MAIN-KINZIG-KREIS

DAK-Gesundheitsreport: Hunderttausende Hessen haben ein Suchtproblem

Symbolbild

11.09.2019
von: Moritz Pappert/ pm

Trinken, Dampfen, Gamen – Hunderttausende Beschäftigte in Hessen haben ein Suchtproblem. Das zeigt der aktuelle DAK-Gesundheitsreport „Sucht 4.0“. Nach der repräsentativen Studie haben 326.000 Arbeitnehmer in Hessen einen riskanten Alkoholkonsum – das ist jeder zehnte Beschäftigte. 10,6 Prozent der Arbeitnehmer hierzulande sind zigarettenabhängig.

 Das Suchtrisiko hat auch gravierende Folgen für die Arbeitswelt. Denn der Krankenstand bei betroffenen Erwerbstätigen ist fast doppelt so hoch. Ferner sind sie häufig unkonzentrierter im Job oder kommen zu spät. Erstmals untersucht der DAK-Report das Thema Computerspielsucht in der Arbeitswelt. Ergebnis: Rund 290.000 Erwerbstätige in Hessen zeigen ein riskantes Nutzungsverhalten. Auf Grundlage der Ergebnisse fordert die Kasse deshalb eine breite gesellschaftliche Debatte zur Suchtproblematik und startet ein neues Präventionsangebot bei Alkoholproblemen.

Alkohol: 326.000 Arbeitnehmer trinken riskant

Der Großteil der Krankmeldungen bei Suchtproblemen ist in Hessen auf Alkohol zurückzuführen (75 Prozent). Laut Studie der DAK-Gesundheit hat jeder zehnte Arbeitnehmer hierzulande einen riskanten Alkoholkonsum. 80 Prozent der hessischen Männer trinken demnach gelegentlich Alkohol. Bei den Frauen sind es 74 Prozent. Mit ihrem Trinkverhalten setzen sich rund 326.000 Erwerbstätige in Hessen Risiken aus, krank oder abhängig zu werden. „Die Zahl der Betroffenen macht uns Sorgen. Der riskante Umgang mit Alkohol bleibt ein zentrales Problem in unserer Gesellschaft, das auch gravierende Folgen in der Arbeitswelt hat“, sagt Sötkin Geitner, Leiterin der DAK-Landesvertretung Hessen.

Hoher Alkoholkonsum – abgelenkt bei der Arbeit

Der hohe Alkoholkonsum wirkt sich auch auf den Arbeitsalltag aus. So gab bundesweit jeder zehnte Arbeitnehmer mit riskantem Trinkverhalten an, in den letzten drei Monaten wegen Alkohol abgelenkt oder unkonzentriert bei der Arbeit gewesen zu sein; bei Arbeitnehmern mit einer möglichen Abhängigkeit sogar fast jeder Zweite (47 Prozent). Je höher der Alkoholkonsum, desto häufiger kommen betroffene Mitarbeiter deshalb auch zu spät zur Arbeit oder machen früher Feierabend. Mehr als jeder vierte Mitarbeiter mit einer möglichen Abhängigkeit gab das bei der DAK-Analyse an (27,2 Prozent).


Foto: DAK-Gesundheitsreport 2019

287.000 Beschäftigte in Hessen spielen riskant am Computer

Erstmals untersucht der Report auch das Thema Gaming und seine Auswirkungen auf die Arbeitswelt. Demnach spielen rund 60 Prozent der hessischen Arbeitnehmer Computerspiele. Jeder Elfte hessische Erwerbstätige gilt als riskanter Gamer. Das heißt: 287.000 Beschäftigte zeigen ein auffälliges Nutzungsverhalten.

Gamen bei der Arbeit: Abgelenkt und zu spät

Bundesweit spielt jeder vierte riskante Gamer während seiner Arbeitszeit Computerspiele. Bei den Computerspielsüchtigen ist es sogar fast jeder Zweite (47 Prozent). Jeder elfte Mitarbeiter mit riskantem Spielverhalten kam wegen des Spielens zu spät zur Arbeit oder machte deshalb früher Feierabend. Von den Erwerbstätigen mit einer Computerspielsucht war jeder Dritte (34,1 Prozent) abgelenkt oder unkonzentriert.

Rauchen ist verbreitetste Sucht

Das Rauchen von Zigaretten ist laut DAK-Report auch in Hessen die verbreitetste Sucht, die auch die Arbeitswelt betrifft. 10,6 Prozent der Erwerbstätigen sind zigarettenabhängig. Unter den jungen Erwerbstätigen zwischen 18 und 29 Jahren gibt es mit 16,3 Prozent den geringsten Anteil. Bei den 60- bis 65-jährigen Berufstätigen raucht fast jeder Vierte (23,7 Prozent). Fast jeder zweite Raucher raucht auch während seiner Arbeitszeit, also außerhalb der Arbeitspausen.

Dampfen – nicht ohne Nikotin

Derzeit dampfen rund sechs Prozent der hessischen Arbeitnehmer E-Zigarette. Raucher von E-Zigaretten greifen oft parallel zur herkömmlichen Zigarette, belegt der DAK-Report. Dampfer finden sich deshalb fast ausschließlich unter Rauchern und Ex-Rauchern. Bundesweit konsumiert mit 85 Prozent die deutliche Mehrheit der Dampfer Liquid mit Nikotin. „Dampfen mit Nikotin oder Tabak führt in die Abhängigkeit, genau wie herkömmliche Zigaretten“, warnt Sötkin Geitner. „Deshalb brauchen wir endlich ein umfassendes Werbeverbot für Tabak, Zigaretten und E-Zigaretten. Diese Forderung unterstützen auch die Fachgesellschaft der Lungenärzte sowie die Deutsche Krebshilfe mit Hinweis auf die Gesundheitsrisiken. Weil E-Zigaretten gesundheitsgefährdende Suchtmittel sind, dürfen sie nicht vom geplanten Tabakwerbeverbot der Bundesregierung ausgenommen werden.“ +++