Kreissynode beschließt neuen Pfarrstellenplan für den Kirchenkreis Hanau
Dienstag, 01.04.2025
HANAU - Neues Pfarrpersonal gewinnen und Kirche auf neue Art lebendig gestalten: Mit dem neuen Pfarrstellenplan möchte der Kirchenkreis Hanau neue Wege gehen. Das neue Konzept soll dabei Synergieeffekte zwischen den einzelnen Gemeinden verstärken und gleichzeitig Räume für neue Ideen und Konzepte öffnen. Ende März diskutierten die Mitglieder der Kreissynode über die hiermit verbundenen Chancen und Herausforderungen.
Grundlage für die Erstellung des Pfarrstellenplans ist die Anzahl der Mitglieder in den 26 Gemeinden des Kirchenkreises. Blickt man auf diese, so muss die Anzahl der Pfarrstellen mit dem neuen Pfarrstellenplan innerhalb seiner sechsjährigen Laufzeit von aktuell 31 auf 28 reduziert werden. „Die eigentliche Herausforderung ist jedoch vielmehr, entsprechendes Personal zu gewinnen“, stellt Dekan Dr. Martin Lückhoff aber fest. So habe man aktuell mit 6,5 unbesetzten Stellen im Kirchenkreis eine entsprechend große Vakanz im Pfarrdienst. Hier arbeite man intensiv daran, neue Kolleginnen und Kollegen zu gewinnen und möglichst viele dieser Stellen zeitnah wieder zu besetzten. Dennoch müsse man davon ausgehen, dass dieser Zustand mittelfristig eher zur Normalität werde.
Gleichzeitig gehe es auch darum, die sich ändernden Bedürfnisse und Wünsche der Gemeindemitglieder im Blick zu behalten und auf diese entsprechend zu reagieren. Auch wenn das lokale Gemeindeleben vor Ort dabei nach wie vor eine große Rolle spiele, wachse das Interesse an besonderen Formaten auch jenseits der eigenen Gemeindegrenzen. „Mit dem neuen Pfarrstellenplan wollen wir sowohl dem veränderten Mitgliederverhalten als auch der Personalstruktur gerecht werden“, erklärt der Dekan. Das Konzept: Jede volle Pfarrstelle soll künftig zu zwei Dritteln mit Gemeindearbeit vor Ort und zu einem Drittel mit übergeordneten Aufgaben und Projekten gefüllt werden. In der Evangelischen Landeskirche von Kurhessen-Waldeck ist der Kirchenkreis Hanau mit diesem Modell ein Vorreiter.
Die Idee ist nicht ganz neu
Trotzdem sei diese Idee hier nicht gänzlich neu, wie der Dekan erklärt: „Vieles davon passiert bei uns bereits an ganz vielen Stellen.“ Aktionen wie „Einfach heiraten“ am 25. Mai in Maintal, das große Tauffest am 17. August in Großauheim sind zwei Beispiele für Veranstaltungen, die sich nicht nur an die Menschen in den jeweiligen Gemeinden vor Ort richten. Auch Vertretungsdienste können zu dem übergeordneten Drittel zählen. Aber: „Es geht auch darum, Neues zu ermöglichen“, betont der Dekan. Hier sollen Pfarrerinnen und Pfarrer bewusst die Möglichkeit haben, eigene thematische Schwerpunkte zu setzen und neue Ideen oder Projekte auszuprobieren. Eine Möglichkeit, die besonders von jungen Pfarrerinnen und Pfarrern stark nachgefragt werde, wie Lückhoff berichtet. Er ist sich aber auch bewusst, dass man sich hiermit am Anfang eines langen Weges befindet: „Es ist ein Veränderungsprozess, der sicherlich eine Herausforderung für uns alle werden wird“, stellt er fest. „Aber wir sind überzeugt, dass es sich lohnt.“
Dieser Einschätzung schlossen sich auch die Teilnehmenden der Kreissynode im evangelischen Gemeindezentrum Dörnigheim an. Dem entsprechenden Beschluss stimmten sie bei drei Enthaltungen mit 63 Ja-Stimmen mit großer Geschlossenheit zu. Zuvor hatten sie die Gelegenheit, sich in kleinen Gruppen über den neuen Pfarrstellenplan auszutauschen und über Chancen und Herausforderungen bei der Umsetzung miteinander zu diskutieren. Der Austausch miteinander sei auch bei der weiteren Umsetzung des neuen Pfarrstellenplans ein wichtiger Bestandteil, wie der Dekan feststellt: „Wir wollen mit diesem Konzept die Sicherheit und Verlässlichkeit von Kirche mit Freiräumen und Innovation vereinen. Dafür braucht es eine gute Kommunikation miteinander.“ (red)