OFFENBACH

Alarm in Hessen: Offenbach überschreitet Corona-Schwelle

Symbolbild: Pixabay


Samstag, 01.08.2020
von pm

Als erste Stadt in Hessen hat Offenbach die Schwelle von 20 Coronavirus-Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in sieben Tagen überschritten. Dies berichtet der Hessische Rundfunk (HR). "Vor allem Reiserückkehrer brachten das Virus mit. Die Stadt reagiert mit strengeren Regeln bei Sportveranstaltungen und in der Gastronomie."

Und weiter: "Die Zahl der Corona-Infektionen ist in der Stadt Offenbach in den vergangenen sieben Tagen wieder deutlich stärker angestiegen. Wie das Robert-Koch-Institut am Freitag mitteilte, wurden in der Stadt 21,6 Fälle pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche registriert. Damit erreicht zum ersten Mal einer der hessischen Kreise und kreisfreien Städte die zweite Warnstufe zur Eindämmung der Pandemie in Hessen.

Grund für das Überschreiten der Schwelle sind nach Angaben der Stadt insbesondere Rückkehrer aus Risikogebieten, die sich im Urlaub mit dem Coronavirus angesteckt haben. Außerdem gebe es einen zweiten Ausbruchsherd, eine Busreise zur Besichtigung einer Käsefabrik in den Niederlanden. Daneben gebe es zunehmend Fälle, in denen der Ursprung der Ansteckung unbekannt sei, sagte Gesundheitsdezernentin Sabine Groß (Grüne)", so der HR abschließend. 

Die Maßnahmen 

„Als neue Maßnahme haben wir verabredet, dass auch Ordnungsamt und Polizei das Gesundheitsamt in den nächsten 14 Tagen bei der Ermittlung unterstützen werden, wenn mit den Angaben der Infizierten nicht nachvollzogen werden kann, wo diese sich angesteckt haben“, teilte Ordnungsdezernent Peter Freier nach der Stabssitzung am Freitagabend mit.

Außerdem wurden zahlreiche weitere Maßnahmen vereinbart, die zunächst für die kommenden 14 Tage gelten: Bei Sportveranstaltungen in geschlossenen Räumen sind in Offenbach ab sofort keine Zuschauer mehr zugelassen. „Außerdem wird in Offenbach eine Lockerung, die eigentlich zum 1. August hessenweit gilt, für die nächsten 14 Tage noch nicht umgesetzt: Bildungsangebote außerhalb geschlossener Räume, zum Beispiel von der Volkshochschule, sind weiterhin nur mit 1,5 Metern Abstand und mit einer maximalen Gruppengröße von 15 Personen zulässig“, teilte Bildungsdezernent Paul-Gerhard Weiß mit. „Wir werden auch die Teilnehmer von Deutsch- und Integrationskursen gezielt informieren“.

Weitere Maßnahmen betreffen die Maskenpflicht: In den Innenräumen der Gastronomie muss ein Mund-Nasen-Schutz nun wieder immer dann getragen werden, wenn die Gäste nicht an ihrem Tisch sitzen, also zum Beispiel beim Betreten der Gaststätte oder auf dem Weg zur Toilette. Grundsätzlich wird bei Verstößen gegen die Maskenpflicht jetzt bereits beim ersten Mal ein Verwarngeld von 50 Euro erhoben. „Alle unsere Maßnahmen zielen insbesondere auf die Ansteckungsgefahr in geschlossenen Räumen. Masken sind dabei nach bisherigem Erkenntnisstand die wirkungsvollste und zugleich einfachste Maßnahme, uns zu schützen. Jeder weiß inzwischen, wo er eine Maske tragen muss. Deshalb verzichten wir ab sofort auf eine mündliche Ermahnung“, so Schwenke.

In der Gastronomie wird die Stadt das Führen und Ausfüllen der Gästelisten in der nächsten Zeit verstärkt kontrollieren. „Die Stadt Offenbach hat auf ihrer Homepage als Service ein Musterformular für Gastronomen zum Download bereit gestellt“, so Schwenke. „Wer das nutzt, macht alles richtig. Falls wir Infektionsfälle haben, die auch Gäste oder Mitarbeiter von Restaurants betreffen, ist es außerordentlich wichtig, die Kontaktpersonen schnell nachvollziehen zu können. Deshalb werden wir hierauf stärker achten.“ Ordnungsdezernent Freier weist darauf hin, dass die Gästelisten laut der Verordnung, die ab 1. August gilt, zukünftig nur noch ausschließlich zur Nachverfolgung von Infektionsketten genutzt werden dürfen. Das Land hat damit auf die Kritik der Nutzung durch die Polizei reagiert.

Verwaltungsintern geht die Stadt mit gutem Vorbild voran: In den kommenden 14 Tagen werden weder Dienstreisen noch Betriebsausflüge stattfinden. Interne Sitzungen werden wieder auf maximal 10 Teilnehmer begrenzt, größere Sitzungen finden virtuell statt. Außerdem werden die Mitarbeiter aufgefordert, die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten, wieder häufiger zu nutzen.

Zusätzliche Maßnahmen

Zusätzlich kommt wieder eine Arbeitsgruppe aus den Krankenhäusern, der Feuerwehr, der Kassenärztlichen Vereinigung und den Rettungsdiensten regelmäßig zusammen, um die Versorgung kranker Menschen zu überwachen und mögliche Engpässe frühzeitig zu erkennen.

„Die jetzt getroffenen Maßnahmen für Offenbach schaden wirtschaftlich niemandem, deshalb ergreifen wir sie lieber sofort als zu spät. Es ist wichtig, dass die Bevölkerung die Verschärfung der Lage frühzeitig versteht. Wenn dies gelingt, können wir einen neuen Lock-Down vermeiden. Diesem Ziel dient ab sofort alle Kraft“, so Schwenke. Stadträtin Groß machte ebenfalls deutlich: „Auch wenn es schwerfällt: Nur Abstand zu anderen Menschen in jeder Lebenslage kann helfen, dem Virus wenig Chancen zu bieten. Wer jetzt nachlässig wird, riskiert einen größeren neuen Ausbruch und damit auch wieder notwendige Maßnahmen, die uns in unseren Freiheiten einschränken und der Wirtschaft schaden.“

Die Mehrzahl der weltweiten Reiseziele sind noch Risikogebiete. Die Rückkehr aus einem Risikogebiet ist meldepflichtig – dazu stellt das Gesundheitsamt ein Online-Formular in mehreren Sprachen zur Verfügung. Unter www.offenbach.de/return kann für jeden Reisenden alle Eingaben gemacht werden. Mit der Einreise ist eine Quarantäne für 14 Tage verpflichtend. Diese kann vorzeitig nur durch das Stadtgesundheitsamt aufgehoben werden, wenn ein ärztliches Attest mit negativem Ergebnis eines zugelassenem Covid19-Tests vorgelegt wird. Die Quarantäne beinhaltet, dass keine Kontakte zu anderen Menschen erlaubt sind – auch im eigenen Haushalt sollte zum Schutz von Verwandten und Mitbewohnern auf Abstand, gutes Lüften und Händewaschen geachtet werden. +++

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