Im Zeichen der Nachhaltigkeit

"Erfreuliche Bilanz": Fairtrade ist im Main-Kinzig-Kreis angekommen

In Nidderau wurde die Gruppe begrüßt von Stadtrat Rainer Vogel sowie von Projektleiterin Alice Engel-Kanani (MKK) und Katja Adams (von links). - Fotos: MKK-Pressestelle


Mittwoch, 29.12.2021

MAIN-KINZIG-KREIS - Zum Jahresende kann die Fairtrade-Projektgruppe des Main-Kinzig-Kreises eine „erfreuliche Bilanz“ ziehen. Der Höhepunkt war Ende November die Übergabe des offiziellen Siegels und die damit verbundene Auszeichnung als Fairtrade-Landkreis. Auf diese Weise wurden schließlich die ausdauernden Anstrengungen und die zahlreichen Maßnahmen gewürdigt.

Insbesondere rund um die „Fairen Wochen“ im September hatte der Main-Kinzig-Kreis mehrere Veranstaltungen organisiert. Neben einer Ausstellung rund um die 17 nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (UN) gab es eine Podiumsdiskussion sowie zwei Radtouren. Alle Angebote fanden unter Coronabedingungen einen „angemessenen Zuspruch“, wie die Projektverantwortliche, Alice Engel-Kanani, zufrieden berichtete. Allerdings konnte die gewünschte öffentliche Aufmerksamkeit aufgrund der zahlreichen Auflagen nicht erreicht werden.

Klimawandel, Umweltzerstörung, Hunger


„Drängende Themen wie Klimawandel, Umweltzerstörung, Hunger, Kriege und Flucht wecken zwar nicht immer die große Begeisterung, sind aber für unsere Zukunft von zentraler Bedeutung“, ergänzte sie. So sei es höchste Zeit, die Nachhaltigkeitsziele der UN als wichtigen Beitrag für eine gesunde und sichere Zukunft zu beachten und konsequent umzusetzen. Die entsprechende Agenda 2030 trat am 1. Januar 2016 in Kraft und stellt Frieden, Chancengleichheit sowie ein nachhaltiges Management von natürlichen Ressourcen und den Erhalt der Ökosysteme in den Mittelpunkt.

In der Ausstellung im Bürgerportal des Main-Kinzig-Forums war jedem der 17 Ziele eine entsprechende Darstellung in einer handlichen Kiste gewidmet, was auch das Interesse der Schülerinnen und Schüler der 10 BÜA (Berufsfachschule zum Übergang in Ausbildung) mit dem Schwerpunkt „Handel“ der Beruflichen Schulen Gelnhausen weckte. Ziel des Besuches dieser Ausstellung war, so die begleitende Lehrerin Patricia Grendel, an ermutigenden Beispielen zu erkennen, dass Veränderungen in der Gesellschaft möglich sind, die unsere Welt menschlicher und lebenswerter machen. Die elf Lernenden, die sich an den Beruflichen Schulen an zwei Schwerpunkttagen mit Kernkompetenzen des Einzelhandels auf die Arbeitswelt vorbereiten, wollen sich anschließend selbst mit einem Projekt an den Beruflichen Schulen Gelnhausen engagieren, z.B. durch eine Verkaufsaktion mit Fairtrade-Produkten oder regionalen Feinkostangeboten.

Fairtrade und Nachhaltigkeit im kommunalen Handeln

Für eine sachkundige Einführung in die Ausstellung zu den nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen (UN) sorgte Maria Gubisch, Vorsitzende des entwicklungspolitischen Beirats der Hessischen Landesregierung.

Für eine sachkundige Einführung in die Ausstellung zu den nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen (UN) sorgte Maria Gubisch, Vorsitzende des entwicklungspolitischen Beirats der Hessischen Landesregierung.

Parallel zu der Ausstellung hatte die Projektgruppe eine Podiumsdiskussion organisiert zum Thema „Fairtrade und Nachhaltigkeit im kommunalen Handeln“. Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner waren Dr. Sascha Raabe (entwicklungspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion), Max Schad (CDU-Landtagsabgeordneter), Dr. Bettina Hoffmann (MdB Bündnis 90/Die Grünen), Miriam Elsaeße (Koordinatorin für kommunale Entwicklungspolitik beim Deutschen Landkreistag) und Maria Gubisch (Vorsitzende des entwicklungspolitischen Beirats der Hessischen Landesregierung).

Entlang einiger kritischer Fragen wurde erörtert, wie eine gerechte und nachhaltige Wirtschaft aussehen sollte und welchen Beitrag die Kommunen sowie die Bürgerinnen und Bürger leisten können. Dabei wurde übereinstimmend festgestellt, dass die Initiative für den fairen Handel noch viel mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung verdient. Auch wenn sich immer mehr Kommunen auf diesen Weg begeben, so sei die Bedeutung „in der Fläche noch zu wenig bekannt“.

Eine wirklich faire Radtour

Der Weltladen in Hailer war Treffpunkt einer weiteren fairen Radtour.

Der Weltladen in Hailer war Treffpunkt einer weiteren fairen Radtour.

Ein weiteres Angebot in dieser Zeit war eine „Faire Radtour, organisiert von der Stadt Hanau. Vom dortigen Umweltzentrum ging es zu einigen Städten und Gemeinden im Westen des Main-Kinzig-Kreises, die bereits Fairtrade Town sind oder sich auf den Weg zur Fairtrade Town gemacht haben. Als erstes wurde das Rathaus Erlensee angesteuert. Dort wurde die Gruppe mit fairen Früchtetees und einer Ansprache durch die dortige Steuerungsgruppe zur Fairtrade Town Erlensee empfangen. Erlensee ist seit 2013 Fairtrade Town.

Der nächste Stopp war in Bruchköbel, gefolgt von Nidderau. Bei Sonnenschein und guter Stimmung konnten sich die Teilnehmenden stärken und einiges an Informationen über die Faire Woche und den Hinweisen auf den Beitrag des Fairen Handels auf menschenwürdige Arbeitsbedingungen und nachhaltigem Wirtschaften mitnehmen. Auch die Qualität der Fairtrade Produkte wurde von den Gästen hervorgehoben. Weiter ging die Radtour nach Maintal. Die Stadt wurde, wie auch Hanau, in 2020 zur Fairtrade Town zertifiziert.

Am 1. Oktober folgte dann eine weitere Radtour, diesmal ging es von Gelnhausen nach Linsengericht ebenfalls mit mehreren Stationen rund um den fairen Handel. Der erste Stopp war dann bereits am Weltladen Hailer, wo Maria Gubisch die Gäste erwartete. Seit mehr als 30 Jahren ist sie verantwortlich an dem Projekt beteiligt und wusste entsprechend ausführlich zu berichten. Die „faire Radtour“ ging anschließend weiter nach Linsengericht zum dortigen Biomarkt Paradieschen. Die Ausfahrt war zugleich der Abschluss der Gesundheitsaktion „mit dem Rad zur Arbeit“ der Kreisverwaltung.

Für Projektleiterin Alice Engel-Kanani sind das eindrucksvolle Beispiele, wie umfassend das Thema bereits im Main-Kinzig-Kreis präsent ist. Daraus ergibt sich die Chance, dass die „faire Idee“ weitere Kreise zieht und mehr Beachtung erfährt. In diesem Sinne versteht auch der Main-Kinzig-Kreis seinen Auftrag und seine Verpflichtung als noch junge Fairtrade-Town. (pm)

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