STEINAU A. D. STRASSE/ GRÜNDAU

Malte Jörg Uffeln kündigt Polit-Comeback in Gründau an

Malte Jörg Uffeln - Foto: Archiv

Sonntag, 24.05.2020
von GNZ

Malte Jörg Uffeln und Steinau – das wird wohl keine Geschichte mehr mit einem Happy End. Der 56-Jährige bestätigte am Donnerstag, dass er zur Bürgermeisterwahl am 1. November nun doch nicht mehr antreten wolle und seine Kandidatur definitiv zurückziehe. Stattdessen wolle er in seine Heimatgemeinde Gründau zurückkehren – und sich dort kommunalpolitisch engagieren.

Bereits seit einigen Wochen hatte es in Steinau Spekulationen zu Uffelns Kandidatur gegeben, die offizielle Bestätigung Uffelns stand bis Donnerstag allerdings noch aus. Womöglich wurde er zu diesem Schritt nun auch gedrängt. In einem eigentlich internen Schreiben mit Datum vom 20. Mai an Magistrat, Ältestenrat und Stadtverordnetenvorsteher Ludwig Bathon schilderte Malte Jörg Uffeln (parteilos), dass er unter bestimmten Voraussetzungen nicht mehr zur Bürgermeisterwahl am 1. November antreten würde. Was erst einmal wie ein Angebot klingt, konkretisierte der Amtsinhaber innerhalb des Schriftstückes.

Zur Sicherung der Funktionsfähigkeit der Verwaltung stelle er sich gern nach dem Ende seiner Amtszeit am 31. Juli für eine Übergangsphase bis zum 31. Oktober als Bürgermeister zur Verfügung, erklärt der Rathauschef. Dies gelte aber nur, wenn die Stadtverordneten keinen Antrag nach Paragraf 41 der Hessischen Gemeindeordnung (HGO) stellten, ihn also offiziell absetzen würden. Unter diesen Umständen, so Uffeln, trete er am 1. November, dem neuen Termin der Bürgermeisterwahl, nicht mehr an. Seine private und berufliche Lebensplanung – auch bedingt durch die Corona-Pandemie – habe sich inzwischen verändert, benennt er die Gründe. Wer das Schreiben, das eigentlich nur einem begrenzten Empfängerkreis zuging, letztlich öffentlich gemacht habe, wolle er nun herausfinden, sagt Uffeln.

„Ich bin definitiv raus aus diesem Film. Diese Art und Weise der Menschen, mit denen ich da zu tun habe, will ich nicht länger hinnehmen. Ich ziehe meine Kandidatur definitiv zurück“, sagte der Amtsinhaber im Gespräch. „Ich weiß, dass das ein großes Hin und Her war in den letzten Monaten. Schreiben Sie ruhig, der Uffeln ist wankelmütig, aber die Wahrheit ist: Mein Plan A war immer, Bürgermeister in Steinau zu sein. Aber es gibt eben auch Plan B. Und es gibt bestimmte Dinge, die gehen einfach nicht“, antwortet er auf die Frage, warum er wieder eine Kehrtwende vollziehe. Denn die jetzige ist nicht seine erste.

Kritiker: Uffeln will Pensionsansprüche erhöhen

Zur Erinnerung: Mitte August 2018 hatte er erklärt, für die Bürgermeisterwahl im Frühjahr 2020 erneut kandidieren zu wollen. Ende November 2019 folgte der erste Sinneswandel, als er am Ende einer Presserklärung zum Ausscheiden der Stadt Steinau aus dem Schutzschirm des Landes Hessen verlauten ließ: „Ich habe meine Ziele erreicht! Ich werde 2020 nicht wieder kandidieren! Mein Wählerauftrag ist vorzeitig erfüllt!“ 

Anfang des Jahres 2020 blieb er zuerst bei dieser Aussage. Am 17. Februar dann, dem Ablauf der Einreichungsfrist der Bewerbungsunterlagen zur Direktwahl im April, folgte eine weitere Umkehr, und Uffeln verkündete, er werde nun doch zur Wahl antreten. Und nun?

„Ich werde als Anwalt arbeiten“, sagt Uffeln und ergänzt: „Entweder ab dem 1. August oder erst ab dem 1. November. Mein Angebot steht, die Amtsgeschäfte bis zur Wahl zu übernehmen. Es steht ja auch das Tagesgeschäft an, wir müssen einen Haushalt verabschieden.“ Allein das sei der Grund, warum er eine Übergangslösung anbiete. „Aber wenn man mich nicht will, dann bin ich ab 1. August eben weg.“ Emotional sei er in Steinau nie angekommen, wolle nun in seiner Heimatgemeinde Gründau wieder kommunalpolitisch aktiv werden.

Kritiker werfen Uffeln vor, dass er die drei Monate nur anhängen wolle, um seine Pensionsansprüche zu erhöhen. Uffeln dementiert das. Diese habe er längst erworben, da er sein Amt vor einer entsprechenden Reform im Jahr 2016 angetreten habe. Nach alter Regelung streicht das Stadtoberhaupt nach seinem Ausscheiden schon nach einer Amtszeit von sechs Jahren ein lebenslanges Ruhegehalt in Höhe von 35 Prozent seiner jetzigen Bezüge ein.

Uffeln will in Gründau mit Ex-AFD-Mann Marx eine neue Wählergemeinschaft gründen

Uffelns Ankündigung, in die Gründauer Politik zurückkehren zu wollen, kommt nicht wirklich überraschend. Eigentlich war der 56-Jährige nie weg aus Gründau. Auch als er im August 2014 das Bürgermeisteramt im Steinauer Rathaus antrat, blieb Uffeln seiner Heimat treu, ist in Gründau noch immer wohnhaft gemeldet. Seine Tätigkeit als Anwalt führt er noch immer von seiner Kanzlei in Lieblos aus. 

In der Gründauer Politik war Uffeln in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten immer wieder präsent. Er war Mitglied im Ortsbeirat Lieblos und saß in der Gemeindevertretung. Fast 20 Jahre lang gehörte er der CDU an, ehe er im Jahr 2000 austrat und zur FWG wechselte. Auch dort war er zwei Jahrzehnte lang aktiv, gab seine Mitgliedschaft erst in diesem Februar auf. 

Nun will Uffeln erneut ein Wörtchen in der Gründauer Lokalpolitik mitreden. Schon länger ist in der Gemeinde die Rede davon, dass der ehemalige Bürgermeisterkandidat der AfD, Marcus Marx, in Gründau mit der Gründung einer neuen Wählergemeinschaft liebäugelt. Inzwischen ist Marx aus der rechtspopulistischen Partei ausgetreten. Im Gespräch mit der GNZ bestätigte Uffeln nun entsprechende Pläne: „Wir basteln da schon länger dran.“ In den nächsten Monaten könnte das neue Polit-Projekt offiziell an den Start gehen und somit auch bei der Kommunalwahl im kommenden Jahr antreten.

Die neue Gruppierung könnte die Machtverhältnisse in Gründau verändern. Seit Monaten sind die politische Fronten in der Gemeinde massiv verhärtet. Bürgermeister Gerald Helfrich (parteilos) und die Fraktionen liefern sich teilweise heftige Auseinandersetzungen Auch im Gemeindevorstand, dem Helfrich vorsteht, ist die Stimmung vergiftet. CDU und FWG hatten sogar eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Rathauschef angestoßen. Ein Beschluss für eine angedachte Mediation zwischen den zerstrittenen Lagern wurde vom Gremium im vergangenen Herbst aufgehoben. 

Und nun könnte mit Uffeln ein weiterer, bekanntlich streitlustiger und polarisierender Akteur ins politische Geschehen dazukommen. Bürgermeister Helfrich aber müsse zumindest von ihm keine Querschläger befürchten, kündigte Uffeln gestern im Gespräch mit der GNZ an. Es ist kein Geheimnis, dass sich Uffeln und Helfrich gut verstehen. Als sich der heutige Rathauschef im Jahr 2013 um die Nachfolge von Heiko Merz (SPD) bewarb, engagierte sich Uffeln in Helfrichs Wahlkampf. Auch für dessen Wiederwahl machte sich der noch amtierende Steinauer Bürgermeister hinter den Kulissen stark. Da überrascht es nicht, dass Uffeln nun ankündigt: „Die neue Wählergemeinschaft wird den amtierenden Bürgermeister sicherlich unterstützen.“ (GNZ)+++

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