AFRIKA/ GELNHAUSEN

"Wir helfen in Afrika": 18.750 Kilogramm Lebensmittel für Bedürftige

Fotos: Verein


Dienstag, 30.06.2020

Seit März befindet sich ganz Kenia wegen der Corona-Pandemie im Lockdown. Schulen sind geschlossen, die Menschen dürfen nicht zwischen den 37 Distrikten des Landes reisen, die allermeisten Arbeitsplätze des vorherrschenden informellen Sektors sind vernichtet. Das bedeutet auch für die Menschen in und um Maba Village, dem Projektgebiet des Gelnhäuser Vereins „Wir helfen in Afrika“: Kein Einkommen, kein Geld, keine Lebensmittel.

Darum hat der Verein seine Aktivitäten auf akute Nothilfe umgestellt. Vergangenes Wochenende ließ „Wir helfen in Afrika“ 18.750 Kilogramm Lebensmittel an die hungernden und in großer Not lebenden Familien im Projektgebiet verteilen. Somit summiert sich die Soforthilfe seit dem Ausbruch der Pandemie auf rund 57 Tonnen Überlebenshilfe.

In diesem Volumen sind auch Lebensmittel enthalten, die die Schwestern der Kranken-station in Lunga Lunga an ihre Patienten ausgegeben. Jeder Patient erhält dort zwei Kilogramm Maismehl und ein Kilo Reis. „Für die Lebensmittel bezahlen wir im Durchschnitt einen Euro pro Kilo“, berichtet Vorsitzender Helmut Günther. Grundlage der Finanzierung sind Spenden aus dem Freundeskreis des Vereins, darunter eine große Zahl Leserinnen und Lesern der GNZ, des Boten und weiterer Tageszeitungen in den angrenzenden Landkreisen.

Natürlich helfen auch in Kenia Mund- und Nasenmasken, die Verbreitung des Virus‘ zu verlangsamen. Inzwischen hat der Verein etwa 6000 Schutzmasken an der Krankenstationen verteilt. Schneiderinnen in Ukunda haben sie genäht. „Pro Maske bezahlen wir 90 Cent“, so Günther. „Die Frauen erhalten Arbeit und Lohn und somit die Grundlage, ihre Familie zu ernähren. Und die Patienten erhalten den notwendigen Schutz.“

Überlebenswichtige Lebensmittelpakete


Um zu zeigen, welche Ausmaße die aktuelle Situation auf die Menschen hat, erzählt Günther von Christopher Matheka. Er kümmert sich in Ukunda, einem Vorort Mombasas, um seine fünf Enkelkinder. Eigentlich lebt er vom Verkauf von Schnitzereien an Touristen. Bereits vor vier Wochen hat die Familie ein Lebensmittelpaket erhalten, aber es war nach gut zwei Wochen aufgebraucht. Händeringend versucht Christoph Matheka nun, die Familie zu versorgen. Als Peter Musomba von „Wir helfen in Afrika“ die Familie vor wenigen Tagen besuchte, gab es gekochten Mais miserabelster Qualität. Die Körner waren vom sogenannten Rüsselkäfer befallen, teilweise angefault. Der Mais war knochenhart, für die Kinder nicht zu genießen. Der Magen kann das Essen nicht verarbeiten“, so Günther. Die Folge: Die sogenannten Wasser- oder Hungerbäuche. „Ich muss sagen, wie es ist: Die Familie lebte von Abfall, auch wenn das für uns Europäer auf dem Teller nicht erkennbar ist.“

Am vergangenen Wochenende erhielt die Familie deshalb erneut eines der überlebenswichtigen Lebensmittelpakete. Bis zum 2. September sind in Kenia Schulen und Universitäten geschlossen. Erst dann wird entschieden, wie es weitergehen kann und soll. Derzeit dürfen sich Menschen nur innerhalb ihres Distrikts bewegen. Die Schutzmaßnahmen und Regeln werden sehr streng geprüft und bei Nichteinhaltung hart bestraft. Es gibt keinen Tourismus, keinen Handel und somit kein Einkommen. Die Not wird größer und größer. „Vom Staat gibt es keine erkennbaren Hilfen“, sagt Helmut Günther. Wer Hilfe leiste sei Peter Musomba und seine Frau Stephanie. Die Mitglieder und Helfer des Gelnhäuser Vereins leisteten seit Monaten eine unglaubliche gute und wichtige Arbeit.

„Wir Verantwortliche im Verein betrachten es als unsere Pflicht, das Projekt fortzuführen“, so Helmut Günther. „Es ist für uns wie ein Marathonlauf. Wir wissen, dass auf der zweiten Strecke vielen Läufern die Luft ausgeht. Dies wollen wir in unserem Projekt natürlich verhindern. Der Verein sehe sein einziges Argument darin, zu schildern, zu berichten und anhand von Bildern und Beispielen zu zeigen, dass es sich lohnt, Menschen in diesem Kampf ums Überleben zur Seite zu stehen.

„Unsere nächste Lebensmittelaktion ist für den 17. und 18. Juli geplant. Ein großes Lebensmittelpaket mit dem inzwischen bekannten Inhalt kostet 40 Euro. Lassen Sie uns gemeinsam die Ärmel hochkrempeln und tief durchatmen, damit uns in dieser weltweiten Pandemie nicht die Luft ausgeht. Wir schaffen das!“ (pm) +++

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