REGION

19 Prozent mehr Arbeitslose: Corona-Krise wirkt sich massiv auf Arbeitsmarkt aus

Foto: Archiv

Donnerstag, 30.04.2020
von MORITZ PAPPERT/ pm

Die Corona-Krise wirkt sich massiv auf hessischen Arbeitsmarkt aus. Die Arbeitslosigkeit stieg gegenüber dem Vorjahr um fast ein Fünftel an, die Stellenmeldungen sind eingebrochen. Innerhalb eines Monats stieg die Arbeitslosigkeit von 4,5 Prozent auf 5,2 Prozent an. Aktuell sind rund 700.000 Menschen in Kurzarbeit. 

Trotz der starken Nutzung von Kurzarbeit ist im Monat April die Arbeitslosigkeit massiv angestiegen. Ende April wurden 176.628 arbeitslose Frauen und Männer gezählt, 15,0 Prozent (+23.001 Personen) mehr als im Vormonat und 19,0 Prozent (+28.179 Personen) mehr als im Vorjahr. Dr. Frank Martin rechnet damit, dass diese Zahlen im Mai noch weiter steigen.

„Der positive Arbeitsmarkttrend der letzten Jahre wurde abrupt beendet. Zahlreiche Menschen haben sich arbeitslos melden müssen, weil sie entlassen oder befristete Arbeitsverträge nicht verlängert wurden. Außerdem haben sich deutlich mehr Menschen arbeitslos gemeldet, die gezwungen waren, ihre Selbstständigkeit aufzugeben.“, fasst Dr. Frank Martin die aktuelle Entwicklung zusammen. „Gleichzeitig ist die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen gesunken. Hinzu kommt, dass derzeit kaum Weiterbildungen oder andere Unterstützungs­maßnahmen für Menschen in Arbeitslosigkeit stattfinden können.“ 

Der Zugang neuer Arbeitsstellen in den hessischen Agenturen ist im Monat April eingebrochen. Nur noch 5.940 neue Stellen wurden gemeldet, ein Rückgang von 52 Prozent zum Vorjahr. Insbesondere in der Logistik, in der Gastronomie sowie im Maschinenbau gab es deutliche Rückgänge. Eine positive Entwicklung gab es lediglich im Bereich des Objektschutzes.

 Dr. Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen

Dr. Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen - Foto: Arbeitsagentur

Personengruppen: Anstieg besonders bei jungen Menschen unter 25

Von den Auswirkungen der Pandemie waren im April alle Personengruppen am Arbeitsmarkt betroffen. Insbesondere bei der Gruppe der unter 25-Jährigen, bei welchen im Frühjahr zusätzlich vielfach Ausbildungsgänge enden, erhöhte sich die Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vormonat um rund 20 Prozent. Der Anstieg bei allen anderen betrachteten Personengruppe entwickelte sich wie folgt: Frauen: +15,9 Prozent; Ausländer: +15,0 Prozent; Männer: +14,3 Prozent, Ältere über 50 Jahren: +11,0 Prozent.

Kurzarbeit: Fast jeder dritte Betrieb in Hessen zeigte Kurzarbeit an

Bereits der März 2020 brachte den hessischen Arbeitsagenturen einen bisher nie dagewesenen Zulauf an Kurzarbeit-Anzeigen von über 11.000 Betrieben. Im Monat April ist der Wert noch einmal signifikant gestiegen. Insgesamt 52.139 Anzeigen hessischer Betriebe wurden bislang für die Monate März und April insgesamt gezählt. Damit greift derzeit fast ein Drittel der hessischen Betriebe auf Kurzarbeit zurück.

Durch massive interne Personalverlagerungen in den örtlichen Arbeitsagenturen ist es in den zurückliegenden Wochen gelungen, bereits etwa 95 Prozent der angezeigten Wünsche von Unternehmen nach Kurzarbeit abschließend zu prüfen. Die Betriebe haben damit Rechtssicherheit, dass große Teile der Personalkosten wie beantragt übernommen werden. In über 15.000 Fällen wurden zudem bereits erste Zahlungen angewiesen.

„Letztlich ist die umfassende Nutzung von Kurzarbeit in der aktuellen Phase ein positives Signal, da hierdurch kurzfristige Entlassungen oder gar Unternehmensinsolvenzen in großem Umfang verhindert werden. Eine Situation wie beispielsweise in den USA, wo bei einer wirtschaftlichen Abschwächung sofort Millionen Menschen ihre Arbeit verlieren, tritt dank des Instruments der Kurzarbeit in Hessen nicht ein“, bilanziert Dr. Frank Martin, Leiter der hessischen Arbeitsagenturen. „Allerdings sind wir noch nicht über den Berg. Noch immer beantragen täglich hunderte zusätzliche Betriebe in Hessen Kurzarbeit. Und noch immer dominiert die Unsicherheit in den Unternehmen, wie lange der zu überbrückende Zeitraum ist.“

Grundsicherung: Kurzarbeit und Sozialschutz-Paket bilden sich in Zahlen ab

Besonders die Zahl an Selbstständigen und Menschen, die neben ihrem Einkommen Leistungen aus der Grundsicherung erhalten, stieg binnen eines Monats deutlich an. Waren im März 2020 lediglich 71 selbständige Leistungsbezieher registriert, stieg ihre Zahl im April auf rund 1.700. Ähnlich die Entwicklung bei der Personengruppe der abhängig erwerbstätigen Leistungsbezieher. Hier stieg die Zahl von rund 620 auf 2.260. Bei dieser Personengruppe ist vielfach davon auszugehen, dass das Erwerbseinkommen aus Kurzarbeit nicht ausreicht, um den Lebensunterhalt zu sichern.

Bislang noch keine Zunahme an Insolvenzen

„Bisher verzeichnen wir noch keinen nennenswerten Anstieg an Insolvenzmeldungen. Dies ist ein Indiz dafür, dass neben der Kurzarbeit auch die Liquiditätsmaßnahmen von Bund und Ländern wirken“, so Martin. Der messbare Anstieg an Arbeitslosmeldungen von Menschen, die ihre selbstständige Tätigkeit beenden, kann jedoch Anhaltspunkt dafür sein, dass sich die Situation perspektivisch ändern kann. Dies hängt davon ab, wie lange die Krise dauern wird.“ +++

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