GELNHAUSEN

Kinoabend wieder möglich: Familie Schneevogl präsentiert Oscar-Woche

Ab Donnerstag startet die Oscar-Woche im Kino Gelnhausen. - Fotos: Joana Gibbe


Donnerstag, 21.05.2020
von JOANA GIBBE

Fernab von „Normalität“ leben wir seit Wochen mit Schutzmaßnahmen und Beschränkungen aufgrund des Corona-Virus. Nach und nach dürfen wir uns nun über immer mehr Lockerungen – stets unter Einhaltung der geltenden Schutzmaßnahmen – freuen. Seit dem neunten Mai ist auch ein gemütlicher Kinoabend wieder drin. Als einziges Kino im Main-Kinzig-Kreis und eines von zwei Kinos in ganz Hessen öffnete an diesem Stichtag auch das Kino Gelnhausen.

„Ich dachte, dass wir einer der letzten sind, die wieder aufmachen können“, erklärt Kinobetreiber Stephan Schneevogl. Umso mehr freut sich der 44-Jährige aber darüber, wieder arbeiten und Besucher empfangen zu können. Doch auch im Kino herrscht Ausnahmezustand. Statt 280 Plätze im Saal besetzen zu können, sei gerade mal ein Drittel der Auslastung möglich. So müssen zwischen allen Besuchern, die nicht zusammengehören, mindestens zwei Plätze nach rechts, links, vorne und hinten freigehalten werden, um den Mindestabstand zu gewährleisten. „Das ist eigentlich jenseits jeglicher Wirtschaftlichkeit und dient eher dazu, ein Zeichen zu setzen, dass wir wieder geöffnet haben“, erklärt Schneevogl. 

Trotz geltender Schutzmaßnahmen und Beschränkungen freut sich Kinobetreiber Stephan Schneevogl über die Wiedereröffnung.
Trotz geltender Schutzmaßnahmen und Beschränkungen freut sich Kinobetreiber Stephan Schneevogl über die Wiedereröffnung.
Oscar macht es vor - bis zum Sitzplatz im Kinosaal muss der Mund-Nasen-Schutz getragen werden.
Oscar macht es vor - bis zum Sitzplatz im Kinosaal muss der Mund-Nasen-Schutz getragen werden.
Alle Besucher müssen sich in die Liste eintragen.
Alle Besucher müssen sich in die Liste eintragen.

Zwischen Schutzmaßnahmen und fehlendem Filmmaterial

Und neben dem Mindestabstand gilt auch im Kino eine Maskenpflicht – zumindest, bis die Zuschauer auf ihren Plätzen sitzen. Des Weiteren müssen die Besucher ihre Anschriften hinterlassen. Und wie schon aus dem Einzelhandel bekannt, sorgen Plexiglasscheiben, Piktogramme und Hygieneregeln für die Einhaltung der Maßnahmen. Trotz allem sind „die Besucher aber total glücklich und dankbar, dass wir wieder aufhaben“.

Für den Kinobetreiber, der das Pali und das Casino in vierter Generation führt, ist es eine Freude, den Besuchern „einen schönen Abend bescheren“ zu können. „Wir sind froh, dass wir kein Fixkosten-Minus verzeichnen und wenn wir auf null rausgehen, hat sich der Einsatz schon gelohnt“, erklärt Schneevogl. Noch seien die Besucherzahlen allerdings eher verhalten.

Mittlerweile sind Plexiglasscheiben ja nichts Neues mehr.
Mittlerweile sind Plexiglasscheiben ja nichts Neues mehr.

„Für die Kinolandschaft in Deutschland wäre daher ein deutschlandweiter Wiedereröffnungstermin interessant, damit die Verleiher auch wissen, ab Tag X sind alle Leinwände wieder da. Denn solange das nicht gegeben ist, werden die Verleiher einen Teufel tun und ihre starken Filme auf den Markt werfen, der nur zehn Prozent offen ist“, erklärt der 44-Jährige. Die Unterstützung seitens der Filmindustrie in Form von neuem Filmmaterial fehle bisher. „Ich kann nur auf den Pool an Filmen zurückgreifen, den es vor dem Lockdown gab.“

Oscar-Einzug auf der Leinwand

Mit verschiedenen Specials möchte der Kinobetreiber nun trotzdem vor die Leinwand locken. Ab Donnerstag erhalten für eine Woche zunächst die diesjährigen Oscar-Gewinner Einzug ins Kino. Während mittags Kinderfilme laufen, gehört die Leinwand am Abend den Oscar-Preisträgern. Auch der mit sechs Oscars ausgezeichnete Film "Forrest Gump" feiert am Sonntag ein Comeback im Kinosaal. Nach der Oscar-Woche sollen auch weitere Specials, wie eine Musik-Woche oder möglicherweise eine Fantasy-Woche, für ein abwechslungsreiches Programm sorgen. 

Keine einfache Zeit, die Kreativität, Flexibilität und jeder Menge Unterstützung bedarf. Und während Familie Schneevogl auch während der Schließung kreativ wurde und zum Beispiel einen kleinen Trickfilm bastelte, fehlte auch die Unterstützung seitens der Besucher nicht. Mit jeder Menge Zuspruch und Geister-Tickets, sozusagen „fiktiven Unterstützer-Tickets“, zeugten die Kinoliebhaber Anteilnahme und Beistand. „Das hat uns schon sehr viel gegeben, auch zu merken, dass wir eine Einrichtung in der Stadt sind, die eine Lücke hinterlässt“, erklärt der Kinobetreiber.

Umso schöner sei es nun, die „kleine Kinofamilie“ wieder begrüßen zu dürfen - von der Notwendigkeit mal ganz abgesehen. Denn der Lockdown kam auch für die Kinoindustrie zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt, als sich Feiertage und Ferien aneinanderreihten. „Das wäre die Zeit gewesen, in der wir uns sozusagen Speck anfressen für das Sommerloch, auf das wir gerade zusteuern“. "Es wird also nicht einfacher", betont der Kinobetreiber abschließend. +++

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