hessischen Gesundheitsämter bei einer Pressekonferenz am Freitagmittag.
Medizinstudenten sollen Gesundheitsämter unterstützen
Sozial- und Integrationsminister Kai Klose hat zuvor angekündigt, dass für Hessen 40 Scouts vorgesehen sind, die voraussichtlich ab Mitte Mai zum Einsatz kommen können. "Ein wichtiger Baustein sind die durch das Robert-Koch-Institut geschulten Containment-Scouts, also Medizin-Studierende, die im Rahmen eines Urlaubssemesters im Gesundheitsamt zur Kontaktpersonennachverfolgung tätig werden. Die Scouts werden durch das Bundesgesundheitsministerium finanziert", sagte Klose. Für Hessen sei die umfassende Kontaktpersonennachverfolgung weiterhin ein wichtiger Baustein zur Minimierung der Neuinfektionen.
Der Minister wies nochmals eindringlich darauf hin, dass die Verhaltensregeln eingehalten werden, also das Kontaktverbot und den Mindestabstand. Ziel sei es nach wie vor, die Infektionsketten zu unterbrechen. Ein Schwerpunkt der Gesundheitsämter liegt in der Kontaktpersonennachverfolgung von COVID-19-Patienten. "Sobald ein Testergebnis vorliegt, wonach eine getestete Person infiziert sei, werde die betreffende Person sofort kontaktiert. Wir sprechen dann das weitere Vorgehen ab. Wichtig sind für uns die Kontaktpersonen", erklärte Wollenberg. In Hessen können zweidrittel bis dreiviertel der Fälle nachverfolgt werden - "wir kennen die Ketten", sagte Wollenberg . Zunächst seien mehr jüngere Leute - etwa Urlauber aus den Skigebieten - infiziert worden, nun seien es mehr ältere Menschen.
Inzwischen seien die Zeiten zwischen Test und Ergebnis "viel kürzer" geworden, erklärte Wollenberg auf Nachfrage von OSTHESSEN|NEWS. Bei bestimmten Berufsgruppen wie medizinisches Personal liegen die Ergebnisse am selben Tag vor.
"Zur Zeit haben Gesundheitsämter ihr eigenes Personal aus vielen anderen Arbeitsbereichen, zum Beispiel Trinkwasserüberwachung, sozialpsychiatrischer Dienst, Kinder- und Jugendgesundheit, fast vollständig abgezogen. Da wir nun in den „Langstreckenlauf“ der Krisenbewältigung gehen, benötigen wir ganz neue unterstützende Teams, um die anderen, nicht weiter verschiebbaren Aufgaben, bewältigen zu können. Besonders herausfordernd wird die Schulung und Anleitung der neuen, zum Teil fachfremden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sein, da auch dafür wieder das Fachpersonal aus den Infektionsschutzabteilungen benötigt wird. Wichtig ist daher, dass die neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter möglichst über Vorkenntnisse in einem Gesundheitsberuf verfügen. Die Lehre aus der Pandemie ist jetzt schon, dass Gesundheitsämter auf Dauer eine erhebliche Verstärkung des Fachpersonals (insbesondere Ärztinnen und Ärzte mit Facharztweiterbildung und Hygienekontrolleure/Gesundheitsaufseher) dringend benötigen", erklärte die Sprecherin.
Überblick Belegungsanzahl COVID-19 in Krankenhäusern
Mit Stand vom 23. April 2020, 11:00 Uhr, sind in den hessischen Krankenhäusern 11.870 Betten frei (stationäre Betten inklusive der Beatmungs- und Intensiv-Überwachungsbetten). Dies sind 1.505 Betten weniger als noch am Dienstag beim letzten Briefing (20.04.2020: 13.375). Die Gesamtzahl der COVID-19 Patientinnen und –Patienten in den hessischen Krankenhäusern liegt bei 865, davon sind 225 Personen beatmungs- und intensivüberwachungspflichtig. Die Zahl der zur Verfügung stehenden Betten mit Beatmung konnte erneut erhöht werden und liegt jetzt bei 2.228 (Bestand aller Plankrankenhäuser in Hessen). Derzeit gibt es 889 freie Beatmungsbetten in hessischen Krankenhäusern. (Hans-Hubertus Braune / pm) +++