HANAU

Pendler-Statistik 2019 vorgestellt: Viel mehr neue Arbeitsplätze

Die IHK in Hanau - Archivfotos: Carina Jirsch

Samstag, 02.05.2020

Es kennzeichnet die aktuelle Corona-Krise, dass selbst Statistiken mit erfreulichen Ergebnissen wie ein ferner Gruß aus besseren Zeiten erscheinen. Das gilt zumindest für die Pendler-Statistik mit Stichtag 30. Juni 2019, deren ersten Teil die Industrie- und Handelskammer (IHK) Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern am 30. April der Öffentlichkeit vorstellte.

"Das Wort ‚Pendler-Statistik‘ klingt komplex, es handelt sich aber lediglich um eine Auflistung, wo sozialversicherungspflichtig Beschäftigte wohnen und wo sie arbeiten", berichtet IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Gunther Quidde. Der Vergleich der beiden Größen ermöglicht eine gute Darstellung über die Entwicklung der Arbeitsplätze und der Wohnorte ihrer Inhaber. Da die Daten jede Kommune umfassen und verhältnismäßig rasch veröffentlicht werden, ist „die Pendlerstatistik ein sehr guter Indikator für die kommunale Wirtschaftsentwicklung“, so Quidde. Die IHK vergleicht in ihrer Analyse die aktuellen Daten mit denen des Jahres 2013, weil damals die Konjunkturkrise 2008 / 2009 überwunden war. „Wir betrachten also die Entwicklung in Zeiten einer guten Konjunktur“, präzisiert Quidde. 


Mehr Einwohner im arbeitsfähigen Alter 

Eine gute Nachricht zuerst: Für den Main-Kinzig-Kreis insgesamt fällt auf, dass in jeder seiner 29 Kommunen die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Einwohner am Wohnort gewachsen ist. Das Wachstum reicht von 0,8 Prozent auf 1.387 in Jossgrund bis zu 25,5 Prozent auf 6.090 in Erlensee. „Wachstum dieser Art hat drei mögliche Ursachen: Zuzüge, zum Beispiel in neue Wohngebiete, weniger Arbeitslose oder mehr junge Menschen, die in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung hinein- als Neu-Rentner, die aus ihr herauswachsen. Alle drei Faktoren sind erfreulich, weil sie die Dynamik eines Wohnorts widerspiegeln“, fasst Quidde zusammen und betont: "Gerade für kleinere Kommunen im Spessart ist es ein sehr positives Zeichen, dass sie trotz aller skeptischer Prognosen wachsen. Es ist häufig ein langsames Wachstum, aber es ist viel besser als der befürchtete Absturz. Und es ist ein schöner Erfolg für eine Politik, die sich die Bewältigung des demographischen Wandels gerade in den Randgebieten des Main-Kinzig-Kreises (MKK) vorgenommen hat."

Statistisch ebenso auffällig wie erfreulich ist das überdurchschnittliche Wachstum der schon jetzt größten Kommunen Gelnhausen (nun 9.193 sozialversicherungspflichtige Einwohner, das sind +13,9 Prozent mehr als vor sechs Jahren), Hanau (aktuell 37.254 sozialversicherungspflichtige Einwohner – ein Plus von 18,4 Prozent) oder Maintal (jetzt 16.304 sozialversicherungspflichtige Einwohner, das heißt +19 Prozent).

Dr. Gunther Quidde, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern

Dr. Gunther Quidde, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern

"Die Zahl der Einwohner im MKK ist in den vergangenen Jahren um 12,8 Prozent gestiegen. Das ist erfreulich, bleibt aber hinter den Nachbarkreisen zurück: 14,6 Prozent sind es im Landkreis Offenbach und 13,9 Prozent in der Wetterau. Besonders stark gewachsen sind in den vergangenen Zahlen die Einwohnerzahlen der Großstädte: Frankfurt wuchs um 23,1 Prozent, Offenbach sogar um 31,2 Prozent", bewertet Quidde die Entwicklung.

Deutlich mehr Arbeitsplätze im Main-Kinzig-Kreis

Noch erfreulicher und im Vergleich mit anderen noch besser schneidet der MKK bei der Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze ab. Ihre Zahl wuchs um 16,6 Prozent. Das ist praktisch genauso viel wie in Frankfurt (16,7 Prozent), etwas weniger als im Landkreis Offenbach (19,0 Prozent), aber mehr als in der Wetterau (13,0 Prozent) oder in der Stadt Offenbach (9,2 Prozent)“, hebt Quidde hervor.

Das starke Wachstum an Arbeitsplätzen ist ein kreisweites, erfreuliches Phänomen. Denn in allen Kommunen bis auf Großkrotzenburg – dort ging die Zahl um 14,4 Prozent zurück – wurde eine deutliche Steigerung erreicht. In drei Kommunen (Rodenbach: + 69,4Prozent – jetzt 2.246 Arbeitsplätze, Erlensee: +68,2 Prozent auf 7.146 Arbeitsplätze und Hammersbach +66,1 Prozent auf 985 Arbeitsplätze) wuchs die Zahl der Arbeitsplätze in nur sechs Jahren um rund zwei Drittel. „Ein großer Teil des Wachstums ist auf Neuansiedlungen von Unternehmen, sehr oft in neue Gewerbegebiete, zurück zu führen. Während die Umwandlung ehemaliger Militärflächen in Gelnhausen (+14,1 Prozent, 14.880 Arbeitsplätze) und Hanau (+6,7 Prozent , 47.544 Arbeitsplätze) in Gewerbegebiete weitgehend und sehr erfolgreich abgeschlossen ist, setzt sich der Prozess in Erlensee und Bruchköbel (+25,6 Prozent, 3.487 Arbeitsplätze) fort“, erläutert der IHK-Hauptgeschäftsführer.

Kommunen mit einem Zwei-Drittel-Plus wie Hammersbach oder Langenselbold (+43,2 Prozent , 6.097 Arbeitsplätze) zeigen zudem, dass die Kombination aus günstiger Verkehrsanbindung und weitsichtiger Schaffung von Gewerbegebieten „im pulsierenden Rhein-Main-Gebiet fast sicher zu neuen Arbeitsplätzen führt“, freut sich Quidde und hebt hervor: "Insgesamt ist es gelungen, mehr Arbeitsplätze als früher in der Fläche anzusiedeln."

Laut den vorliegenden Zahlen gab es von 2013 bis 2019 ein überdurchschnittliches Arbeitsplatz-Wachstum nicht nur in Rodenbach, Erlensee und Hammersbach, sondern auch in Hasselroth (+47,6 Prozent ), Freigericht (+45,9 Prozent ), Langenselbold, Biebergemünd (+ 36,7 Prozent ), Bruchköbel (+25,6 Prozent), Flörsbachtal (+24,4 Prozent ), Nidderau (+22,2 Prozent ), Ronneburg (+20,5%), Bad Soden-Salmünster (+20,4 Prozent), Schöneck (+ 20,2 Prozent), Jossgrund (+19,5 Prozent), Brachttal (+19,3 Prozent) und Maintal (+ 19,0 Prozent). „Dies zeigt einerseits die alte Statistiker-Weisheit, dass solider Zuwachs bei kleiner Grundgesamtheit immer erfreuliche Wachstumsraten ergibt. Die Entwicklung zeigt aber eben auch, dass der Main-Kinzig-Kreis als Ganzes für Arbeitgeber ein attraktiver Standort ist“, lobt Quidde die Politik in den Kommunen und im Kreis. "Hoffen wir, dass er es auch nach der Corona-Krise bleibt", ergänzt der Hauptgeschäftsführer. (pm) +++

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