GELNHAUSEN / SCHLÜCHTERN

Klinikalltag in Zeiten von Corona: "Das belastet unsere Mitarbeiter"

Die steigenden Infektionszahlen sorgen auch für eine deutliche Mehrbelastung in den Krankenhäusern. - Fotos: Main-Kinzig-Kliniken


Donnerstag, 19.11.2020
von JOANA SCHNEIDER

Die steigenden Infektionszahlen der letzten Wochen bringen nicht nur zusätzliche Maßnahmen und Beschränkungen mit sich, sondern führen auch zu erhöhter Belastung in den Kliniken. Immer mehr Corona-Infizierte kommen zum sowieso schon stressigen Krankenhausalltag hinzu und neben den Patienten selbst, werden auch die Mitarbeiter der Krankenhäuser auf eine physische sowie psychische Zerreißprobe gestellt. KINZIG.NEWS hat mit Dieter Bartsch, Geschäftsführer der Main-Kinzig-Kliniken, über die aktuelle Lage gesprochen.

Wie sehen die derzeitigen Corona-Bestimmungen in den Main-Kinzig-Kliniken aus?

In dieser herausfordernden Zeit ist für uns die Sicherheit unserer Patienten und Mitarbeiter höchstes Gebot. So setzen wir zwar beispielsweise alles daran, Besuche für unsere Patienten zu ermöglichen, doch leider ist das nicht uneingeschränkt möglich. In Gelnhausen dürfen unsere Patienten aktuell einmal pro Woche von einer festen Bezugsperson, die sich über die Dauer des Aufenthaltes nicht ändern darf, besucht werden. Dabei ist die Besuchszeit auf eine Stunde beschränkt. An unserem Standort in Schlüchtern können Patienten momentan keine Besucher empfangen. Hier sind Besuche also nur in absoluten Ausnahmefällen nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt möglich.

Wir prüfen täglich, ob die allgemeine Entwicklung der Pandemie weitere Anpassungen erforderlich machen. Weitere Hinweise sowie die aktuell gültigen Regeln können auf unserer Website (www.mkkliniken.de) eingesehen werden.

Darüber hinaus gelten selbstverständlich die gängigen Hygieneregeln: Abstand halten, Tragen eines medizinischen Mund-Nasen-Schutzes, Hände desinfizieren, Einhalten der Hust- und Niesetikette. Am Eingang wird jede Person, die unsere Kliniken betritt, einem kurzen Gesundheitsscreening unterzogen. Dafür müssen Fragen beantwortet werden und es wird die Körpertemperatur gemessen.

Die Vorgaben für unsere Mitarbeiter passen wir kontinuierlich den aktuellen Entwicklungen an.

Das Klinikum Gelnhausen der Main-Kinzig-Kliniken.
Das Klinikum Gelnhausen der Main-Kinzig-Kliniken.

Wie ist die aktuelle Lage bezüglich freier Betten, besonders auch auf der Intensivstation?

Momentan behandeln wir in Gelnhausen 33 Covid-Patienten auf der Normalstation und sechs Patienten mit einer Coronavirus-Infektion auf der Intensivstation. In Schlüchtern sind es aktuell neun Covid-Patienten. (Stand 17.11., 9:00 Uhr)

Grundsätzlich haben wir keine freien Betten-Kapazitäten, sondern arbeiten nach einem Stufenkonzept, das bei höherem Bedarf eine angepasste Patientenversorgung ermöglicht. Bis heute mussten wir nicht alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten nutzen, sind aber in der Lage, diese jederzeit zu aktivieren. So können wir z. B. in Gelnhausen die vorhandenen 15 Beatmungsplätze schrittweise auf 33 Plätze erweitern.

Seit Monaten arbeiten die Mitarbeiter unter besonderen Bedingungen, nun steigen die Infektionszahlen in den letzten Wochen - wie geht es den Mitarbeitern mit der Situation?

Vor uns liegen anstrengende Monate – dessen sind wir uns bewusst und haben dies auch erwartet. Zusätzlich zu den Herausforderungen normaler Wintermonate, in denen die Infektionszahlen naturgemäß steigen, haben wir die Auswirkungen der Pandemie zu bewältigen. Darüber hinaus gibt es viele weitere Patienten, die nicht von Corona betroffen sind und die sich uns anvertrauen – auch für sie wollen wir eine sichere und qualitativ hochwertige Versorgung sicherstellen. Dass all dies gut gelingt, dafür sorgen in Gelnhausen und Schlüchtern hervorragende Mitarbeiter. Uns alle eint der Anspruch, die an uns gestellten Erwartungen gut zu erfüllen. Wir setzen alles daran, die kommende Zeit im Team und mit gegenseitiger Unterstützung gut zu meistern.

Wie belastend ist die Pandemie für das Krankenhauspersonal – körperlich, aber auch emotional? Welche erschwerten Bedingungen spiegeln sich täglich wider?

Das Arbeiten in den Covid-Bereichen ist für unsere Mitarbeiter, ärztlich wie pflegerisch, eine enorme körperliche Belastung. Schon allein das Anlegen und Tragen der persönlichen Schutzausrüstung ist sehr beschwerlich. Hinzu kommt noch, dass die Versorgung der Patienten bei einer Covid-Erkrankung alles andere als Routine ist und unter Umständen auch sehr viel Zeit beansprucht.

Neben der Kernaufgabe – die Behandlung der körperlichen Symptome – spielen zusätzlich bei Corona-Patienten auch Ängste und Sorgen eine große Rolle. Sowohl für die isolierten Patienten als auch deren Angehörige sind die Mitarbeiter auf Station die ersten Ansprechpartner. Für diese Gespräche braucht man Ruhe, Zeit und Kraft. Jedoch steht all das den Ärzten und Pflegekräften in der aktuellen Situation nicht immer zur Verfügung. Das belastet unsere Mitarbeiter emotional.

Und letztlich ist auch die Tatsache, dass alle, die in die Versorgung von Covid-Patienten eingebunden sind, trotz der persönlichen Schutzausrüstung einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt sind, ebenfalls eine emotionale Herausforderung.

Ich habe höchsten Respekt davor, was unsere Ärzte und Pflegekräfte aktuell täglich leisten.

Wie bereitet sich die Klinik auf weitere Fälle vor, worauf kommt es jetzt besonders an?

Ein großes Augenmerk gilt unseren Mitarbeitern – denn eine große Herausforderung besteht darin, in Zeiten, in denen die Patientenzahlen so rasant steigen, personell einsatzfähig zu bleiben. Dies gilt nicht nur für die Intensivstation, sondern auch für die Normalstationen. Denn auch hier müssen stark zunehmend positiv getestete Patienten sowie zahlreiche Verdachtsfälle versorgt werden. Durch mittel- und kurzfristige Umstrukturierungen, aber auch notwendige Sofortmaßnahmen tun wir alles in unserer Macht Stehende, um die Situation auf den Stationen zu stemmen. Dies kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir unseren Mitarbeitern – mehr als je zuvor – ein unglaubliches Maß an Engagement und Flexibilität abverlangen. Hier gilt es die Balance zu wahren, um auch unserer Verantwortung für die Gesundheit unserer Mitarbeiter gerecht zu werden. Die angespannte Lage in den deutschen Kliniken macht deutlich, dass in unserer Gesellschaft jetzt unbedingt alles daran gesetzt werden muss, die Anzahl infizierter Patienten zu reduzieren. Jeder Einzelne kann seinen Teil dazu beitragen, die Durchhaltefähigkeit der Krankenhäuser zu sichern. +++


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