FRANKFURT AM MAIN

Lufthansa in der Corona-Krise: Bis zu 26.000 Jobs überflüssig?

Nur vergleichsweise wenige Flugzeuge starten und landen derzeit am Flughafen Frankfurt am Main. Das Frachtgeschäft kann das Minus bei den Passagierzahlen nicht ausgleichen - Fotos: Tobias Rehbein

Freitag, 12.06.2020
von HANS-HUBERTUS BRAUNE

Viele Experten erwarten, dass die Nachfrage nach Flügen als Folge der Corona-Pandemie im Vergleich zum hohen Level der vergangenen Jahre deutlich sinken werde. Gerade bei den Geschäftsreisen werde dies spürbar, da viele Unternehmen verstärkt auf Videokonferenzen und alternativen Kommunikationsmöglichkeiten mit den weltweiten Geschäftspartnern setzen. Daran werde sich wenig ändern - trotz Lockerungen und Aufhebung von Reisewarnungen.

Die Lufthansa in Deutschland plant deshalb, massiv Stellen einzusparen. Das Unternehmen will den Aktionären am 25. Juni diesen Jahres bei einer außerordentlichen Hauptversammlung erklären, wie sie die Krise bewältigen will. Lufthansa rechnet damit, dass rund 100 Flugzeuge der Flotte eingespart werden müssen. Das Unternehmen beschäftigt weltweit nach eigenen Angaben über 138.000 Mitarbeiter und hat in der Konzernflotte 763 Flugzeuge (Stand: Zum Jahresende 2019).

Ein Sprecher der Lufthansa erklärte gegenüber KINZIG.NEWS: "Die Erholung der Nachfrage wird im Luftverkehr absehbar nur langsam verlaufen. Wir gehen davon aus, dass die Flotte der Lufthansa Group nach der Krise rund 100 Flugzeuge weniger zählen wird. Hinzu kommen Überhänge in der Verwaltung und im Drittkundengeschäft unserer Servicegesellschaften, sodass wir insgesamt rechnerisch 22.000 Vollzeitstellen in der Lufthansa Group weniger haben werden, davon die Hälfte in Deutschland. Ziel ist gleichwohl, durch Kurzarbeit und Krisenvereinbarungen möglichst betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden".

Das sagt die Lufthansa

Aus der Führungsetage der Lufthansa heißt es dazu: "„Ohne signifikante Senkung der Personalkosten während der Krise verpassen wir die Chance eines besseren Restarts aus der Krise und riskieren, dass die Lufthansa Group deutlich geschwächt aus der Krise hervorgeht. Zusätzlich dürfte der Personalüberhang noch größer werden, so dass ein Abbau dieses Personalüberhangs durch die Umsetzung einseitiger Maßnahmen unausweichlich wäre. Dieses Szenario wollen wir vermeiden. Deshalb setzen wir alles daran, mit unseren Tarifpartnern bis zum 22.6.2020 zu konkreten Ergebnissen zu kommen“, sagt Michael Niggemann, Vorstand Personal & Recht und Arbeitsdirektor der Deutschen Lufthansa AG.

Gerade für die Rhein-Main-Region und den angrenzenden Regionen ist der Flughafen Frankfurt am Main direkt wie indirekt ein wichtiger Standortfaktor. Streicht die Lufthansa Flugzeuge und Personal, bedeutet dies in vielen Bereichen weniger Umsätze.

Die Unternehmensvertreter verhandeln derzeit mit den Gewerkschaften. Die Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO) erklärte: "Lufthansa hat den voraussichtlichen Überhang an Mitarbeitern konkretisiert. Ein genannter Überhang von 26.000 Arbeitsplätzen im Konzern kann niemandem gefallen. Immer noch droht eine Insolvenz, sollte das Rettungspaket durch die Aktionäre abgelehnt werden. Ein erfolgreicher Restart ist also alternativlos für die Luftfahrtbranche".

Die Lufthansa will massiv sparen - weniger Flugzeuge und weniger Personal

Die Lufthansa will massiv sparen - weniger Flugzeuge und weniger Personal

Die UFO erklärte weiter: "Wir werden daher weiterhin alles versuchen, um bis zur außerordentlichen Hauptversammlung eine Lösung erreichen zu können. Doch dafür muss auch Lufthansa umschalten, bisher erleben wir noch keinen partnerschaftlichen Weg. Die Mitarbeiter aller Airlines des Konzerns müssen einen Kündigungsschutz bekommen und daran glauben, dass das Management endlich einen gemeinsamen Kurs geht. Gerade wegen der schlechten Erfahrungen aus den letzten Jahren braucht es außerdem eine neue Verlässlichkeit im Umgang und eine sozialpartnerschaftliche Vorgehensweise ohne einseitige Vorgaben, dann werden auch wir unseren Teil zur Absicherung gemeinschaftlich beitragen“, so Nicoley Baublies, UFO-Geschäftsführer nach dem Tarifpartnergipfel.

Niedrigpreise für Flugtickets begrenzen

"Österreich hat einen Mindestticketpreis von 40 Euro eingeführt. In Deutschland wird von Ryanair, Wizzair und Co. schon wieder mit Dumping-Tickets geworben. UFO und Lufthansa waren sich daher heute einig, dass die Branche wirtschaftlich wie ökologisch nur dann gut aus der Krise kommt, wenn auch im sonstigen Europa ein Mindestpreis für Flugzeugtickets eingeführt wird. Nur weil es eine Idee aus Österreich war, sollten wir uns nicht zu fein sein, das auch in Deutschland schnellstens zu besprechen“, so Daniel Flohr, UFO-Vorsitzender.

"Die Konzernvorstände haben heute ganz deutlich gesagt, dass sie bereit sind neue Wege zu gehen, kreativ zu sein und ihren Verhandlungsteams hier freies Spiel zu geben. Die Worte an sich hören wir gerne und hoffen, dass sich das in den Verhandlungen der nächsten Tage auch endlich widerspiegelt", so Flohr abschließend. +++

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