LANGENSELBOLD

Giftige Schönheit: Vortrag zur Herbstzeitlose mit Staatssekretärin Tappeser

Im Rahmen ihrer Sommertour besuchte Staatssekretärin Dr. Beatrix Tappeser (links) auch Langenselbold.

07.08.2019
von: Joana Gibbe

Eine giftige Schönheit erschwert das Leben der Landwirte: die Herbstzeitlose. Seit 2015 geht die Gesellschaft für Naturschutz und Auenentwicklung (GNA) gemeinsam mit den betroffenen Kommunen und Landwirten dieses Problem an. Mit dem Projekt „Die Herbstzeitlose in extensiv genutzten Grünlandbeständen und Auewiesen“ soll die zunehmende Ausbreitung der unscheinbaren, aber tödlichen Pflanze verhindert werden. Anlässlich der Sommertour der Staatssekretärin für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Dr. Beatrix Tappeser hielt Diplom-Biologin Patrizia König am Mittwoch einen Vortrag zu dem Projekt in der Klosterberghalle in Langenselbold.

„In den letzten Jahren hat sich die Herbstzeitlose auf vielen extensiv genutzten Wiesen massiv ausgebreitet“, erklärt König zu Beginn ihres Vortrages, der die Staatssekretärin ins Bild der Problematik setzen soll. Als Folge ergeben sich für die Landwirte erhebliche Ertragseinbußen, da die Silage durch die giftige Pflanze nicht verfüttert werden kann. Auch die Artenvielfalt ist durch die Aufgabe unrentabel gewordener Flächen und damit einhergehender Verbrachung gefährdet. Mit dem Projekt der GNA, der Kommunen und Landwirte soll die Herbstzeitlose nun effektiv verdrängt werden, ohne andere Pflanzen und Lebewesen zu belasten.

Diplom-Biologin Patrizia König informiert über das Projekt und den aktuellen Stand.
Jutta Schlieker vom Amt für Umwelt, Naturschutz und ländlicher Raum des Main-Kinzig-Kreises möchte sowohl dem Naturschutz als auch der Landwirtschaft gerecht werden.
Susanne Hufmann, Geschäftsführerin und Projektleiterin des GNA e.V.

Das Projektgebiet umfasst rund 600 Hektar landwirtschaftlich genutzte Grünflächen und liegt in der unteren Flussaue der hessischen Kinzig. In diesem Gebiet werden verschiedene Maßnahmen zur Verdrängung der unerwünschten Schönheit erprobt. Vom Mulchen bis hin zum Ausreißen zeigen viele Maßnahmen Wirkung. Die effektivste, aber auch aufwändigste Methode sei das Ausstechen der Knolle oder Ausreißen der Pflanze. Auf großen Flächen bietet sich besonders das Mulchen an, welches die Herbstzeitlose zwar langsamer, aber dennoch erfolgversprechend verdrängt.

Hinter dem Projekt stehen neben der GNA auch zahlreiche Kommunen und Landwirte.
Auf dem abgesteckten Versuchsparzellen werden die verschiedenen Maßnahmen getestet.
Stadtrat Gerhard Groß ist selbst Landwirt und kennt die Problematik.

Wichtig sei besonders der Zeitpunkt der Maßnahmen, erklärt König weiter, da die Pflanzenknolle die Energie sozusagen speichert und bei zu frühem oder zu spätem agieren, ausreichend Energie für einen weiteren Lebenszyklus innehat. Optimal sei es, die Maßnahmen im Frühjahr durchzuführen, um die vegetative und generative Vermehrung zu unterbinden. Auf abgesteckten Versuchsparzellen beobachtet die GNA seit einigen Jahren die verschiedenen Methoden zur Verdrängung der "Giftpflanze des Jahres 2010". Durch den Vortrag vor Staatssekretärin Tappeser erhoffen sich GNA, Landwirte und Kommunen Unterstützung seitens des Landes, da das Projekt sonst finanziell im nächsten Jahr zu Ende gehen würde. +++

Staatssekretärin für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Dr. Beatrix Tappeser (links) besuchte am Mittwoch die Klosterberghalle für den Vortrag zur Problematik der Herbstzeitlosen.
Eine verwelkte Herbstzeitlose.
Getrocknete Herbstzeitlose: Unscheinbar, aber sehr giftig.