HANAU

Level-I-Haus Klinikum Hanau stellt Jahresbilanz 2019 vor

Das Klinikum Hanau stellte seine Jahresbilanz 2019 vor - Symbolbild Jonas Wenzel (YOWE)

Sonntag, 28.06.2020

Das Klinikum Hanau blickt 2019 auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Mit einem Jahresergebnis von 3,105 Millionen Euro liegt das wirtschaftliche Ergebnis 2,069 Millionen Euro über dem des Vorjahres und 1,943 Millionen Euro über dem des Wirtschaftsplans. Der deutliche Ergebnissprung gegenüber dem Vorjahr und dem Plan resultiert dabei im Wesentlichen auch aus dem Einmaleffekt einer Rückstellungsauflösung in Folge der Klärung und Rückabwicklung der Umsatzsteuer für die Herstellung und Abgabe von Zytostatikazubereitungen.

"Mein großer Dank geht auch dieses Jahr wieder an alle, die mit ihrem Einsatz zu diesem Ergebnis beigetragen haben. Es zeigt, dass das Klinikum als kommunales Haus trotz schwieriger Bedingungen gut aufgestellt ist und zuversichtlich in die Zukunft blicken kann", freut sich Oberbürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender Claus Kaminsky. Insbesondere die Positionierung als Level-I-Haus im Versorgungsgebiet 4 Frankfurt-Offenbach in der aktuellen Covid-19-Pandemie durch das Hessische Ministerium für Soziales und Integration, verdeutliche die Schlüsselrolle des Klinikums in der Gesundheitsversorgung der Region, so Kaminsky. Die Krise habe gezeigt, dass ein zukunftsfähiges Krankenhaus mit optimaler medizinischer wie personeller Ausstattung essentiell für die Menschen in und um Hanau sei.

Allgemeines

"Das Gesundheitswesen und der Krankenhausmarkt sind weiterhin von tiefgreifenden Veränderungen geprägt. Die aktuell das gesamte Gesundheitswesen beherrschende Corona-Pandemie wird daran grundsätzlich nichts ändern, allenfalls für eine Verzögerung sorgen", sagt Volkmar Bölke, Geschäftsführer des Klinikums.

Mit dem Pflegepersonalstärkungsgesetz, der dort vorgenommenen Ausgliederung der Pflegepersonalkosten aus den DRGs, der Einführung von Personaluntergrenzen in der stationären Pflege, der angestrebten Neuordnung der Notfallversorgung und etlichen anderen angekündigten Gesetzen und Verordnungen, ist ein nachhaltiger Konzentrationsprozess eingeleitet. Neben der Veränderungstiefe hat das geforderte Umsetzungstempo bereits zu etlichen Klinikinsolvenzen geführt. Studien zufolge schreibt mehr als ein Drittel der deutschen Krankenhäuser rote Zahlen. Die scheinbar so gewollte Bereinigung des Marktes um vermeintliche regionale Überkapazitäten, hat bisher weder zu einer ausreichenden Lösung des Fachkräftemangels noch zu einer merklich verbesserten Investitionsförderung der Länder geführt. Der angestoßene Digitalisierungsschub ist mehr als notwendig, löst aber einen erhöhten Investitionsbedarf aus und macht wirtschaftlichen Erfolg in den nächsten Jahren umso wichtiger. Forderungen nach einer Erneuerung des Krankenhausfinanzierungssystems werden immer lauter. Im Zuge der gewollten Ambulantisierung könnten sektorenübergreifende Vergütungsmodelle die Grundlage regionaler Versorgungskonzepte sein.

Leistungsentwicklung

Mit einem Gesamterlös von 180,4 Mio. Euro lag dieser 7,2 Prozent über dem von 2018, als eine der wichtigsten betriebswirtschaftlichen Kennzahlen lag das EBITDA, also der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, bei 6,211 Mio. Euro und damit 689 Tsd. Euro über dem des Vorjahres.

Die Zahl der im Jahr 2019 stationär behandelten Patienten (somatisch und psychiatrisch) betrug rund 34.100. Die Auslastung lag wiederum bei zirka 80%. Der Schweregrad der somatisch versorgten Patienten lag mit 0,923 leicht unter dem des Vorjahres (0,936), sodass die Zahl der erreichten Relativgewichte (CM Punkte) mit 30.550 etwas unter dem Vorjahr lag (30.646). Gleichzeitig stiegen die Erlöse aus ambulanten Leistungen (ambulante spezialärztliche Versorgung) deutlich. Die Zahl der behandelten Patienten in der Zentralen Notaufnahme (ZNA) war wiederholt rückläufig und folgt damit dem angestrebten Ziel nur Patienten zu versorgen, deren Erstversorgung tatsächlich einer Klinikambulanz bedarf. Im Jahr 2019 wurden 33.775 Patienten (2018: 35.700) in der ZNA erstversorgt, zirka 14.400 davon mussten stationär aufgenommen werden. Patienten die fälschlicherweise eigenständig die ZNA aufgesucht hatten, konnten an die dafür zuständigen niedergelassenen Ärzte verwiesen werden. Die wichtige räumliche Verlegung des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes direkt vor die ZNA trägt wesentlich zu dieser langsamen, aber stetigen Verbesserung bei.

Die zunehmende Spezialisierung der Medizin wurde auch 2019 am Klinikum weiter vorangetrieben. Einer der wesentlichen Meilensteine hier war die Gewinnung von Dr. med. Guido Groschup als Chefarzt der neu gegründeten Klinik für Rhythmologie, die am 1. Januar 2020 ihre Arbeit aufgenommen hat. Als Spezialgebiet der Kardiologie ist die neue Klinik auf die Diagnose und Behandlung von Herzrhythmusstörungen fokussiert. „Ich freue mich sehr, dass wir Herrn Dr. Groschup für uns gewinnen konnten und sehe in der Klinik für Rhythmologie einen großartigen Mehrwert für die Hanauer Bürger und Bürgerinnen und die Menschen der Region“, so Klinikgeschäftsführer Volkmar Bölke.

Zu den bisher neun zertifizierten Zentren kamen 2019 außerdem die Zertifizierung als MS-Zentrum durch die Deutsche MS-Gesellschaft und die Zertifizierung als Tumorzentrum durch die Deutsche Krebsgesellschaft hinzu. Als einzige Klinik im Main-Kinzig-Kreis mit dieser Auszeichnung untermauert das Haus seinen onkologischen Schwerpunkt und bietet 400.000 Einwohnern im direkten Einzugsgebiet eine wohnortnahe Tumortherapie auf hohem Niveau. Die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie hat das Klinikum außerdem vom lokalen zum regionalen Traumazentrum hochgestuft, und auch die Schlaganfallstation stieg von der regionalen zur überregionalen Stroke Unit auf. Die AOK zeichnete außerdem die Klinik für Kardiologie, Angiologie, Pneumologie, Nephrologie und internistische Intensivmedizin sowie die Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie jeweils mit den drei Lebensbäumchen des Krankenhausnavigators aus und attestierte beiden Kliniken damit eine besonders gute Behandlungsqualität.

Kostenentwicklung, Investitionen und Bau

Nicht nur das seit 01. Januar 2019 geltende Pflegepersonalstärkungsgesetz (PpSG) wirkt sich entscheidend auf die Finanzierung deutscher Krankenhäuser aus. Die geplante Neuregelung der Pflegefinanzierung, die jetzt getrennt von den DRG-Erlösen erfolgen soll und in individuellen Pflegebudgets für jedes Krankenhaus verhandelt wird, betrifft gut 20 % der Krankenhauserlöse und macht eine langfristige Wirtschaftsplanung für viele Kliniken schwer. Außerdem gilt seit 2019 die Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung, die für pflegesensitive Fachbereiche schichtbezogene Mindestbesetzungen vorschreibt und bei Nichterfüllung Finanzierungsabschläge nach sich zieht.

Am Klinikum konnten die durchschnittlichen monatlichen Untergrenzen in 2019 glücklicherweise zu 100% eingehalten werden und auch Bettenschließungen waren größtenteils nicht notwendig. Zum Stichtag, dem 31.12.2019 waren am Klinikum 1.299 Vollkräfte beschäftigt, das sind 39 mehr als im Vorjahr (1260 VK). Die Personalkosten beliefen sich im vergangenen Jahr auf 104,7 Mio. Euro (2018: 99 Mio. Euro). Wie die meisten Häuser kam auch das Klinikum 2019 nicht ohne den Einsatz von Leihkräften aus, setzte aber, um dem Personalmangel entgegenzuwirken, verstärkt auf eigene Personalmarketingkampagnen on- und offline sowie die Akquise von Fachkräften aus dem Ausland (u.a. Rumänien, Serbien und Asien). Ein weiterer wesentlicher Bestandteil der Personalpolitik am Klinikum ist die Ausbildung und anschließende Weiterbeschäftigung von jungen Pflegefachkräften. Im vergangenen Jahr wurden die Ausbildungsplätze von 135 auf 145 aufgestockt und konnten auch zu 85% besetzt werden.

Im vergangenen Jahr wurden, neben den Kosten für die Instandhaltung in Höhe von 6,2 Mio Euro (2018: 5,9 Mio. Euro), zirka 8,1 Mio. Euro in Bau, Ausstattung, Sanierung, Medizingeräte und Informationstechnologie investiert. Unter dem Motto „Mehr Raum für Ihre Gesundheit“ schreitet die Modernisierung des Klinikstandorts mit der Sanierung der Stationen H6-H11 weiter voran, zwei Stationen wurden bereits fertiggestellt, bis 2021 sollen alle sechs Stationen umgebaut sein. Um auch gerätetechnisch auf dem neuesten Stand zu bleiben, wurde 2019 ein neues 1,5T MRT für 1,4 Mio. Euro angeschafft sowie die Anschaffung von zwei neuen Linearbeschleunigern für die Strahlentherapie mit einer europaweiten Ausschreibung in die Wege geleitet.

Ausblick

Durch die neuen Regularien für den deutschen Krankenhausmarkt, wird dieser in den kommenden Jahren strukturelle Veränderungen erfahren. Die abgestufte Notfallversorgung stellt dabei ein wichtiges Sortierungskriterium dar, dessen Umsetzung eine der größeren Herausforderungen für Krankenhäuser im kommenden Jahr sein wird. Mit Inkrafttreten des PpSG bleibt der Konkurrenzkampf um das knappe Pflegepersonal auch mittelfristig das Nadelöhr auf dem Weg zum qualitativen und wirtschaftlichen Erfolg.

Im Zentrum der künftigen Investitionen steht für das Klinikum Hanau weiterhin die Modernisierung des Klinikstandortes, um als Maximalversorger sowohl medizinisch als auch pflegerisch und baulich auf aktuellstem Stand zu bleiben. Dabei steht das Patientenwohl im Vordergrund, aber auch die Positionierung als attraktiver Arbeitgeber für qualifiziertes Fachpersonal rückt immer mehr in den Mittelpunkt. Um die notwenigen Investitionen tätigen zu können, ist auch in den kommenden Jahren ein wirtschaftlich positives Ergebnis unerlässlich. Das Klinikum stellt sich dieser Herausforderung und will auch weiterhin ein unverzichtbarer Partner für die Gesundheitsversorgung der Menschen in Hanau und in der Region bleiben. (pm) +++

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