MÜNCHEN

Exit-Strategie vorgestellt: Zweiter Lockdown zieht Bürger zur Verantwortung

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder geht mit Mund-Nasenschutz zu Fuß vom Prinz Carl Palais zur Staatskanzlei. - Foto: picture alliance/Sven Simon/dpa

Dienstag, 05.05.2020
von CHRISTIAN P. STADTFELD

Es kommen weitere Lockerungen - und damit will Deutschland einen großen Schritt zurück in die Normalität gehen. Darüber sind sich die Spitzenpolitiker weitestgehend einig, aber nicht über den Zeitplan. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) will mit den Regierungschefs aller 16 Bundesländer erst am Mittwoch über Details sprechen und Beschlüsse fassen. Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Bayern haben allerdings schon konkrete Stufenpläne - und sind damit an die Öffentlichkeit gegangen. Sie bringen jetzt Hoffnung und Perspektive für viele Branchen, vor allem den Tourismus, die Gastronomie und Hotellerie sowie den Sport. 

Es gibt allerdings auch ein Aber: Wenn die Anzahl der Corona-Erkrankungen im Zuge der Lockerungen zu schnell ansteigt, soll Deutschland wieder stillgelegt werden. Es käme wieder zum Shutdown.

BILD erfuhr aus einer vertraulichen Telefon-Schalte, dass Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) mit den Chefs der Staatskanzleien aller Bundesländer folgende Kriterien forderte: Wenn ein Landkreis innerhalb von sieben Tagen mehr als 35 Neu-Infektionen auf 100.000 Einwohner zu verzeichnen hat, die nicht an einem Ort (z.B. in einem Altenheim) auftreten, muss der Landkreis zu den Beschränkungen zurückkehren, die am 20. April in Kraft waren.

Das wiederum heißt: Alles, was nach dem 20. April wieder eröffnet hat – Schulen, Friseursalons, Teile des Einzelhandels und andere Einrichtungen – müsste wieder schließen. Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen würden wieder in Kraft treten.

Bayern mit konkreter Exit-Strategie

Am Dienstag zeigte sich Markus Söder (CSU) in München erneut als Krisenmanager. "Heute ist Zeit zum Handeln", sagt er auf einer Pressekonferenz in der Staatskanzlei. "Der bayerische Weg war richtig - und entscheidend sind nur die Zahlen." Er prescht erneut vor und hat die konkrete Exit-Strategie für den Freistaat schon am Dienstag offiziell vorgestellt: "Mehr Freiheit, mehr Verantwortung für den Einzelnen." So fasst Bayerns Ministerpräsident seinen Corona-Fahrplan zusammen und sagt: "Corona ist jetzt unter Kontrolle, dennoch gehen wir den Weg mit Maß und Mitte - sind vorsichtig und umsichtig." Schutz der Gesundheit stehe nach wie vor an oberster Stelle.

Konkret heißt das: Aus der Ausgangsbeschränkung wird am Mittwoch (06. Mai) eine Kontaktbeschränkung. 1,5 Meter Abstand und Distanzgebot bleiben aber. In Bayern dürfen ab Samstag Alten- und Pflegeheime wieder Besuch empfangen. Bestimmte Sportarten sind ab Montag wieder erlaubt. Dazu zählen etwa Tennis, Leichtathletik, Golf und Segeln. Weiterhin gilt: Alle Geschäfte dürfen ab Montag ebenfalls wieder öffnen. Die bisherige Beschränkung auf eine Verkaufsfläche von maximal 800 Quadratmetern entfällt. Ab 18. Mai öffnen Außenbereiche von Gaststätten, am 25. Mai dann Speiselokale, ab 30. Mai Hotels.

"Wir lockern, aber später als andere Bundesländer und mit einer Verzögerung von 14 Tagen", so Söder, der betont: "Mit dem Coronavirus müssen wir leben. Unsere Lebensfreude wollen wir aber nicht verlieren und deshalb gehen wir diesen Weg in Richtung Normalität." (Christian P. Stadtfeld) +++

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