HANAU

"Bleiben Sie zu Hause" - Doch was, wenn ich kein Zuhause habe?

Einrichtungsleiter Rainer Broßmann am Eingang der Tagesstätte des Franziskus Hauses. - Fotos: Joana Schneider


Freitag, 20.11.2020
von JOANA SCHNEIDER

„Bleiben Sie zu Hause und minimieren Sie Kontakte“ – dieser Appell prägt unser aller Leben seit Beginn der Corona-Pandemie und gewinnt gerade mit den steigenden Infektionszahlen der letzten Wochen und dem zweiten Lockdown wieder an Dringlichkeit. Doch was, wenn man gar kein Zuhause hat? Rainer Broßmann, Einrichtungsleiter des Franziskus Hauses in Hanau, weiß, wie obdachlose Menschen mit der Pandemie umgehen.

„Über 40 Prozent unserer Klienten gehören aufgrund diverser Vorerkrankungen zur Risikogruppe und auch sie haben Angst vor dem Virus“, erklärt Broßmann. Gerade deswegen sei es wichtig, ihnen weiter einen Rückzugsort anbieten zu können. Weshalb auch die Tagesförderstätte weiter geöffnet sei. Allerdings gelten auch dort die gängigen Hygiene- und Abstandsregeln. So dürfen sich aktuell statt 50 nur noch 20 Personen in der Tagesstätte aufhalten. Des Weiteren wurde eine Lüftungsanlage eingebaut und im gesamten Franziskus Haus gelte eine Maskenpflicht. Auch die Übernachtungsplätze wurden von 15 auf 10 reduziert, womit es neben „einem Pärchenzimmer nur noch Einzelzimmer“ gibt, verrät der Einrichtungsleiter.

Die Tagessatzauszahlung der Sozialleistung finde außerdem im Hof statt, um „unsere Klienten und ehrenamtlichen sowie hauptamtlichen Mitarbeiter bestmöglich zu schützen“. Dennoch versucht die Einrichtung, „alle Dienste offenzuhalten“ und die Obdachlosen bestmöglich zu versorgen. Und dafür sind die Klienten auch dankbar, „halten sich dementsprechend auch an alle Regeln und haben Verständnis für die Situation“, lobt Broßmann.

Wegen der Corona-Pandemie findet die Tagessatzauszahlung im Hof statt.
Wegen der Corona-Pandemie findet die Tagessatzauszahlung im Hof statt.

„Zwischenmenschlich schwierig, aber gesundheitlich sehr wichtig“

Gerade jetzt, wo der Winter und damit auch eisige Temperaturen einziehen, sei das Franziskus Haus gemeinsam mit der Stadt und dem Kreis mit den Vorbereitungen der Notschlafstelle und Ausweichmöglichkeiten beschäftigt. Immerhin gibt es im Main-Kinzig-Kreis rund 30 Menschen, die keine Bleibe haben. Viele der über 100 Klienten, die die Postadresse des Hauses nutzen, kämen nach eigener Aussage irgendwo unter – ob das in Zeiten der Corona-Pandemie und Kontaktbeschränkungen auch weiterhin stimmt, können die Mitarbeiter des Franziskus Hauses allerdings nicht nachvollziehen.

„Es ist einfach ein verrücktes Jahr für uns alle“, fasst der Einrichtungsleiter des Franziskus Hauses zusammen. Besonders schade sei es auch, dass die Tagesförderstätte als „Dreh- und Angelpunkt unseres Hauses“ aufgrund der Maßnahmen im Moment nicht das eigentliche Ziel verfolgen kann, Kontakte zu schaffen und die Menschen untereinander näher zu bringen, wodurch sie sich unterstützen und motivieren können. Das ist „zwischenmenschlich schwierig, aber gesundheitlich sehr wichtig“, weiß Broßmann.

Spürbar sei allerdings, dass die Menschen teilweise aufmerksamer gegenüber Wohnungslosen seien. Oftmals machen sich „die Menschen um die Weihnachtszeit eher Gedanken um andere, dieses Jahr hat es aber schon früher angefangen“. Und das ist auch wichtig, denn die Obdachlosen befinden sich in „größerer Not“ als sowieso schon – denn die Kontaktbeschränkungen und Corona-Maßnahmen erschweren auch andere Hilfeleistungen und das Betteln, wodurch sich viele der Wohnungslosen ihren Lebensunterhalt zusammensparen. 

Die ökumenische Wohnungslosenhilfe ist eine Einrichtung des Caritas-Verbandes und der Diakonie und stellt obdach- und wohnungslosen Menschen verschiedene Fachdienste zur Seite. Angefangen bei der Straßensozialarbeit bis zum Übergangswohnheim und betreuten Wohnen bietet das Franziskus-Haus Hilfe auf allen Ebenen. Auch eine Postadresse, die rund 100 Menschen in Anspruch nehmen, die Tagessatzauszahlung des Sozialamtes und eine Kleiderkammer befinden sich im Haus. +++

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