GELNHAUSEN

Schreib für Freiheit: Ortsgruppe beteiligt sich Aktion von Amnesty International

Mitglieder von Amnesty International Ortsgruppe Gelnhausen bei ihrer Aktion - Foto: privat


Montag, 30.11.2020

Jeder Brief zählt! Die Amnesty International Gruppe aus Gelnhausen wollte diesem alljährlichen Aufruf zur Beteiligung an der weltweiten Solidaritätsaktion rund um den Internationalen Tag der Menschenrechte auch in diesem von Corona geprägten Jahr folgen. Da besondere Zeiten aber ungewöhnliche Lösungen erfordern, entschied man sich für eine Durchführung auf Abstand.

Während in den Jahren zuvor die Gruppenmitglieder an einem Aktionstag im Weltladen von Gelnhausen präsent waren, dort mit den Kunden ins Gespräch kamen und vorbereitete Briefe zum Unterschreiben bereit hielten, würden es dieses Mal großformatige Plakate sein, die die Aufmerksamkeit auf sich ziehen und dazu motivieren sollten, sich zu beteiligen und ein deutliches Zeichen für mehr Menschlichkeit zu setzen.

Bei der Suche nach geeigneten "Werbeflächen" erkannten Aktive der Amnesty-Gruppe in der Nutzung der Fenster in dem historischen Gebäude des ehemaligen Spitals „Zum Heiligen Geist“ in der Röther Gasse eine ideale Möglichkeit, den thematischen Bezug zwischen gelebter Mitmenschlichkeit von damals und der Solidaritätsaktion von heute herzustellen. Das „Haus für Kranke und Sieche“ wurde im Jahr 1233 gegründet und ging nach der Reformation 1543 in den Besitz der Stadt Gelnhausen über. Es wurde weiterhin auch noch einige Zeit nach dem 30-jährigen Krieg als Spital betrieben, danach gab es wechselnde, z.T. auch private Nutzungen und heute steht es leer. Dem Spital angegliedert war die Spitalskirche, deren Bau man auch heute noch an den Rundbogenfenstern und Pfeilern erkennen kann.

Dankenswerterweise war Volker Hohmann, heutiger Besitzer des Hauses und Inhaber der Firma Ikarus, auf Anfrage sofort bereit, das Vorhaben großzügig zu unterstützen. Das ehemalige Spital wird von ihm zurzeit umgebaut und die mit Spanplatten verschlossenen Fenster des Hauses bieten bestens die gewünschten Flächen.

Nun machten sich also heute AI-Mitglieder an die Arbeit und brachten die Plakate dort an. Auf ihnen finden sich Texte und Abbildungen derjenigen Personen und Gruppen, für die sich während des Aktionszeitraums vom 26. November bis zum 23. Dezember Amnesty International im Briefmarathon 2020 einsetzt, darunter z.B. Nassima al-Sada aus Saudi-Arabien, eine von vielen bekannten Aktivistinnen, die gegen die Unterdrückung und für die Freiheit saudischer Frauen vor männlicher Bevormundung kämpfen und z.B. gefordert haben, dass Frauen Auto fahren dürfen. Ihr mutiges Engagement hat dazu geführt, dass sie 2018 inhaftiert, isoliert und misshandelt wurde.

Auch der Journalist Khaled Drareni aus Algerien wurde bereits viele Male inhaftiert und sitzt nun seit März 2020 erneut in Haft, weil er über friedliche Demonstrationen der oppositionellen Hiram-Bewegung in Algerien berichtet hatte. Für Jani Silva aus Kolumbien müssen dringend Schutzmaßnahmen getroffen werden. Sie wird verfolgt, von Unbekannten eingeschüchtert und mit dem Tode bedroht, weil sie sich für die Rechte der Menschen in einem kleinbäuerlichen Reservat im Amazonasgebiet und für den Schutz des Regenwalds engagiert, indem sie gegen dort agierende Erdölkonzerne kämpft. Idris Khattak aus Pakistan ist Experte für das Thema "Verschwindenlassen". Er hat dieses völkerrechtliche Verbrechen jahrelang für Amnesty International und Human Rights Watch dokumentiert. Nun ist er selbst verschleppt worden und müsste, vor Gericht gestellt und schuldig gesprochen, mit 14 Jahren Gefängnis oder sogar der Todesstrafe rechnen.

Zu diesen und allen weiteren Personen finden sich Hintergrundinformationen und kurze Appellbriefe zum Abschicken online auf der Webseite http://www.briefmarathon.de In den Briefen werden die verantwortlichen Regierungen aufgefordert, ihre Verpflichtungen ernst zu nehmen und die Menschenrechtsverletzungen zu beenden. Auf den Plakaten befindet sich jeweils ein QR-Code, der beim Abscannen direkt zum Amnesty-Briefmarathon 2020 führt.

Weitere solcher Plakate werden von der Amnesty-Gruppe Gelnhausen zusätzlich auch noch in der Marien- und Peterskirche in Gelnhausen, am Seifenlädchen in der Langgasse, in der Stadtbibliothek sowie in der Bergkirche in Gründau angebracht.

Das Ziel: Tausende E-Mails mit Forderungen zur Einhaltung der Menschenrechte sollen Regierungen in solchen Ländern erreichen, in denen sich Menschen in Gefahr und Not befinden. "Nichts ist wirksamer als internationale Aufmerksamkeit“, sagt der Generalsekretär von Amnesty International in Deutschland Markus N. Beeko. Je mehr Personen sich beteiligen und damit ein deutliches Zeichen für mehr Menschlichkeit setzen, desto effektiver kann verfolgten Menschen zu ihren Rechten verholfen und ihnen Mut gemacht und Hoffnung gegeben werden. Amnesty International bestätigt, dass der gemeinsame Einsatz beim Briefmarathon immer wieder zu verbesserten Haftbedingungen, zur Freilassung von zu Unrecht inhaftierten Menschen, zur Änderung diskriminierender Gesetzestexte und zur Stärkung der politischen Arbeit von Verteidigern der Menschenrechte führt. (pm) +++

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