ERLENSEE

Das Rennen ums Rathaus: Renate Tonecker-Bös (Bündnis90/Grüne)

Das Rennen ums Rathaus: Renate Tonecker-Bös (Bündnis90/Grüne) - Fotos: Privat

29.08.2019
von: Lena Riemann

Das Rennen um den Einzug ins Rathaus hat begonnen: Heute wird zur Wahl des neuen Bürgermeisters in Erlensee die Kandidatin Renate Tonecker-Bös vorgestellt.


Frau Tonecker-Bös, was können Sie uns über sich erzählen?

Ich bin 63 Jahre alt, wurde in Hanau geboren und bin wohnhaft in Erlensee. Ich bin verheiratet und habe eine erwachsene Tochter.

Beruflicher Werdegang: Industriekauffrau, 2. Bildungsweg Abitur und Studium: Diplom-Psychologin, Trainerin für Persönlichkeitsthemen und Führungskräfteentwicklung, Projektleitung für große Reorganisationsprojekte, seit vielen Jahren Beraterin und Trainerin in großen Unternehmen, zu Themen wie Führung, Change, Konflikthandhabung und Neuorganisation

Politische Karriere: ich bin seit ca. 20 Jahren Mitglied bei Bündnis 90/die Grünen, in den 90er Jahren Mitglied im Gemeindeparlament für die Grünen, seit 2011 erneut für die Grünen im Gemeindeparlament später Stadtparlament, seit 2013 Fraktionsvorsitzende der Grünen.


Was wollen Sie in der Gemeinde verändern bzw. anders machen als Ihr Vorgänger?

Mein Schwerpunkt liegt in der lebenswerten Gestaltung für alle Erlenseerinnen und Erlenseer. Ich lege großen Wert auf die sozialen und ökologischen Rahmenbedingungen in einem lebenswerten Erlensee. Hier wurde viel gebaut in den letzten Jahren. Es ist, außer dem Gewerbegürtel rings um Erlensee, sehr viel Wohnraum entstanden. Das ist gut so. Nur für Menschen mit kleinem Portemonnaie, also bezahlbarer Wohnraum ist nicht oder viel zu wenig entstanden. Daran möchte ich arbeiten. Erlensee soll eine ökologische Stadt werden, in der wir mit geeigneten Mitteln dem Klimawandel begegnet. Und ich möchte eine fahrrad- und fußgängerfreundliche Stadt entwickeln.

Wie sieht Ihr Wahlprogramm aus?

Es gibt sechs wichtige Punkte:

Klimaschutz mit einem lokalen Klimaschutzkonzept und der Förderung von Energieeffizienz bei Neu- und Umbauten.

Soziales Erlensee mit bezahlbarem Wohnraum, aktiver Kinder- und Jugendarbeit, Aktiver Seniorenarbeit, insbesondere auch für alte Menschen mit Einschränkungen, Förderung der Chancengleichheit für Frauen etc.

Mobilität: sichere Radwege, sichere Bedingungen für FußgängerInnen, Verbesserung des ÖPNV, neue Verkehrskonzepte statt neuer Straßen.

Umweltschutz: mehr Bäume und damit Verbesserung des Kleinklimas, Dachbegrünungen, Baumschutzsatzung, Förderung aller Möglichkeiten Klein- und Kleinstgärten im Stadtbild.

Kommunikation: bessere Dienstleistung der Stadtverwaltung, analog und digital, Gespräche mit den Vereinen, Stärken des sozialen Engagement Aller, Verbessern der Internetqualitäten, Einrichtung von Hotspots.

Stadtentwicklung: Ansiedlung von kleinen und mittleren Unternehmen, Möglichkeiten für kreative Startups bieten, Aufwertung der Stadtmitte, Entwicklung von Grünflächen und Parkanlagen.


Warum glauben Sie, dass Sie für den Posten als Bürgermeister*in geeignet sind?

Durch meine berufliche Erfahrung komme ich mit sehr vielen unterschiedlichen Menschen zusammen und habe immer wieder die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass bei allen Differenzen ein guter und zielorientierter Weg gefunden wird.

Genau dies ist auch die Aufgabe einer Bürgermeisterin: Ich bin kommunikationsstark, kann zuhören, eine Position entwickeln und diese gut vertreten.

Eine Bürgermeisterin hat es mit drei großen, manchmal sehr heterogenen Gruppen zu tun:1. den Erlenseer und Erlenseerinnen, den Vereinen, Interessensverbänden 2. der Politik, den Parteien, also dem Stadtparlament und 3. der Verwaltung und allen weiteren behördlichen Rahmenbedingungen. Diese drei Säulen müssen miteinander in Verbindung gebracht werden. Das ist herausfordernd, spannend und ich kann es schaffen.


Wo sehen Sie sich und die Gemeinde in zehn Jahren?

Wenn ich Bürgermeisterin bin, wird Erlensee auf jeden Fall grüner sein und auch einen Beitrag dazu leisten, dass das Umfeld ökologischer wird. Wir werden ein sinnvolles Verkehrskonzept haben und natürlich auch die Rahmenbedingungen für das Gewerbe ein wenig anders organisieren. Es wird mehr mittelständisches und kleinteiliges Gewerbe geben. Der Blick auf die Finanzen ist ein wichtiges Thema für jeden Bürgermeister. Wir werden weiterhin durch unseren Einnahmemix von Einkommensteuer, Gewerbesteuer, Grundsteuer und weitere Einnahmequellen wie Fördermittel aus dem Landes- oder auch Bundeshaushalt auf der Habenseite verbuchen. Die Ausgabenseite wird sich wie bisher auch in freiwillige und Pflichtaufgaben aufteilen. Da sind politische Entscheidungen, die ich entsprechend vorbereiten werde und mit allen Beteiligten verhandeln werde. Ich werde mehr für die Frauen tun. Die jetzt im Haushalt eingeplanten 1000 Euro für die Begehung des Weltfrauentages am 8. März reichen bei weitem nicht aus. Wir werden u.a. eine (ehrenamtliche) Frauenbeauftragte und einen Frauenrat haben, der relevante Themen für Frauen vorantreiben wird: Gleichstellung, Kinderbetreuung, Mentoren für Startups, Betreuungskonzepte für alte Menschen und mehr Sichtbarkeit im politischen Alltag. Erlensee wird sozialer, die Kinderbetreuung noch weiter ausgebaut sein. Erlensee wird bekannt sein als Fair-Trade- und als Fahrradstadt und wird insgesamt als grüne Kommune wahrgenommen und nicht mehr nur als Logistikstandort.


Wie stehen Sie zur Fusion der Gemeinden Neuberg und Erlensee?

Ich bin froh, dass wir Grüne von Anfang an gefordert haben, die Bürgerinnen und Bürger entscheiden zu lassen. Bevor diese Entscheidung gefallen ist, möchte ich hier nicht eine Vormeinung bilden. Die meisten erfolgreichen Fusionen der letzten Jahrzehnte haben zwischen gleich großen Gemeinden stattgefunden. Bei Erlensee und Neuberg ist dies nicht der Fall. +++